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Jesu Verkündigung bestand nicht in der Verlautbarung eines jenseits-transzendenten Gottesreiches. Sie hatte nichts von der Vertröstung auf ein besseres Jenseits an sich. Jesus brachte den Menschen im Interesse ihres Lebens Gott als Vater, als «abba», wir können auch sagen, als Mutter, nahe.

Es handelte sich um ein Gottesbild, das wegen seiner unglaublichen Nähe zum Menschen, je länger, je mehr, bei vielen auf Ablehnung stiess. Auf eine Ablehnung, die Jesus schliesslich das Leben kostete. Erinnern wir uns an Lk 4,18-19. Hier deutet Jesus bzw. Lukas die Sendung Jesu mit den Worten aus Jesaja: Armen eine gute Nachricht zu bringen, Gefangenen Entlassung zu erwirken, Blinden das Augenlicht zu schenken und Zerschlagene in Freiheit zu setzen. (…)   Das kam  aus Jesu Munde vernommen  in der Synagoge von Nazaret nicht gut an. Beinahe hätte ihn sein Auftritt frühzeitig das Leben gekostet.

Für Jesus ist die erlösende Botschaft, die er bringt, auf die ganzheitliche Befreiung des Menschen gerichtet, weshalb er sie in besonderer Weise an jene Menschen richtet, die dieser Befreiung am meisten entbehren. Diese Zuspitzung war kein Abfallprodukt, kein sekundärer Nebeneffekt seiner Botschaft, der erst in unseren Tagen von der Befreiungstheologie in den Vordergrund gerückt worden wäre. Diese Zuspitzung ist ihr Kern, der deutlich macht, dass es dem Reich Gottes um den Menschen geht. Deshalb sind für das Reich Gottes Armut und Reichtum, Ohnmacht und Macht keine unschuldigen Naturzustände, sondern für die, die sich am Reich Gottes orientieren, eine religiöse Herausforderung.

Daran hat sich das Volk Gottes auszurichten. Es darf seine Aktivitäten nicht ekklesiozentrisch anlegen, sondern muss sie am Menschen ausrichten. Unübertroffen bringen das die oft zitierten Eingangssätze der Pastoralkonstitution des Konzils zum Ausdruck. Überschrieben sind sie mit dem Satz: „Die engste Verbundenheit der Kirche mit der ganzen Menschheitsfamilie“. „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen einen Widerhall fände“.

Zitiert werden diese Sätze in der Tat oft genug. Aber orientiert sich das kirchliche Handeln ausreichend an ihnen? Bilden sie den Fokus, der das kirchliche Handeln generiert? Der die Praxis der Ortsgemeinden leitet? Der zum Massstab der Praxis in den neuen „pastoralen Räumen“ wird? Der missionarische Dienst der Kirche hat nach dem Vorbild Jesu seinen Fokus im substantiellen Dienst am Menschen. Das Volk Gottes muss mit dem zu tun bekommen, was die Menschen bewegt, um es dem Licht des Evangeliums auszusetzen.

Stefan Knobloch, Kapuziner
Ehem. Professor für Pastoraltheologie in Mainz