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Hilfe für die Flüchtlinge; Beziehung zu den Juden und zu den Muslimen. Dies waren wichtige Themen für die Missionsverantwortlichen der Kapuziner aus dem nordwestlichen Europa während ihrer Studienwoche in Dublin (1.- 5 Mai 2017).

Die Kapuziner haben den Auftrag, sich für die Schwächsten der Gesellschaft einzusetzen. Dazu gehören heute ganz besonders die Asylsuchenden. Dies betonte in Dublin Aklilo Petros, der Vertreter der in Rom ansässigen Generalleitung des Ordens.

„Flüchtlingskrise“?
Sheila Curran von den „Schwestern der Barmherzigkeit/RSM“ meinte in einem Hauptreferat der Tagung, die Frage der Flüchtlinge sei zwar weltweit eine der grössten Herausforderungen der Gegenwart. Doch sei es verfehlt, mit Blick auf Europa von einer „Flüchtlingskrise“ zu sprechen. Die Schwester erinnerte daran, dass der Libanon 1,3 Millionen syrische Flüchtlinge aufgenommen hat, während ganz Europa mit einer Millionen sich überfordert fühle.

Schwester Sheila warf den irischen Bischöfen vor, sie würden angesichts der Flüchtlingsnot schweigen. Sie forderte die Kirchen und ihre Orden auf, eine „prophetische Stimme“ für Flüchtende zu sein. In diesem Zusammenhang beschlossen die Kapuziner, in einem internationalen Artikel-Service auf die Lage der Asylsuchenden hinzuweisen und Möglichkeit ihrer Integration aufzuzeigen.

„Muslimische Bedrohung von heute“
Ein weiterer Schwerpunkt des Treffens waren die Beziehungen der Christen zu den Juden und Muslimen. Der Münchner Kapuziner Othmar Noggler orientierte über die Vorgeschichte des diesbezüglichen Konzilsdokuments über „das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen/Nostra aetate“. Er verwies auf einen Beitrag über die „muslimische Bedrohung von heute“ – aufgeführt in einem Buch von 1914!!!

Der Referent erinnerte daran, dass nicht erst das Zweite Vatikanische Konzil sich von der Vorstellung verabschiedete, die Juden sei schuld am Kreuzestod Jesu. Er zitierte das Konzil von Trient, das bereits 1566 schrieb: „Unsere Sünden haben Jesus in den Kreuzestod getrieben.“

„Allah ist auch unser Gott“
Der Luzerner Kapuziner Walter Ludin referierte über die Gemeinsamkeiten zwischen Christen und Muslimen. Zur Frage nach Gott meinte er:

  • Wer behauptet, der Gott des Islam und jener des Christentums sei nicht der gleiche, ist kein Anhänger des Monotheismus (Ein-Gott-Glaube). Denn entweder gibt es verschiedene Götter oder es gibt nur einen, den Muslime wie Christen verehren. Oder sollen etwa zwei unterschiedliche Gottheiten die Welt erschaffen haben?
  • Bekanntlich behaupten islam-kritische Kreise und Parteien, der Gott der Muslime, Allah, sei nicht der Gott der Christen. Doch auch arabische Christgläubige bezeichnen Gott als „Allah“.
  • Es gibt nur einen Gott, aber unterschiedliche Gottes-BILDER.

Treffen alle Jahre
Die Missionsverantwortlichen der Kapuziner im deutschen Sprachraum, in Frankreich, Belgien, Holland sowie in Irland und Malta treffen sich jährlich zur Weiterbildung, zum Erfahrungsaustausch und zur Planung gemeinsamer Projekte.