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Schweizer Kapuziner-Provinz

Province Suisse

Kapuziner-Blog

Mitglieder der franziskanischen Familie veröffentlichen hier alle zwei Wochen einen Blogbeitrag. Sie kommentieren aus persönlicher Sicht aktuelle Ereignisse.

Empfangt den Heiligen Geist
Die biblischen Bilder erklären, was geschieht, wenn der Auferstandene die, die er senden wird, anhaucht und spricht: „Empfangt den Hl. Geist!“ (Raphael Grolimund, 30. Mai 2020)
Glauben in Christus – Leben in Gott
Der Auferstehungsglaube umfasst unsere ganze Lebensbestimmung im Hier und Jetzt und im Dasein nach dem Tod. (Raphael Grolimund, 23. Mai 2020)
Seid gewiss: Ich bin bei euch
Jene, die seinen Namen tragen, sollen sein Werk fortführen. Aber ist das nicht eine zu grosse Aufgabe für sie? (Raphael Grolimund, 20. Mai 2020)
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Ein Interview in der Zürichsee-Zeitung

Sie sind Ordensmann, Dozent und Buchautor. Wie haben Sie zu diesen Berufen gefunden?
Niklaus Kuster: Geboren 1962 und auf den Namen Wilfried getauft, bin ich in Eschenbach aufgewachsen und dort zur Schule gegangen. Das Gymnasium durchlief ich bei den Kapuzinern in Appenzell. Mit dem Berufsziel Mittelschullehrer habe ich Geschichte und Latein studiert. In Freiburg sah ich mich mit den sozialen Problemen der heutigen Zeit konfrontiert: Armut, Drogenszene, Prostitution. So habe ich gesehen, in welcher Sinnkrise viele Menschen stehen. Es erwachte in mir der Wunsch, mich im sozialen Bereich zu engagieren, und das mit dem Ordensleben zu verbinden. So sah ich mich bei den Ordensgründern um, und Franziskus erschien mir als der liebenswürdigste unter ihnen.

Wie gelang Ihnen der Eintritt ins Ordensleben?
Nach zwei Jahren Geschichtsstudium meldete ich mich bei den Kapuzinern und durchlief das Noviziat als Einführung ins Ordensleben. In diese Zeit fielen soziale Praktika bei der Betreuung von Behinderten und Betagten, und in mir wuchs der Wunsch, als Sozialarbeiter tätig zu sein. Doch die Oberen liessen mich vorerst Theologie studieren.

Sie sind aber nicht Priester geworden.
Ich habe gerne Theologie studiert, aber nie den Wunsch zum Priestertum gespürt. Franziskus war nicht Priester und liess die dem Orden beigetretenen Priester auf alle ihre Vorrechte verzichten. Für mich ist das Priesterbild zu stark auf den Kult ausgerichtet; mir ist die direkte Hinwendung zum Mitmenschen wichtig.

Haben Sie das soziale Engagement weiter gepflegt?
Über den Winter 1991/92 war ich in der Drogenszene am Zürcher Platzspitz tätig. Sie glich einer Wildwestsituation: Im Winter kämpften viele Süchtige ums Überleben; die Arbeit war effektiv gefährlich. Aus dem Trubel der Stadt wechselte ich dann in die Stille des Meditationsklosters Arth, wo ich Hausarbeit leistete und mit den Gästen Begleitgespräche führte. Nach siebeneinhalb Jahren Ordensleben legte ich im Mai 1992 meine ewigen Gelübde ab. 

Wie kamen Sie zur Spiritualität, Ihrem Hauptforschungsgebiet?
Es war der Entscheid der Provinzleitung, mich in Rom franziskanische Spiritualität studieren zu lassen. Ich schrieb die Abschlussarbeit über das Leben in San Damiano zur Zeit Franziskus‚. Es folgte meine Dissertation über den Kapuziner Rufin Steimer (1866 – 1928), den Gründer der Schweizer Caritas, der einige Jahre im Kloster Rapperswil verbrachte.

Sie sind heute als Hochschuldozent tätig.
Ich führe die Studierenden am Religionspädagogischen Institut Luzern in die Kirchengeschichte ein. An einer von verschiedenen Orden getragenen Hochschule in Münster lehre ich im Rahmen eines Post-Graduate-Studiums Spiritualitätsgeschichte und in Madrid franziskanische Spiritualität. In Venedig behandelte ich bedeutende franziskanische Theologen des Mittelalters, in Münster und Freiburg dagegen doziere ich allgemeine Spiritualitätsgeschichte.

Anlass zu unserem Gespräch ist Ihre Tätigkeit als Autor. Haben Sie immer einen Verlag für Ihre Buchprojekte gefunden?
Es verlief bis jetzt erstaunlicherweise umgekehrt: Verlage sind an mich herangetreten. Das hat damit begonnen, dass der Herder Verlag für ein Bändchen zur Spiritualität des Franziskus einen Autor suchte. Das Buch gelang mir offenbar so gut, dass es erweitert mit dem Titel «Franziskus – Rebell und Heiliger» als Hardcover erschien, inzwischen mehrere Auflagen erlebte und auch auf Spanisch und Italienisch übersetzt worden ist.

Welche weiteren Schwerpunkte stehen in Ihren Werken im Vordergrund?
Als ein Gemeinschaftswerk verschiedener Orden franziskanischer Ausrichtung wollte der Herder Verlag auf das Franziskus-Jubiläumsjahr 2008 ein Buch «Inspirierte Freiheit» herausgeben und beauftragte mich mit der Ausarbeitung des Konzeptes. Das Buch mit 9000 Exemplaren ist reich illustriert. Herder setzte die Zusammenarbeit mit mir fort, und so kam es kürzlich zu einem Buch über Klöster und Ordensgeschichte.

Inwiefern war das Verhältnis zwischen den Geschlechtern ein Thema Ihres Schreibens?
Der Patmos Verlag wünschte ein Buch über Franziskus und Klara. Dieses behandelt den spannungsreichen Kampf des Ordensgründers und der Ordensgründerin für das Recht der Frauen, unabhängig von Männerklöstern eine Gemeinschaft in absoluter Armut zu führen. Sie stiessen damit auf harten Widerstand der Kirchenleitung, weil man sich zur damaligen Zeit selbständige Frauen, die ausserhalb von schützenden Klostermauern lebten, nicht vorstellen konnte

Zürichsee-Zeitung, 18.01.2013