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Schweizer Kapuziner-Provinz

Province Suisse

Kapuziner-Blog

Mitglieder der franziskanischen Familie veröffentlichen hier alle zwei Wochen einen Blogbeitrag. Sie kommentieren aus persönlicher Sicht aktuelle Ereignisse.

Empfangt den Heiligen Geist
Die biblischen Bilder erklären, was geschieht, wenn der Auferstandene die, die er senden wird, anhaucht und spricht: „Empfangt den Hl. Geist!“ (Raphael Grolimund, 30. Mai 2020)
Glauben in Christus – Leben in Gott
Der Auferstehungsglaube umfasst unsere ganze Lebensbestimmung im Hier und Jetzt und im Dasein nach dem Tod. (Raphael Grolimund, 23. Mai 2020)
Seid gewiss: Ich bin bei euch
Jene, die seinen Namen tragen, sollen sein Werk fortführen. Aber ist das nicht eine zu grosse Aufgabe für sie? (Raphael Grolimund, 20. Mai 2020)
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Von einem, der ins Kloster kam

Am Samstagnachmittag , 1. September fand ein offener Klostergarten statt. Abends wurde in der Klosterkirche «Jakob der Gaukler» aufgeführt. Eine französische Legende aus dem 13. Jahrhundert berichtet, wie im Mittelalter ein Gaukler bei den Mönchen landet. 300 Gäste kommen jährlich in das Kapuzinerkloster Rapperswil. Offensichtlich entspricht das Konzept «Kloster zum Mitleben» einem grossen Bedürfnis in der Bevölkerung. Diese Erfolgsgeschichte nahm im Jahr 1992 ihren Anfang und wurde am Samstag mit einer speziellen Aufführung gefeiert: «Jakob der Gaukler», eine Serenade aus dem Hochmittelalter, erzählt die Geschichte von einem, der ins Kloster kam.

Die Serenade von einem, der ins Kloster kam, entspringt einer Marienlegende aus dem Mittelalter und wird von Max Bolliger neu erzählt. Mona Petri tritt als Erzählerin auf, Jürgen Kluge ist für die Bildanimation verantwortlich. Die Bilder stammen von Stepan Zavrel. Die Serenade wird begleitet von Ronny Spiegel (Violine), Peter Leuzinger (Kontrabass), Rolf Wäger (Orgel) und Beat Schuler (D-Piano), der verantwortlich ist für Idee und Konzept der Aufführung. Es erklingt dazu Musik von Johann Sebastian Bach, Johann Pachelbel, Antonio Vivaldi, Hanspeter Reimann, Erik Satie, Joe Harnell und Stéphane Grappelli.

Dieser Gaukler und Spielmann sei ein wilder Zeitgenosse und Analphabet gewesen, schilderte Beat Schuler an einer Pressekonferenz. Dieser Jakob versucht, das Unstete seines Lebens hinter sich zu lassen, und geht ins Kloster. Doch dort versteht er die lateinischen Gesänge der Mönche nicht, wird einsam und hat Angst, dass ihn die Mönche wieder fortschicken.

Der Angst zum Trotz beginnt er im Klostergarten Schnecken zu suchen und zu tanzen. Obwohl er im Klosterleben seinen Platz nicht sofort findet, kann er nach langem Suchen und Ringen vor der Klostergemeinschaft bestehen. Auf seinem inneren Weg wird er von Musikstücken von Klassik über Jazz bis zu Rock begleitet, die der Erzählung einen weiten Spannungsbogen verleihen.

Die Liturgie verändert sich

Bruder Beat Pfammatter, Guardian des Kapuzinerklosters Rapperswil, erzählte, dass dieser Jakob den Gast symbolisiere, der im Kloster Aufnahme findet: «Die Gemeinschaft nimmt die Gäste auf, so wie sie sind. Der Gast findet hier Raum, sich seinem Eigenen anzunähern.» Dass seit 20 Jahren Gäste ins Kloster kommen, habe sich auch auf die Liturgie der Gemeinschaft ausgewirkt. «Ohne Gäste würden wir noch wie vor 50 Jahren beten», meint der Guardian. Schliesslich wollen die Gäste verstehen, was sie beten, und würden eine eigene Sprache und andere Formen für die Psalmen suchen. Ins Gewicht falle auch, dass unterdessen ein Viertel der Gäste konfessionslos sei und keine Bindung mehr zur Kirche hätte.

Der Druck nimmt zu

Der äussere Rahmen des Konzepts «Kloster zum Mitleben» hat sich in den 20 Jahren kaum gewandelt. Hingegen habe sich die Betreuung der Gäste professionalisiert. Es würden mehr Begleitgespräche angeboten als früher, konstatiert Bruder Adrian Müller, der ab dem 8. September ins Kloster Rapperswil zurückkehrt und Beat Pfammatter als Guardian ablösen wird. Zu beobachten sei, dass immer mehr Erschöpfte unter den Gästen zu finden seien. «Der Druck und das Tempo in unserer Gesellschaft und Arbeitswelt nehmen immer stärker zu», stellt Pfammatter fest. So steigt die Zahl der Gäste, die Stille suchen und Abstand vom Arbeitsalltag.

Vom Sozialen zum Kulturellen

Eine weitere Veränderung ist spürbar im Klosterleben: Es hat sich vom Sozialen zum Kulturellen hin verlagert. Während in den 90er-Jahren noch Sponsorenläufe für Ruanda und soziale Projekte auf dem Programm standen, sind in der vergangenen Zeit Konzerte und Ausstellungen im Kloster in den Vordergrund gerückt. Ein weiterer Aufbruch im Kloster ist spürbar durch die Möglichkeit, Bruder auf Zeit zu werden. Fridolin Schwitter, der erste Bruder auf Zeit, hat seinen Vertrag mit den Kapuzinern um weitere drei Jahre verlängert. Konstant intensiv geblieben ist in den letzten 20 Jahren die gute Zusammenarbeit zwischen dem Kloster und der Stadt wie der Ortsgemeinde Rapperswil-Jona.

Magnus Leibundgut