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Mission nicht, um Menschen für den Himmel zu retten, sondern um ein Reich des Friedens, der Gerechtigkeit und Liebe spürbar zu machen.

Wir brauchen eine neue Missionsbegründung. Mission nicht, um Menschen für den Himmel zu retten, sondern Mission im Sinne der Reich-Gottes-Idee, d. h. um die Verheissung Gottes von einem Reich des Friedens, der Gerechtigkeit und Liebe spürbar und erfahrbar zu machen.

Die Menschen in den Elendsvierteln der Metropolen und am Rande der Gesellschaft müssen leibhaft erfahren können, dass Gott sie liebt. Da genügt wahrlich nicht, ihnen das Evangelium zu predigen oder sie gar auf den Himmel zu vertrösten. Der Gott der Bibel hat sich immer offenbart als ein Gott des Lebens. Er will, dass die Menschen leben können, ohne Hunger, ohne Elend, ohne der völligen Hoffnungslosigkeit ausgeliefert zu sein.

Das ist die befreiende Botschaft des Evangeliums. Sie verheisst Befreiung aus allen Unheilserfahrungen, Befreiung von Elend und Not, von Sünde und Tod. Um diesen göttlichen Traum am Leben zu halten und den Menschen erfahrbar zu machen, dafür brauchen wir Mission, heute mehr denn je.

Um des Himmelreiches willen

Das klingt vielleicht anders, als wir es im Ohr haben. Doch wenn wir bei Jesus in die Schule gehen, können wir erahnen, worum es geht. Als er seinen Jüngern klar machen wollte, wie sie seine Botschaft den Menschen nahe bringen sollen, hält er ihnen keinen langen Vortrag. Er zeigt es an einem praktischen Beispiel. Die Leute waren ihm in Scharen gefolgt. Als er die vielen Leute sah, hatte er Mitleid, denn sie waren müde und erschöpft, wie es im Evangelium heisst. Sie waren Jesus gefolgt, weil er ihre Erwartungen und Hoffnungen geweckt und ihre Sehnsucht nach Befreiung aus ihren Alltagsnöten angesprochen hatte. Nun sollten die zwölf Jünger, die immer um ihn waren, zeigen, was sie verstanden hatten. Er schickte sie zu den Menschen, um sie aufzurichten und zu trösten. „Geht und verkündet, das Himmelreich‘ ist nahe! Nicht nur mit Worten, zeigt, was das bedeutet. Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus.“ Also kein billiges Mitleid nach dem Motto: Kopf hoch, es wird schon wieder werden, sondern ein wirkliches Ernstnehmen der Sorgen und Probleme der Menschen. Das ist der Kern der Botschaft Jesu. Er verkündet einen Gott, der die Leiden und Unheilserfahrungen der Menschen ernst nimmt; einen Gott, der mitleidet und befreit; einen Gott, der nicht Lasten auferlegt und auf den Himmel vertröstet. Schon hier auf Erden sollen sie teilhaben am kommenden Himmelreich, sollen sie erfahren und erleben, dass Gott sie liebt.

Franz von Assisi

Er gründete keinen Priesterorden zur Erneuerung der Kirche und kein Seminar zur Ausbildung von Missionaren. Die Brüder, die ihm folgten, sind ihm einfach nachge­laufen. So wie er wollten sie das Evangelium leben, ob Priester oder Laien, in einer armen Brudergemeinschaft, alle mit den gleichen Rechten und alle mit dem gleichen Auftrag, nämlich der ganzen Welt das Evangelium vom gütigen, demütigen und menschenfreundlichen Gott zu bringen.

Wie ernst ihm das war, zeigen seine Anweisungen an die Brüder, die in die Mission gehen wollten. Sie sollten unter den Menschen dort (den Sarazenen) einfach leben, ihnen untertan sein, nicht streiten und dadurch zeigen, dass sie Christen sind. Das war Franziskus wichtiger als das Predigen. Und das ist mehr als erstaunlich in einer Zeit, in der nach allgemeiner theologischer Überzeugung Bekehrung und Taufe über Rettung und Verwerfung, über Heil und Unheil entschieden.

Andreas Müller OFM