courtesy

Schweizer Kapuziner-Provinz

Kapuziner-Blog

Mitglieder der franziskanischen Familie veröffentlichen hier alle zwei Wochen einen Blogbeitrag. Sie kommentieren aus persönlicher Sicht aktuelle Ereignisse.

Macht verteilen
Die Aussätzigen der Gegenwart, die an den Rand gedrängten unserer Zeit möchte ich primär stützen und fördern. (Adrian Müller, 13. Oktober 2019)
Mit uns, mit unseren Nächsten, mit Gott.
Wenn wir Franziskus‘ Todestag feiern, dann feiern wir auch, dass er einer war, der uns voraus ging und uns einen Weg zeigte, wie wir wahrhaft liebend in Beziehung sein können. Mit uns, mit unseren Nächsten, mit Gott. (Nadia Rudolf von Rohr, 2. Oktober 2019)
Sri Lanka – ein vielseitiges Land
Die Tatsache, wie viel Leid dort geschehen war, hat mich traurig gestimmt. (Verena Shearsby, 18. September 2019)
››› weitere Blogs
Walter Ludin, 06.06.2019
Kerzen in der Kirche | © Beat Pfammatter 2019
Kerzen in der Kirche | © Beat Pfammatter 2019

«Manchmal ist Gewalt zwingend»: Dieser Titel steht in der deutschen Wochenzeitung ZEIT über einem Interview mit dem evangelischen Militärbischof Sigurd Rink. Dieser gesteht, er sei als Theologiestudent «Radikalpazifist» gewesen. Inzwischen sieht er den Einsatz militärischer Gewalt in vielen Fällen durchaus berechtigt, sonst wäre er ja nicht zu seinem hohen Amt gekommen.

Der Bischof sieht zwar in der «Jesus-Option» der Gewaltfreiheit (nicht zurückschlagen, sondern die andere Wange hinhalten!) durchaus «einen politischen Sinn». Aber damit hat es sich’s schon. Kein Wort über die Methoden der gewaltfreien, «sozialen Verteidigung». Gerade als Deutscher müsste der Mann sich daran erinnern, dass nicht die hunderte Milliarden schwere westliche Rüstung dem östlichen Teil seines Landes, ja ganz Osteuropa die Befreiung von der Diktatur gebracht hat; sondern die friedlichen Proteste: nicht mit Waffen, sondern mit Kerzen in der Hand …

Kerze für den Frieden | © Beat Pfammatter 2019

Kerze für den Frieden | © Beat Pfammatter 2019

Der Militärbischof beklagt auch nicht, dass immer noch Milliarden für Waffen ausgegeben werden, während für Friedensforschung nur Brosamen abfallen. Dies ist nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Schweiz der Fall.

Szenenwechsel: Vor einigen Monaten verteidigte im «Wort zum Sonntag» des Schweizer Fernsehens ein Feldprediger – in Uniform! –  die militärische Option. Ist sein gutes Recht! Warum hat er aber nicht auch auf gewaltfreie Alternativen im Sinne der Bergpredigt hingewiesen?

Noch was hätte ich von ihm erwartet: den Hinweis, dass die Rüstung Ressourcen auffrisst, die für Zwecke wie Armutsbekämpfung dringend gebraucht werden. Man erinnert sich vielleicht noch an das Wort, das Dorothee Sölle seligen Angedenkens angesichts des Westrüstens der 1980er-Jahre oft und oft gesagt hat: «The bombs are falling now.» Im Klartext: Bomben zerstören Leben, auch wenn sie nicht abgeworfen werden. Das Geld, das für sie ausgegeben wird, könnte millionenfach (vor allem im globalen Süden) Leben retten.

PS: Ich behaupte, meine Argumentation sei nicht so sehr von der GSoa/Gruppe für eine Schweiz ohne Armee beeinflusst, sondern vielmehr von der franziskanischen Spiritualität; und von der Bewegung Gerechtigkeit, Friede, Bewahrung der Schöpfung/GFS, die vor genau 30 Jahren ihn Basel ihren Höhepunkt erreichte ….

Walter Ludin

Walter Ludin, Kapuziner in Luzern. Redaktor des franziskanischen Jahrbuchs „Franziskuskalender“. Von 1992 bis 2018 Redaktor der Eine-Welt-Zeitschrift ite. Freier Journalist. Kirchenblogger seit 2005.