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Schweizer Kapuziner-Provinz

Province Suisse

Kapuziner-Blog

Mitglieder der franziskanischen Familie veröffentlichen hier alle zwei Wochen einen Blogbeitrag. Sie kommentieren aus persönlicher Sicht aktuelle Ereignisse.

«Pilatus» wäscht seine Hände in Unschuld
Die Firmenleitung wäscht ihre Hände in Unschuld. Kommt doch irgendwie bekannt vor … (Walter Ludin, 8. Juli 2019)
Die schönsten Namen Gottes?
Franz von Assisi staunt über die Weisheit des Islam, den er 1219 im Nildelta kennenlernt. Und er schreibt danach sein eigenes Gedicht mit den schönsten Namen Gottes! Es überrascht mit weiblichen Namen! (Niklaus Kuster, 4. Juli 2019)
Frauen, ihre Rechte und Zulassung zum Priesteramt – immer ein Thema:
«Lass uns die Zeichen der Zeit verstehen und uns mit ganzer Kraft für das Evangelium einsetzen…» (George Francis Xavier, 13. Juni 2019)
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© John E. John/Vicariat apostolique d'Arabie du Sud
© John E. John/Vicariat apostolique d'Arabie du Sud

In den Vereinigten Arabischen Emiraten herrscht kirchliche Aufbruchstimmung. In Jemen hingegen, für das Paul Hinder als „Bischof von Arabien“ auch zuständig ist, herrscht Bürgerkrieg.

Der Alltag des «Bischofs von Arabien»

Wie sieht der Alltag aus im Bistum («Vikariat») des Schweizer Kapuzinerbischofs  Paul Hinder? In einem Rundbrief erzählt er u. a. von einer erfreulichen Aufbauarbeit, vom Konflikt in Jemen und von seiner Migrantengemeinde, die einer internationalen Karawane gleicht. WLu.

Die Aufbauarbeit in unserem Vikariat geht weiter. Der Neubau der Kirche in Salalah im Süden Omans ist auf gutem Weg. Am Freitag nach Ostern ist die Kirchweihe geplant. In Ruwais (ungefähr 250 km westlich von Abu Dhabi) haben wir eine provisorische Kirche eröffnet. Der eigentliche Kirchenbau sollte bald nach Neujahr beginnen. Ich werde bereits am 30. Dezember dieses Jahres offiziell die Pfarrei errichten und den dort wirkenden Priester als Pfarrer einsetzen. Am gleichen Tag ist die Grundsteinlegung für die neue Kirche angesetzt. In Ras-al-Khaimah schreitet der Bau der Saint Mary’s School zügig voran. Die Schule nach britischem Syllabus wird im September 2019 eröffnet auf einem Gelände, das uns vom Emir zur Verfügung gestellt wurde. In Ruwi (Muscat, Oman) konnte ich bereits im vergangenen August das Pfarreizentrum segnen, das nun problemlos den Religionsunterricht und andere Pfarreiaktivitäten ermöglicht. Im vergangenen Oktober und November hatten wir in den VAE und in Oman spezielle Veranstaltungen für unsere Jugend. An den drei Treffen nahmen insgesamt ungefähr 2500 Jugendliche teil. Es waren erfrischende Tage auch für mich als alternden Bischof.

Der Krieg im Jemen ist immer noch nicht zu Ende. Die Gespräche zwischen den Kriegsparteien bedeuten zwar einen Hoffnungsschimmer. Es ist jedoch nach wie vor nicht mit einer raschen Lösung des Konfliktes zu rechnen. Das heisst auch, dass ich vorderhand nicht in den Jemen einreisen kann. Die Schwestern in Sana’a harren mit grossem Engagement aus. Bemühungen, einen Priester ins Land zu bringen, sind bisher gescheitert. Hilfe für die leidende Bevölkerung kann wegen der Blockaden nur tröpfchenweise ins Land gelangen.

Das Buch «Als Bischof in Arabien» (Herder Verlag) ist unterdessen ins Italienische übersetzt worden. Im September war ich eingeladen, mich während zwei Wochen in zwölf verschiedenen Städten den Fragen des Publikums zu stellen und Hintergrundinformationen über die Kirche in Arabien und das Leben im Herzen des Islam zu geben.

Ich möchte mich hier bei allen bedanken, die mir in der einen oder andern Form verbunden sind. Zu einigen von euch bestehen freundschaftliche Bande seit Jahrzehnten. Manche unterstützen periodisch oder gelegentlich meine Arbeit hier in der Golfregion und – ganz besonders – die notleidende Bevölkerung im Jemen. Euch allen sage ich ein herzliches «Vergelt’s Gott!»

Manchmal fühle ich mich in unserer Migrantenkirche wie in einer Karawane aus ganz verschiedenen Nationalitäten, Traditionen und Lebenserfahrungen. Das Ausgesetzt-Sein in der Wüste und das Unterwegsein zum gleichen Ziel schmiedet uns zusammen. Natürlich braucht es auch in einer Karawane Leute, die den Weg erkundet haben und die Richtung weisen können. Letztlich aber sind alle partnerschaftlich aufeinander angewiesen unabhängig vom sozialen Status, rassischer Zugehörigkeit und Bildungsgrad. Das Leben und Reisen in der Karawane nivelliert zumindest ein Stück weit die Machtverhältnisse, weil alle aufeinander angewiesen sind und entsprechend darauf achten müssen, dass die Schwachen nicht abgehängt werden und in der Wüste verdursten.

Unterwegssein in der Fremde bedeutet auch, das Gepäck so zu schnüren, dass es den örtlichen Verhältnissen gerecht wird. Das heisst zunächst einmal, sich auf das Wesentliche und für eine Wüstenreise Unabdingbare zu konzentrieren. Selbst wer wie hier in den Golfstaaten von Luxus umgeben ist, wird als Migrant bald die Erfahrung machen, dass Unsicherheit und Entbehrung mit zur hiesigen Existenz gehören. Dabei dem Stern der Hoffnung zu folgen, ist für unsere Gläubigen tägliche Herausforderung. Und dieser Stern hat einen Namen: Jesus Christus.

+ Paul Hinder OFMCap