courtesy
Besuchen Sie unseren Shop. Sie finden ein vielfältiges Kartensortiment und gesegenete Kerzen. Vielen Dank für Ihre Bestellung.

Kapuziner aus Indien gehen als Missionare nach Afrika, tansanische Brüder nach Südafrika. Diese Süd-Süd-Mission hat grosse Vorteile. Das Christentum erscheint nicht mehr als «Import» aus dem Norden. Dazu ein Beitrag des belgischen Theologen Omer Degrijse. (Er erschien zwar schon 1981 in seinem Buch «Der missionarische Aufbruch der Jungen Kirchen», ist aber nach wie vor sehr aktuell.)

Zum ersten Mal in der Kirchengeschichte der letzten Jahrhunderte stellt sich Mission befreit von den Banden dar, die sie mit dem Kolonialismus verknüpften. Im Verlauf dieser vergangenen Jahrhunderte war das Christentum in der Tat die Religion der Beherrscher und Unterdrücker. Die Evangelisierung deckte sich zeitlich und räumlich mit der Kolonisation. Ob sie wollte oder nicht, die Mission war in diesen Jahrhunderten mit der politischen und kulturellen Beherrschung seitens des Westens verbunden. Dieser Sachverhalt musste die Mission verdächtig machen, die Bekehrung vieler Völker vor allem in Asien, unter anderen in Japan und in China, behindern und zahlreiche Verfolgungen hervorrufen.

Die Entkolonialisierung hat die Mission nur teilweise von dieser Hypothek befreien können. Der Kolonialismus findet seine Fortsetzung im Neo-Kolonialismus. Die Überlegenheit des Westens im wirtschaftlichen, technischen und militärischen Bereich bleibt und wirft auch in unseren Tagen noch immer ihren Schatten auf die Anwesenheit westlicher Missionare in der Dritten Welt.

Die Mission von heute und morgen profitiert zudem von der Tatsache, dass sie erstmals seit Jahrhunderten das Evangelium befreit von westlichen Ausdrucksformen verkünden kann, das heisst angepasst an den kulturellen, sozialen und religiösen Kontext welchen Volkes auch immer. Es ist ja vor allem wegen seines ausländisch-fremden Charakters, dass viele Länder, vor allem in Asien, das Christentum abgelehnt haben. Die Konversion brachte immer eine sozio-kulturelle Entfremdung mit sich. Früher war jedermann, die Missionare ebenso wie die Kolonisatoren, von der Überlegenheit der westlichen Zivilisation überzeugt. Man glaubte den nichtchristlichen und „unzivilisierten“ Völkern einen grossen Dienst zu erweisen, indem man ihnen die Segnungen der westlichen Kultur anbot. Christentum und westliche Kultur sind miteinander verpflanzt worden, und die Evangelisierung hat sich dabei ohne Dialog mit den einheimischen Religionen und Kulturen vollzogen.

Das II. Vaticanum hat erneut bewusst gemacht, dass der Dialog ein wesentlicher Aspekt der Evangelisierung ist. Evangelisierung und Inkarnation müssen eng zusammengehen. Zu dieser Schlussfolgerung wäre das Konzil sicher nicht ohne den Beitrag der Jungen Kirchen gekommen.

Die Missionare, die aus Kirchen der Dritten Welt kommen, in denen die Inkarnation des Evangeliums bereits im Gange ist, werden die Notwendigkeit der kulturellen und spirituellen Integration der Frohbotschaft besonders deutlich erkennen.

Von dem Zeitpunkt an, da Missionare aus der Dritten Welt in genügender Zahl an der Mission teilnehmen, wird man nicht mehr sagen können, das Christentum sei eine ausländische Religion, die Religion der Weissen, eine entfremdende Religion. Dann wird der Beweis erbracht sein, dass sich das Evangelium an alle Völker wendet und Christus der Erlöser aller Menschen ist.