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„Die heutige Mission zeigt  die Umwandlung der Person, der Gesellschaft und aller menschlichen Beziehungen an, die Veränderung des Herzens und der Strukturen.“ Dies schrieb der inzwischen verstorbene  indische Freiburger Professor Anand Nayak.

Heute leitet sich das Bild über die Mission vom Bild her, das die Kirche von sich selber hat. Das Ereignis des Konzils als solches war entscheidend. Seine Sicht, dass «die Kirche Christi in allen gesetzmässig organisierten lokalen Gruppierungen von Gläubigen wirklich gegenwärtig ist», und dass «die eine und einzige katholische Kirche in ihnen und aus ihnen existiert», wies auf einen wichtigen Durchbruch gegenüber dem ausschliesslich papstzentrierten Verständnis der Kirche im Ersten Vatikanischen Konzil (1870) hin.

Das Herz der Kirche befindet sich nicht nur im Vatikan in Rom, sondern in jeder lokalen Pfarrei, in den Diözesen, in den Bischofskonferenzen auf den fünf Kontinenten dieser Erde. Von der Missionsvorstellung der ersten Christen ausgehend (1. Petrusbrief 2,9) sagt das Dekret «Ad gentes»: «Die Pilgerkirche ist von Natur aus missionarisch.» Hier ist die Kirche nicht die Senderin, sondern die Gesandte.

Ihre Mission, ihre «Sendung», ist ihrem Dasein nicht untergeordnet. Die Existenz der Kirche beruht auf ihrer Sendung und auf ihrem Aufbau zum Zweck der Missionierung. Missionarische Tätigkeit ist nicht so sehr eine Arbeit der Kirche, sondern vielmehr die Kirche bei der Arbeit.

Die Frage: «Warum noch Mission?» ruft einer weiteren Frage: «Warum noch Kirche?». Es ist unmöglich geworden, über die Kirche zu reden, ohne gleichzeitig über Mission zu sprechen.

Nicht ohne Konflikte

Es ist offensichtlich, dass eine solche Missionsvorstellung nicht ohne Konflikt ins Leben der Kirche integriert werden kann. Man bemerkt dies bereits bei der Lektüre des Konzilsdekrets «Ad gentes», wo eine sehr traditionelle Vorstellung wiedergegeben wird. Auf dringendes Verlangen der Bischöfe aus Afrika und Asien wurden im Dekret mit Vorsicht die Konsequenzen der neuen Missionsvorstellung aufgenommen.

Diese gehen aus einer neuen Vorstellung über die Kirche hervor. «Zur Völkerwelt von Gott gesandt», heisst es da, «soll die Kirche das allumfassende Sakrament des Heils sein». Und die Pilgerkirche, die ihrem Wesen nach missionarisch ist, hat ihren Ursprung «aus der Sendung des Sohnes und der Sendung des Heiligen Geistes hergeleitet, gemäss dem Plan Gottes des Vaters». Und weiter: «Dieser Plan entspringt der quellhaften Liebe, dem Liebeswollen Gottes, des Vaters.»

Die missionarische Tätigkeit ist folglich nicht irgendeine Aufgabe, sondern der Ausdruck übergrosser Liebe. Während noch Mitte der siebziger Jahre (im Schreiben «Evangelii nuntiandi») weiterhin diese Vorstellung betont wird, scheinen die späteren römischen Lehrschreiben manchmal wieder zur alten Missionsvorstellung zurückzukehren.

Neue Probleme

Das erste Problem, das sich im Geist der Christen stellt, ist dieses: Muss man die Mission bei nichtchristlichen Völkern, in sog. «missionarischen Gebieten», beenden? Wäre ein solches Missionieren genügend sinnvoll, um auch heute noch Berufungen zur Missionstätigkeit zu erwecken?

Zum zweiten: Die Mission ist nicht nur eine Tätigkeit der Kirche, sondern ihr eigentliches Wesen. Folglich sollte nicht nur der europäische Kontinent die Missionierungstätigkeit leiten. Die Mission wird von allen wahrgenommen und geteilt. Die Mission ist nicht mehr ein territorialer Begriff. Sie ist überall dort gegenwärtig, wo die Kirche tätig ist.

Dies ist nicht nur eine logische Ableitung. In Wirklichkeit nämlich ist der Westen heute mehr denn je zu einem fruchtbaren Gebiet für die Mission geworden.

