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Schweizer Kapuziner-Provinz

Province Suisse

Kapuziner-Blog

Mitglieder der franziskanischen Familie veröffentlichen hier alle zwei Wochen einen Blogbeitrag. Sie kommentieren aus persönlicher Sicht aktuelle Ereignisse.

Österliche Bilder zum Advent
Tatsächlich ist für viele die göttliche Welt, der Zugang zu Gott, ja Gott selbst weggebrochen. Es fehlt die «Himmelsleiter», der Weg von Gott zu uns, von uns zu Gott: es fehlt der Ad-vent. (Josef Haselbach, 3. Dezember 2019)
«Wir lassen uns unsere Kirche nicht kaputtmachen!»
Keine Monarchie gibt die Macht freiwillig aus den Händen. (Willi Anderau, 17. November 2019)
Hakuna shida
„Kannst Du mir helfen?“ die Antwort in ihrer herzlichen Art: „hakuna shida“. (Raphael Märtens, 6. November 2019)
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Kapuziner und Juden an der Klagemauer
Kapuziner und Juden an der Klagemauer

Bleibt das friedliche Zusammenleben der drei Religionen, Juden, Christen und Muslime eine schöne Utopie? 25 Brüder, Kapuziner und Franziskaner, aus den deutschsprachigen Ländern setzten sich vom 6. – 20. Oktober in Jerusalem intensiv mit dieser Frage auseinander.

Vor 800 Jahren überschritt Franziskus die Frontlinie des Kreuzfahrerheeres, um den ägyptischen Sultan Al-Kamil zu einer gewaltlosen Lösung zu bewegen. Der Sultan unterbreitete darauf den Kreuzfahrern ein Friedensangebot.

Die kirchliche Führung lehnte dieses aber aus strategischen Gründen ab. Der Krieg ging weiter. Mit fatalen Folgen für die Christen.Wie steht es heute um die Chance zum Frieden in dem brodelnden Landstrich Naher Osten? Diese Frage prägte den DEUFRA*-Kurs, den der Schweizer Kapuziner Niklaus Kuster anlässlich des 800-jährigen Jubiläums der Friedensinitiative des Hl. Franziskus leitete. 25 Brüder, Kapuziner und Franziskaner, aus den deutschsprachigen Ländern folgten der Einladung und setzten sich vom 6. – 20. Oktober in Jerusalem intensiv mit dieser Frage auseinander. Bleibt das friedliche Zusammenleben der drei Religionen, Juden, Christen und Muslime eine schöne Utopie? Ja und Nein. Bei den Besuchen der historischen Orte in Jerusalem und Betlehem begegneten wir schrecklichen Auswüchsen von religiösen und politischen Abgrenzungen. Sichtbare Zeichen dafür waren etwa die trennende Mauer, welche mitten durch Betlehem aufgerichtet wurde oder wenn vor „ungläubigen“ Fremden auf den Boden oder gar auf die Füsse gespuckt wird.

Bruder Niklaus führt seine Mitbrüder durch Jerusalem @ Willi Anderau

Auf hoffnungsvolle Ansätze von friedlichem Zusammenleben wiesen uns Experten vor Ort hin. Der Kustos im Hl. Land, der Franziskaner Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, und der Kapuziner Guardian Kevin Gonsalves, stellten uns Projekte vor, die integrativ wirken und Menschen aller Religionen zugutekommen. Beeindruckend auch, wenn Christen und Juden nebeneinander an der Klagemauer dem einen Gott die Not der einen Menschheit klagen und anvertrauen. Es ist schon viel, wenn der derzeitige Status quo einigermassen gehalten werden kann. Aber noch viel wichtiger ist es, wenn durch die franziskanische Präsenz vor Ort die Friedensutopie des Hl. Franziskus immer wieder genährt und herausfordernd weiter getragen wird.

Willi Anderau

*Dachorganisation der drei deutschsprachigen franziskanischen Orden: Franziskaner, Kapuziner und Minoriten.