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Schweizer Kapuziner-Provinz

Province Suisse

Kapuziner-Blog

Mitglieder der franziskanischen Familie veröffentlichen hier alle zwei Wochen einen Blogbeitrag. Sie kommentieren aus persönlicher Sicht aktuelle Ereignisse.

Empfangt den Heiligen Geist
Die biblischen Bilder erklären, was geschieht, wenn der Auferstandene die, die er senden wird, anhaucht und spricht: „Empfangt den Hl. Geist!“ (Raphael Grolimund, 30. Mai 2020)
Glauben in Christus – Leben in Gott
Der Auferstehungsglaube umfasst unsere ganze Lebensbestimmung im Hier und Jetzt und im Dasein nach dem Tod. (Raphael Grolimund, 23. Mai 2020)
Seid gewiss: Ich bin bei euch
Jene, die seinen Namen tragen, sollen sein Werk fortführen. Aber ist das nicht eine zu grosse Aufgabe für sie? (Raphael Grolimund, 20. Mai 2020)
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Im Theaterstück «Bilder putzen» im Kapuzinerkloster Appenzell wird das über 400-jährige Wirken der Kapuziner in Appenzell beleuchtet und gewürdigt. Der letzte Guardian, Bruder Hans Portmann, war an der Uraufführung am 31. Oktober 2019 dabei.

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Der 51-jährige Ostschweizer Kapuziner Benno Zünd wurde am Samstag in der Pfarrkirche Wil SG von Bischof Markus Büchel zum Priester geweiht. Nach dem Festgottesdienst waren alle Anwesenden eingeladen, im Pfarreiheim bei Wurst und Brot auf den Neupriester anzustossen. mehr …

Eine weitere Möglichkeit liegt darin, dass die Kirche nicht nur in der sonntäglichen Wohn-Welt der Menschen gegenwärtig ist, sondern dahin geht, wo die Menschen heute tatsächlich zusammenkommen: bei der Arbeit, im Krankenhaus, im Vergnügungsbetrieb usw. Oder sie müsste durch die Initiierung von Nachbarschaftsgruppen und ähnlichem selber die Menschen in der Verlassenheit moderner Siedlungen wieder zu Gemeinschaftsbildung herausfordern.

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Vorbemerkung: Der vom Konzil lancierte Begriff «missionarische Gemeinde» wurde oft zu einem Schlagwort ohne Konsequenzen. Diese bereits 1981 formulierte These entspricht wohl heute noch der Realität. Sie wurde vom damaligen Steyler Missionar Richard Meier formuliert. Aus seinem Artikel:

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Die Sendung – Missio! – der Kirche hat als Ziel nicht nur ferne, „heidnische“ Länder. Sie betrifft auch die eigene Umgebung einer jeder Pfarrei. Diese heute nicht wichtige Überzeugung stand hinter dem 2. Pastoralforum der Kirche Schweiz (1981 in Lugano). Aus einem Papier der Versammlung:

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ite3/14

«Es begegnen einander Huld und Treue; Gerechtigkeit und Friede küssen sich. Treue sprosst aus der Erde hervor; Gerechtigkeit blickt vom Himmel hernieder. Auch spendet Gott dann das Gute und unser Land gibt seinen Ertrag. Gerechtigkeit geht vor ihm her und Heil folgt der Spur seiner Schritte», steht in Psalm 85. Welch wunderbare Verheissungen! Sie haben uns zu diesem Heft inspiriert. mehr …

Der Tessiner Kapuziner Agostino Del Pietro, seit einem Jahr Provinzial der Schweizer Kapuziner, wurde an der Generalversammlung der Vereinigung der Höhern Ordensobern/VOS in den Vorstand gewählt. Er ersetzt dort seinen Mitbruder Ephrem Bucher. Dieser hatte auch das Amt des VOS-Präsidenten inne.