Wir stellen fest, dass der Name Jesu Christi mehr und mehr aus den Herzen der Menschen verschwindet. Im gesellschaftlichen Leben stehen immer mehr Werte wie Profit und Rentabilität im Vordergrund, während die im Evangelium verkündeten Werte in den Hintergrund treten. Viele Menschen sind auf der Suche nach Spiritualität – oft ist es aber eine Spiritualität ausserhalb der Kirche und der christlichen Botschaft. In der Kultur stellt sich mitunter Heidentum ein. Die befreiende Botschaft Christi muss hier genauso wie anderswo verkündet werden.

Ein Drittes kommt hinzu: Die Verantwortung für die Mission den Lokalkirchen zu überlassen, zieht noch andere Probleme nach sich, namentlich auf dem Gebiet der Missionshilfe. Der Westen ist reich, aber seine missionarischen Institutionen entvölkern sich. Klöster schliessen die Tore, weil sie keine Berufungen mehr haben. Hingegen sind viele Kirchen in anderen Kontinenten arm.

Wenn durch die Abwesenheit westlicher Missionare der Westen ausfällt, könnten daraus verheerende Folgen für das Leben jener Christen und ihrer Werke resultieren. Daher die grosse Frage nach der zwischenkirchlichen Hilfe. In der Art der Gurus, die im Westen für ihre Spiritualität werben, könnten die Bischöfe und Missionare der armen Länder, die aber reich im Geiste sind, den Menschen im Westen Hilfe auf ihrer spirituellen Suche anbieten.

Das Aussenden von Missionaren wird jetzt von anderen Ländern wahrgenommen: Die indischen Missionare zum Beispiel verteilen sich strahlenförmig auf die Länder um Indien; viele indische Schwestern arbeiten mit Missionaren überall auf der Welt zusammen. Diese Tendenz dürfte dank des Reichtums an Berufungen für die Missionswerke in diesen Ländern noch zunehmen. All dies verlangt heute nach Zusammenarbeit der Lokalkirchen auf allen Ebenen, sei es auf der spirituellen, sei es auf der materiellen.

Notwendige Zusammenarbeit

Es kommt als Viertes hinzu, dass die kirchliche Zusammenarbeit angesichts der zentralen Probleme der Globalisierung zur absoluten Notwendigkeit wird. Der Missionar in einer Gemeinde und selbst die Lokalkirchen werden von den Verheerungen, die der Kapitalismus wie eine neue Kolonialisierung ausübt, komplett überrollt.

Die zerstörerische Wirkung dieser Macht besteht darin, dass die Völker zu blossen Werkzeugen in den Händen der Reichen werden. Sie werden sogar als überflüssig angesehen, während man ihnen ihre Rohmaterialen wegnimmt.

Wohin des Weges?

Die heutige Mission zeigt in Wirklichkeit die Umwandlung der Person, der Gesellschaft und aller menschlichen Beziehungen an, die Veränderung des Herzens und der Strukturen. Sie zielt darauf ab, Gemeinschaften von Liebe, Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden zu schaffen – das, was Jesus das «Königreich Gottes» nannte.

Es geht nicht hauptsächlich darum, die Zahl der Christen zu mehren oder Seelen zu retten. Das Ziel ist es, die Erfahrung, die wir mit Jesus Christus gemacht haben, zu teilen, die Veränderung nämlich, die Gottes Liebe in unser Leben gebracht hat. «Mission» bedeutet: Gott mischt sich in die inneren Angelegenheiten der Welt und des Menschen ein.

Absolutheitsansprüche sind immer gefährlich und führen in die Krise. Unser Absolutheitsanspruch ist der, dass Gottes Liebe – so, wie sie sich in Jesus Christus manifestiert hat – die Rettung der Welt ist. Darum zu streiten und um Christus zu bezeugen, ist sinnvoller, als rechthaberische Behauptungen von einer angeblich absoluten Religion aufzustellen.

Ein fortwährender Dialog

Wenn wir die heutige Mission definieren sollten, würden wir sie als «fortwährenden Dialog» betrachten: Als einen Dialog zwischen demjenigen, der gesendet ist, und denen, zu welchen er gesandt wurde, um die Frohe Botschaft zu verwirklichen.

Beide, derjenige, der gesandt wurde, und diejenigen, zu denen er gesandt wurde, sind gleichermassen betroffen – von der gleichen Frohen Botschaft, welche der eigentliche Sinn des Lebens ist, das Gott mit allen und jedem Einzelnen teilt: Niemand kann sie besitzen und niemand kann davon ausgeschlossen werden.

Anand Nayak

Der Autor war an der Uni Freiburg/Schweiz Professor für Missionswissenschaften. Leider starb er allzu früh durch einen Autounfall in seiner Heimat Indien.