Göttlicher Schnitt
„Hier verspüre ich keinen Druck mehr, eine Rolle spielen zu müssen“
Benno Zünd ist Mönch. Seit Ostern 2010 lebt der Thurgauer hier oben im Kapuzinerkloster Wesemlin. Das altehrwürdige Gebäude steht auf einer Anhöhe mitten in einem grünen Wohnquartier der Stadt Luzern. Im Kreuzgang hinter der dicken Eichenpforte schlurft ein betagter Mitbruder vorbei, aus der Küche riecht es nach Kaffee. 38 Kapuziner leben hier, der älteste ist 96-jährig, Benno gehört mit seinen 48 Jahren zu den drei jüngsten. Der katholische Männerorden beruft sich auf den heiligen Franz von Assisi. Dieser führte ein einfaches Leben, setzte sich für die Armen und Schwachen ein. Jeder Ordensbruder wohnt in einer kargen Zelle. Jede ist gleich gross, auch die des Guardians, des Klostervorstehers. Bruder Benno sitzt an seinem Arbeitstisch und erzählt.
Nach dem Studium in Betriebswirtschaft an der Uni St. Gallen arbeitete er als Finanz-Controller in der Swissair-Informatikabteilung – von 1991 bis kurz vor dem Grounding im Oktober 2001. Während dieser Zeit hatte er eine Swissair-Flight-Attendant kennengelernt, die zwei verliebten sich. Als Berater der Geschäftsleitung war Benno Zünd an der Entlassung von 120 Angestellten beteiligt. «Eine starke Belastung.» Der berufliche Druck schlug auf die Gesundheit, Zünd kündigte. Auch sein Hobby, die Volksmusik, trat in den Hintergrund. Als Pianist und Bassist hatte er bei Carlo Brunner und bei den Alderbuebe gespielt – mit Auftritten in Amerika und bei «Verstehen Sie Spass?» von Kurt Felix. «Ich suchte Frieden und Gott.» Benno, der streng christlich erzogen wurde, fand beides, in Gesprächen mit einem Kapuziner, in Wallfahrten, im Gebet. Immer mehr beschäftigte ihn der Gedanke: Ist das Klosterleben mein Weg?





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