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Gut die Hälfte der Schweizer Kapuziner traf sich am Montag in Andermatt. Das jährliche Pfingsttreffen war aber auch ein Abschied. Kapuziner ziehen sich nach 329 Jahren aus Andermatt zurück. 

Fast 70 Kapuziner liessen es sich nicht nehmen, am Pfingstmontag einen Tag in Andermatt zu verbringen. Gut die Hälfte der noch lebenden Schweizer Kapuziner der deutschen, italienischen und französischen Schweiz nahm am jährlichen Treffen teil. Es war ein Treffen, das im Zeichen des Abschieds stand. Denn in wenigen Monaten wird die Pfarrei Andermatt von den Kapuzinern an das Bistum Chur zurückgegeben – und zwar nach 329 Jahren. „Das ist kein Fest, sondern ein trauriger Moment“, sagte Elsbeth Kempf. Während des Orgelkonzerts von Kari Arnold in der Pfarrkirche St. Peter und Paul sprachen einige Personen zu den Kapuzineren, so auch Frau aus der Pfarrgemeinde. Einst sei von einer Vermählung von Ursern mit den Kapuzinern und von einem der wichtigsten Schritte für das Tal die Rede gewesen.

Bald würden die Kapuziner in Andermatt eine grosse Lücke hinterlassen. „Und sie werden als grossartig in die Geschichte eingehen“, sagte sie. Kapuziner Josef Regli blickte auf die Geschichte zurück und berichtete, was einige Patres in Andermatt geleistet hatten, etwa während dem Lawinenunglück 1951, als sie selbst mit der Schaufel im Schnee nach Personen suchten oder Ansprechperson für die Presse waren. Oder er erzählte von Pater Oktavian, der sich gegen das Stauseeprojekt zur Wehr gesetzt hatte. Und schliesslich fasste Christian Schweizer, Archivar der Kapuziner Provinz, die Geschichte der Kapuziner im Urserntal zusammen.

Seit 30 Jahren Pfarrer in Andermatt
Andermatt ist nämlich seit 1688 ein Kapuzinerhospiz. Die Brüder wirkten hier nicht nur als Pfarrer und Seelsorger, sondern waren auch lange Zeit als Lehrer tätig. Sie begleiteten und prägten aber auch Renovationen der Pfarrkirche massgeblich. Im Verlaufe der Jahre bestand die Kapuzinergemeinschaft aus zwei bis drei Brüdern. Heute nimmt nur noch ein Kapuziner die Verantwortung als Pfarrer wahr und ist seit 2006 auch für die Seelsorge in Hospental und Realp verantwortlich. Seit 1987 ist dies Marzell Camenzind. Er ist seit nunmehr 30 Jahren in Andermatt tätig – kein anderer Kapuziner war länger als er im Urserntal. Pfarrer Marzell Camenzind war es denn auch, der die Schweizer Kapuziner in Andermatt begrüssen durfte. Neben Kaffee, einem Orgelkonzert, einem typisch Urschner Mittagessen lud er seine Brüder auch zu Wanderungen sowie Führungen im und um das Dorf Andermatt ein. Der leider ziemlich regnerische Pfingstmontag machte dem Programm einen Strich durch die Rechnung. Pater Josef Regli meinte dazu treffend: „Der Himmel weint bei einem Abschied wie diesem.“

Martina Tresch-Regli, Urner Wochenblatt

 

 

Christian Schweizer, Provinzarchivar
Christian Schweizer, Provinzarchivar
Elsbeth Kempf
Elsbeth Kempf
Br. Jodef Regli
Br. Jodef Regli