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Das Volk Gottes soll seinen missionarischen Auftrag als dialogische Begegnung verstehen. Der Dialog ist dabei aus theologischen und nicht (allein) aus psychologischen oder strategisch-taktischen Gründen gefordert. Er begründet sich aus der Präsenz Gottes in der Welt, die sich in den Erfahrungen der Menschen niederschlägt, und sei es in der Weise, dass diese Gott in «Schatten und Bildern» suchen.

Die Wahrheit, die Freiheit und die Gerechtigkeit, die das Volk Gottes mit anderen sucht, sind nicht das Eigentum der Kirche, nicht das Eigentum des Volkes Gottes. Das Volk Gottes bemüht sich, aus den Quellen des Glaubens schöpfend, mit anderen gemeinsam nach dem für die Menschen Beste zu suchen.

Das Problem ist dabei freilich, dass Erfahrungen anderer, sei es anderer Menschen, sei es anderer Religionen, mit den strukturierenden Vorgaben der eigenen Weltanschauung bzw. der eigenen Religion wahrgenommen werden. Das macht den Dialog nicht leichter. Er hat sich also um eine differenzierte Sicht der Dinge zu bemühen. Das gilt ja schon innerhalb des gemeinsamen Raumes des Glaubens. Er nährt sich aus den pluralen Erfahrungen des Lebens, so dass man von der Vielfalt und Polyphonie innerhalb der Einheit des Glaubens sprechen kann.

Was die missionarische Dialogfähigkeit des Volkes Gottes angeht, hat Paulus ein Beispiel gegeben. Er wurde den Juden ein Jude und den Heiden ein Heide. Und was bedeutete das anderes als dass er das tatsächlich wurde und dies nicht nur mimte. So soll sich auch das Volk Gottes im missionarischen Dialog demütig vorwagen, bis hin zu der Erfahrung, in den eigenen Überzeugungen und Positionen angefragt, ja vielleicht angefochten zu sein, um sie, durch den Dialog bereichert, neu wieder zu übernehmen. Das gilt auf ortskirchlicher wie auf weltkirchlicher Ebene.

Im Gegensatz zu Benedikt XVI., der vor den relativistischen Tendenzen, die der Dialog mit sich bringe, warnt, sah Johannes Paul II. bei einem Besuch in Indien vor mehr als zwanzig Jahren den Dialog in positivem Licht: «Im Dialog lassen wir Gott in unserer Mitte präsent werden. Denn in dem Masse, in dem wir uns im Dialog einander öffnen, öffnen wir uns Gott.» Der us-amerikanische Theologe Francis X. Clooney kommentierte dieses Papstwort später so: «Das treibt nicht nur allen Relativismus und Indifferentismus aus, sondern auch alle Arroganz und Ignoranz.»

Damit der missionarische Dialog mehr ist als ein leerer, folgenloser moralischer Appell, ist vorauszusetzen, dass sich das Volk Gottes ernsthaft einlässt auf das Leben der Menschen und auf die Bedingungen ihres Lebens, auf ihre Mentalitäten, auf ihre Kulturen, auf ihre Freuden und Sorgen. Wenn der Dialog im Horizont der beiden Aspekte der theologischen Basis geführt wird, kann er neue Perspektiven bei Menschen eröffnen, denen diese Perspektiven bisher nicht so klar waren.

Stefan Knobloch, Kapuziner
Ehem. Professor für Pastoraltheologie in Mainz