Neuer Präsident der VOS wurde Peter von Sury, Abt von Mariastein.

gestern heute
1. Machtausübung Solidarität
2. Missionsorden des Westens leiten Missionskirchen in der Dritten Welt Die ehemaligen Missionskirchen
3. Leitung der Mission geht von Rom aus Mission ist Aufgabe der Ortskirche
4. Zeit der Missionen Zeit der Weltmission
5. Die Kirche ist eine zentralistische Institution Die Kirche besteht in und aus selbständigen Ortskirchen (LG 23)
6. Die Kirchenleitungen der Missionsländer sind der verlängerte Arm Roms Ortskirchen der Dritten Welt sind gleichberechtigte Partnerkirchen
7. Missionskirchen Orts- oder Lokalkirchen
8. Der Missionar ist Pionier und Gründer. Der Missionar ist Helfer und Mitarbeiter im Dienste der Ortskirche.
9. Mission ist Aufgabe von Patres, Schwestern und Brüder. Jeder Christ ist aufgerufen, die Botschaft von Gottes Liebe zu verkünden.
10. Es geht um Seelen («Seelenfang») Es geht um den ganzen Menschen.

Reise in Luzerns Untergrund

Mit «BaBeL» ist nicht die Stadt des Turmbaus und der Sprachverwirrung gemeint. Es ist die Abkürzung des Quartiers Basel-/Bernstrasse Luzern, in dem Menschen aus 70 Ländern mit einer entsprechenden Sprachvielfalt leben. Das Quartier wird auch «Untergrund» genannt. Der Quartierbewohner Urs Häner, Theologe und Druckereiarbeiter, lädt uns zu einem ungewöhnlichen UntergRundgang ein.

Kommen Sie mit mir auf einen etwas anderen Quartierspaziergang. Schon der Name meines Quartiers verheisst Geheimnisvolles: Untergrund. Ich werde des Öftern gefragt, ob Stiefel anziehen müsse, wer mit uns auf einen «UntergRundgang» (das sind sozialgeschichtliche Führungen) kommt.

Das ist aber nicht der Fall, die Geschichten und möglichen Entdeckungen liegen quasi auf offener Strasse. Die Bezeichnung meint den «unteren Grund», das reussabwärtsliegende Gebiet ausserhalb der mittelalterlichen Stadt Luzern, so wie es übrigens auch den Obergrund gibt.

Bei den Hintersassen

Machen wir uns also auf den Weg. Startpunkt ist der Kasernenplatz, wo früher das so genannte Baslertor stand. Hier verliess man damals die linksufrige Kernstadt Richtung Norden und betrat zunächst die St. Jakobsvorstadt, das Gebiet der Zugezogenen, der Hintersassen, der kleinen Leute ohne Bürgerrechte – interessanterweise ein Kennzeichen dieses Stadtgebiets bis heute. Denn über die Hälfte der BewohnerInnen meines Quartiers besitzt keinen roten Pass.

Das Gebiet um den Kasernenplatz ist heute ein sehr unwirtlicher Ort, da sich hier der gesamte Autobahnverkehr in die Stadt ergiesst. Auch auf der Baselstrasse fahren tagtäglich Tausende von Autos in und durch unser Quartier. Wenn bisweilen schlecht über unser Quartier geredet wird, weil hier «schwierige und schlimme Leute» seien, halte ich stets dagegen, dass der schlimmste Faktor im Untergrund der ewige Strassenlärm sei. Es ist fast ein Hohn, dass der Platz vor dem Baslertor anno dazumal «Kurzweilplatz» hiess. Es wird noch viel Engagement nötig sein, dass in unserem Quartier der Verkehr eingedämmt wird und sich die Orte fürs Verweilen vermehren lassen.

«Colonialwaren-Laden»

Doch verlassen wir den Kasernenplatz und biegen ein in die Baselstrasse, die Hauptachse des Quartiers. Sich hinsetzen kann man da fast nirgendwo. Aber auch im Vorbeigehen lassen sich spannende Ecken entdecken. In einer Toreinfahrt ist beispielweise unter dem Dach ein längst verrostetes Schild montiert, auf dem mit Mühe «Lagerhaus» und etwas wie «Hochstr…» abzulesen ist.

