courtesy
Besuchen Sie unseren Shop. Sie finden ein vielfältiges Kartensortiment und gesegenete Kerzen. Vielen Dank für Ihre Bestellung.

Schweizer Kapuziner-Provinz

Kapuziner-Blog

Mitglieder der franziskanischen Familie veröffentlichen hier alle zwei Wochen einen Blogbeitrag. Sie kommentieren aus persönlicher Sicht aktuelle Ereignisse.

Empfangt den Heiligen Geist
Die biblischen Bilder erklären, was geschieht, wenn der Auferstandene die, die er senden wird, anhaucht und spricht: „Empfangt den Hl. Geist!“ (Raphael Grolimund, 30. Mai 2020)
Glauben in Christus – Leben in Gott
Der Auferstehungsglaube umfasst unsere ganze Lebensbestimmung im Hier und Jetzt und im Dasein nach dem Tod. (Raphael Grolimund, 23. Mai 2020)
Seid gewiss: Ich bin bei euch
Jene, die seinen Namen tragen, sollen sein Werk fortführen. Aber ist das nicht eine zu grosse Aufgabe für sie? (Raphael Grolimund, 20. Mai 2020)
››› weitere Blogs

Nein, arbeitslos war ich noch nie. Doch ich habe Arbeitslose seelsorglich begleitet und kenne darum das Schicksal dieser Menschen aus der Nähe. Dennoch: Ich bin allergisch, wenn die Herren von der Wirtschaft jeden Unsinn und jede Ungerechtigkeit gutheissen mit dem Totschlagargument Arbeitsplätze.

So geschehen bei den Stanser Pilatus-Werken, die vom Bund wegen ihrer Nahostgeschäfte zurückgepfiffen wurden. Bundesbeamte mit einem Gewissen finden es widerlich, dass diese Firma in Saudiarabien und anderswo ihre Flugzeuge wartet, mit denen die Kampfpiloten Einsätze gegen die Zivilbevölkerung in Jemen üben. Die Firmenleitung wäscht ihre Hände in Unschuld. Kommt doch irgendwie bekannt vor …

Ich kenne nicht nur das Schicksal von Arbeitslosen. Auch mit Opfern von Militäreinsätzen habe ich mich schon befasst. Es war 1995 in Chiapas, Südmexiko. Ein Mitarbeiter von Bischof Samuel Ruiz, dem weltbekannten Kämpfer gegen Gewalt und Armut, erzählte uns, wie kurz vorher indianische Bauerndörfer bombardiert wurden: «Dort drüben, über diese Hügel, flogen Flugzeuge mit der Aufschrift ‘Pilatus’ und warfen ihre Bomben ab.»

Szene aus einem Bergdorf in Chiapas, Südmexiko | © Walter Ludin 1995

Änliches geschah beispielsweise in Guatemala, das ich 1979 bereist hatte. Nach dieser Reise legte ich mir ein Dossier an über die Einsätze der PC-7/PC-9. Damit dokumentierte ich etwas, das es in der Logik der Herren in Stans nicht geben konnte. Sie wiederholten bis zur Bewusstlosigkeit, dass man mit ihren Maschinen zwar Militärpiloten trainieren, dass man aber mit diesen Flugzeugen unmöglich Bomben abwerfen konnte.

Da passierte etwas Peinliches: In einer internationalen Aviatik-Zeitschrift wurde englischsprachiges Inserat gefunden mit einem Bild der Maschinen, an denen Einrichtungen zum Abwurf von Bomben angebracht werden. Und Pilatus rühmte sich mit dem hier Deutsch wiedergegeben Spruch: «Kleinflugzeuge können hart zuschlagen.» Zuhause hörte man es anders. Doch: Wer spricht hier von Heuchelei?

PS: Vor elf Jahren gab es Diskussionen wegen dem Einsatz von Pilatusmaschinen im Tschad:

https://www.swissinfo.ch/ger/pilatus-flugzeug-in-tschad–wahrscheinlich-bewaffnet-/6370368

Kerzen in der Kirche | © Beat Pfammatter 2019

«Manchmal ist Gewalt zwingend»: Dieser Titel steht in der deutschen Wochenzeitung ZEIT über einem Interview mit dem evangelischen Militärbischof Sigurd Rink. Dieser gesteht, er sei als Theologiestudent «Radikalpazifist» gewesen. Inzwischen sieht er den Einsatz militärischer Gewalt in vielen Fällen durchaus berechtigt, sonst wäre er ja nicht zu seinem hohen Amt gekommen.

Der Bischof sieht zwar in der «Jesus-Option» der Gewaltfreiheit (nicht zurückschlagen, sondern die andere Wange hinhalten!) durchaus «einen politischen Sinn». Aber damit hat es sich’s schon. Kein Wort über die Methoden der gewaltfreien, «sozialen Verteidigung». Gerade als Deutscher müsste der Mann sich daran erinnern, dass nicht die hunderte Milliarden schwere westliche Rüstung dem östlichen Teil seines Landes, ja ganz Osteuropa die Befreiung von der Diktatur gebracht hat; sondern die friedlichen Proteste: nicht mit Waffen, sondern mit Kerzen in der Hand …

Kerze für den Frieden | © Beat Pfammatter 2019

Kerze für den Frieden | © Beat Pfammatter 2019

Der Militärbischof beklagt auch nicht, dass immer noch Milliarden für Waffen ausgegeben werden, während für Friedensforschung nur Brosamen abfallen. Dies ist nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Schweiz der Fall.

Szenenwechsel: Vor einigen Monaten verteidigte im «Wort zum Sonntag» des Schweizer Fernsehens ein Feldprediger – in Uniform! –  die militärische Option. Ist sein gutes Recht! Warum hat er aber nicht auch auf gewaltfreie Alternativen im Sinne der Bergpredigt hingewiesen?

Noch was hätte ich von ihm erwartet: den Hinweis, dass die Rüstung Ressourcen auffrisst, die für Zwecke wie Armutsbekämpfung dringend gebraucht werden. Man erinnert sich vielleicht noch an das Wort, das Dorothee Sölle seligen Angedenkens angesichts des Westrüstens der 1980er-Jahre oft und oft gesagt hat: «The bombs are falling now.» Im Klartext: Bomben zerstören Leben, auch wenn sie nicht abgeworfen werden. Das Geld, das für sie ausgegeben wird, könnte millionenfach (vor allem im globalen Süden) Leben retten.

PS: Ich behaupte, meine Argumentation sei nicht so sehr von der GSoa/Gruppe für eine Schweiz ohne Armee beeinflusst, sondern vielmehr von der franziskanischen Spiritualität; und von der Bewegung Gerechtigkeit, Friede, Bewahrung der Schöpfung/GFS, die vor genau 30 Jahren ihn Basel ihren Höhepunkt erreichte ….