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(Seltsam: Überall – in Wirtschaft, Politik usw. – spricht man stolz von einer „Mission“. Nur in den Kirche ist dieses Wort verpönt; vor allem auch, weil viele den Wandel des Missionsverständnisses nicht zur Kenntnis nehmen. Darüber schrieb Armin Mettler schon 1998 im Evangelischen Kirchenboten der Schweiz. Bis heute sehr lesenswert. WLu.)

Das Wort «Mission» weckt unterschiedliche Gefühle. Den einen ist das Wort verpönt, anderen ist es beliebt, gerade im nichtkirchlichen Bereich. Da wird es frisch-fröhlich gebraucht etwa von Diplomaten, die in schwieriger Mission unterwegs sind. Eine Raumsonde wird mit besonderer Mission ins All geschickt. Aussenpolitiker sind als «Missionare» unermüdlich im Einsatz als Friedensstifter in Krisen- und Kriegsgebieten. Eine Kosmetikfirma nennt ihre Pillen «für strahlend schöne Haut» und «für vitale Ausstrahlung» «Mission», weil sie geschluckt und nicht von aussen aufgetragen, als «die neue Kraft von innen» zu wirken verspricht.

Anders im kirchlichen Bereich. Hier ist das Wort für viele zu einem belastenden Begriff geworden, der die Vergangenheit der christlichen Mission als Kulturzerstörung und Kolonialismus negativ erscheinen lässt. Selbst Missionsgesellschaften diskutieren, ob es nicht besser wäre ganz auf den Ausdruck «Mission» zu verzichten.

Dabei geht es nicht um ein sich Drücken vor der kritischen Beschäftigung mit der Geschichte der Mission, die auch von Arroganz und Borniertheit belastet ist. Missionsgeschichte war auch Missgeschichte.

Aber noch ist von der kirchlichen und nichtkirchlichen Öffentlichkeit kaum wahrgenommen worden, wie Missionen seit den fünfziger Jahren sich ihrer eigenen Geschichte stellen. In den Überseegebieten sind aus den Missionsstationen selbständige Kirchen geworden, die Kritik an der Tätigkeit früherer Generationen geübt und sich der Bevormundung entgegengestellt haben. Dennoch gehört für sie die missionarische Dimension zum Wesen der Kirche.

Positiv gesehen bedeutet Mission heute, dass sich Kirche inmitten der Sehnsüchte und Nöte, der Konflikte und Leiden der Menschen stellt. Kirche wird unbiblisch, wenn sie selbstgenügsam auf sich selbst, sich auf den Schatten des eigenen Kirchturms beschränkt. Mission ist verschränkt mit der konkreten Situation, in der Menschen leben. Sie ist Einladung zum Glauben und Reden über den Sinn des Lebens. Im Einsatz für Befreiung und Arbeit, im Kampf gegen Rassismus und wirtschaftliche Ausbeutung, setzt sie sich ein für Versöhnung und Gerechtigkeit wie für Wahrung der Menschenrechte und Würde der Menschen, für die Bewahrung der Schöpfung und den Aufbau einer versöhnten Weltgemeinschaft. So hat Mission immer mit Aufbruch und Erneuerung der Kirche zu tun, ist kritischer Impuls auch einer provinziellen und weltfremden Kirche gegenüber. Es ist Zeit für die Mission, ihre interkonfessionellen und interkulturellen Beziehungen und Erfahrungen, ihren Aufbruch zu den Benachteiligten und Entrechteten fruchtbar zu machen für die Kirche und mit ihr zusammen.

Armin Mettler