An diesem Ort befand sich bis vor 40 Jahren die Rösterei des Kaffeeunternehmens Hochstrasser, das auf der gegenüberliegenden Strassenseite (die Häuser stehen alle leider nicht mehr) das eigene Verkaufsgeschäft führte: einen «Colonialwaren-Laden». Hier waren also all die kostbaren Köstlichkeiten aus den Kolonien käuflich erwerbbar: nicht nur Kaffee, auch Tee, Pfeffer, Zimt, Curry usw.; für teures Geld übrigens. Ein Pfund Kaffee hätte damals einen Hilfsarbeiter einen halben Monatslohn gekostet, ein unerschwinglicher Traum also.

Heute sind diese Produkte aus aller Herren Ländern wegen der viel zu tiefen Transportkosten und wohl auch wegen ausbeuterischer Arbeitsverhältnisse spottbillig. Jedenfalls ist «Hochstrasser Colonialwaren» für mich wie ein Vorbote der internationalen Läden in unserem Quartier: Allein an der Basel- und Bernstrasse befinden sich 14 ethnische Läden aus vier Kontinenten! Die Reise ins Quartier wird zu einer kleinen Weltreise …

Eine letzte Bemerkung noch zum Kaffee Hochstrasser: Bis vor einigen Jahren prangte an der Hausfassade eine Werbung – notabene mit dem «Negerli», womit Hochstrasser seine Produkte feil- bot. Diese Sorte heisst heute noch «Negerli ganz fein»! (Anm. der Redaktion: Wenn man bei der Suchmaschine Google im Internet den Begriff «Negerli» eingibt, kommt als Erster der 3450 Links «Negerli 1 kg».)

Das erinnert an das seltsam klischierte Bild, das Europa sich von Afrika und Übersee lange Zeit machte. Auch in den Kirchen muss man sich dieser Vergangenheit stellen, verband sich doch das Engagement für «die Missionen» an fast jedem Ort mit der Figur des «Nick-Negerlis», das untertänig dankend nickte, wenn man einen Batzen einwarf.

Pilgerherberge

Auch die nächste Station auf unserem Weg ins Quartier hat mit Kirchengeschichte zu tun: Ein paar Schritte weiter, wo sich heute ein grosses Parkhaus und daneben ein Parkplatz befinden, stand im Hochmittelalter das Jakobsspital: eine Herberge für Pilgerinnen und Pilger auf ihrem Weg nach Santiago de Compostela in Spanien.

Das Pilgerwesen war offenbar so bedeutsam und das Jakobsspital so stark frequentiert, dass der Name St. Jakob auf die gesamte Vorstadt überging. Man weiss, dass in einem Spitzenjahr um 1700 über tausend Pilger via Luzern nach Südwesten pilgerten – das scheint auf den ersten Blick nicht viel zu sein. Aber wenn man die damalige Grösse der Stadt auf heute hochrechnet, käme man auf etwa 16’000 PilgerInnen in einem Jahr, was doch eine beachtliche Zahl ist und als «grossartiges Werk der Barmherzigkeit» gelten darf.

Doch wir müssen weiter, sonst bleiben wir im vorderen, mittelalterlichen Teil des Quartiers stecken. Die Stadt ist gegen Ende des 19. Jahrhunderts förmlich explodiert (wie übrigens fast alle Städte Westeuropas zu jener Zeit). So wurde aus der St. Jakobsvorstadt das bevölkerungsreichste, dichtest bebaute Untergrundquartier.

«A-Quartier»

Eben bin ich noch Frau E. begegnet, einer langjährigen, älteren Bewohnerin des Quartiers. Sie ist stets mit ihrem Einkaufswägeli unterwegs. Seit einiger Zeit muss sie ausserdem ihren Stock dabei haben. Für einen kleinen Schwatz ist sie immer zu haben. Denn sie wohnt wie viele allein in einem der zahlreichen Blöcke hier.

