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Aus einem Manuskript des Immenseer Missionars Toni Peter (1953-1998) (II):

Die Kirche hat die Armen als eine Hoffnung entdeckt. Die Armen haben der Kirche geholfen, ihre eigene Aufgabe in der Welt besser zu verstehen. Die Armen haben einen bestimmten Geist in die Kirche gebracht. Der Einbruch der Armen in die Kirche ist darum ein spirituelles Ereignis von allererster Güte. Es ist kaum Zufall, dass schon die alten Ordensgemeinschaften die Spiritualität mit einer gelebten Armut verbunden haben. Die Spiritualität der Armen verkörpert einen ganz bestimmten Geist.

Gustavo Gutiérrez, selber ein Vertreter einer sozial engagierten Kirche, äusserte sich zur Gefahr, die von den Armen für ihre Unterdrücker ausgeht:

„Das Elend und die Ausbeutung und alles Leiden, das sie mit sich bringen, sind alt in Lateinamerika. Neu aber ist, dass ein Volk sich hier bewusst wird, sich zusammentut und organisiert und seinen Glauben als befreiende Kraft lebt. Neu ist auch, dass viele in ihrem Kampf gegen den Tod bereit sind, ihr Leben hinzugeben.

Darauf beruht die neue Hoffnung, von der das Volk zehrt und über die es sich freut. Diese Freude ist keine leichte, aber dennoch eine sehr reelle Freude. Sie ist nicht die oberflächliche Fröhlichkeit dessen, der verdrängt oder seine Resignation überspielt, sondern sie ist die Freude, die aus der Hoffnung entsteht, dass Leiden und Unrecht schliesslich besiegt werden. Sie ist eine Osterfreude, die nicht ohne eine Zeit des Martyriums denkbar ist.“

Die Armen haben eine neue Freude, einen neuen Geist in die Kirche gebracht. Es gibt Bischöfe, die sagen, sie seien von den Armen neu zu Christus und zum Evangelium bekehrt worden.

Allerdings hat diese Art von Bekehrung auch ihren Preis gefordert. Es ist uns im Allgemeinen viel zu wenig bewusst, dass seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil keine Region der Welt mehr christliche Märtyrer hervorgebracht hat als das christliche Lateinamerika. ln den letzten dreissig Jahren sind Tausende von Bischöfen, Priestern und Ordensfrauen mit dem Tod bedroht, eingesperrt, vertrieben, gefoltert und ermordet worden. Zehntausende von Christinnen und Christen sind ermordet worden, weil sie nicht bereit waren, das Wort Gottes in seiner ganzen Radikalität zu verkürzen oder abzuschwächen, und vor allem, weil sie die Bibel in die Praxis umgesetzt haben.