Eine der Zuschreibungen für das Untergrundquartier lautet denn auch «A-Quartier», was nicht nur die hohe Zahl der Alleinstehen- den meint, sondern selbstredend auch die überdurchschnittlich vertretenen AusländerInnen, ausserdem die Arbeitslosen, Armen und Alkis, die es ebenfalls vermehrt hierher verschlägt.

Altes Sentispital

Inzwischen sind wir beim Alten Sentispital angelangt. Im Mittelalter befand sich hier das Siechenhaus. Später führte die Bürgergemeinde eine «Armen- und Korrektionsanstalt». Der mittlere Teil des Ensembles ist bis heute eine Kirche mit dem Heiligen Jakobus als Patron. Jeden Tag sehe ich Menschen hineingehen für einen Moment der Stille und des Gebetes. Speziell finde ich die kleinen Luken, die vom Kirchenschiff hinüber in die Krankenzimmer führten, sodass die abgesonderten Siechenkranken sich als Teil der Gottesdienstgemeinschaft fühlen konnten.

Im rechten Flügel des Gebäudes ist seit fast 70 Jahren die Colonia Libera Italiana beheimatet. Eben kommt Kollege G. heraus, ein Italiano wie er im Buche steht, inzwischen mit schlohweissem Haar, aber noch immer Presidente der CLI Lucerna. Wenn G. von seinen Zeiten als junger «Gastarbeiter» in unserem Land erzählt, kommt er in Fahrt, ebenso wenn er von den Demütigungen in der «Schwarzenbach-Zeit» berichtet. Inzwischen gehören die Italiani aber zur schweizerischen Gesellschaft. Die feindlichen Reflexe richten sich gegen andere Nationalitäten. Ich finde es daher speziell schön, dass im Lokal der Colonia heute auch Nordafrikaner aus- und eingehen.

Aus 70 Ländern

Und weiter gehts. Dort, wo heute die Eisenbahnbrücke die Baselstrasse quert, stand bis 1833 das Sentitor. Hier verliess man also definitiv das Stadtgebiet. Wir tauchen heutzutage ein in die mittlere Baselstrasse, das Kerngebiet des Quartiers. Und hier findet sich nun die ganze internationale Vielfalt der Gesichter und Läden: Menschen aus über 70 Ländern wohnen hier auf engem Raum zusammen. Das gute Dutzend Läden erwähnte ich bereits.

Wenn ich entscheiden müsste, das gewisse Etwas meines Quartiers kurz und knapp zu beschreiben, ich würde diese Ladenvielfalt nennen. Gehen wir zum Beispiel in den mexikanischen Laden «El Sombrero Latino» von D.C.: Wir machen mit drei, vier Schritten einen Sprung über den Teich. Mexikanische und andere lateinamerikanische Lebensmittel finden sich hier. An der Wand hängt ein Bild von Frida Kahlo.

In der Ecke des Ladens entdecke ich eine eigentümliche Figur. Die Ladenfrau erklärt mir, das sei eine Catrina. Es handelt sich um eine edel gewandete Skelett-Dame. Denn der Tod ist im Unterschied zum deutschen Sprachraum, wo er als unerbittlicher Sensenmann bekannt ist, im spanischsprachigen Raum weiblich! Und der Totengedenktag, wird mir berichtet, sei in Mexiko der wichtigste Feiertag. Da ziehe die ganze Grossfamilie auf den Friedhof und begehe ein festliches Gemeinschaftsmahl der Lebenden und Toten. Inzwischen sind unsere Füsse ein wenig müde geworden. Wir gehen in eine der zahlreichen Quartierbeizen, um etwas zu trinken.

Urs Häner

Weitere Infos: www.babelquartier.ch

Es war eine kleine Sensation, als der Vatikan vor 30 Jahren ein Dokument über Dialog und Mission herausgab. Eine solche Stellungnahme habe man von dort nicht erwartet, meinten Fachleute. Hier einige Ausschnitte.

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