courtesy

Schweizer Kapuziner-Provinz

Kapuziner-Blog

Mitglieder der franziskanischen Familie veröffentlichen hier alle zwei Wochen einen Blogbeitrag. Sie kommentieren aus persönlicher Sicht aktuelle Ereignisse.

Hakuna shida
„Kannst Du mir helfen?“ die Antwort in ihrer herzlichen Art: „hakuna shida“. (Raphael Märtens, 6. November 2019)
Interview mit Sr. Sabine
Es passt zu meiner Überzeugung, dass Frauen und Männer in der Kirche gemeinsam unterwegs sein sollen, dass Entscheidungen geschwisterlich miteinander gefällt werden müssen. Das ist für mich auch begründet in der franziskanischen Spiritualität. (Sabine Lustenberger, 21. Oktober 2019)
Macht verteilen
Die Aussätzigen der Gegenwart, die an den Rand gedrängten unserer Zeit möchte ich primär stützen und fördern. (Adrian Müller, 13. Oktober 2019)
››› weitere Blogs
Raphael Grolimund, 02.09.2019
«Alles ist sein Werk: Meer und Land, Berge und Täler, alles Leben auf Erden» - Berg und Tal, vom Brünigpass her Blick auf den Lungerersee | © GFX, 2019.
«Alles ist sein Werk: Meer und Land, Berge und Täler, alles Leben auf Erden» - Berg und Tal, vom Brünigpass her Blick auf den Lungerersee | © GFX, 2019.

Damiano-Kreuz (Indigena-Farben) in der Kapelle der Kapuzinerbrüder in Puebla, Mexiko | © Niklaus Kuster, 2019.

Franziskus von Assisi bittet im Gebet vor dem Kreuz von San Damiano: „Schenke mir rechten Glauben.“ Was könnte dies für mich bedeuten? Spontan kommt mir der Mann im Evangelium in den Sinn, der bittet: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben.“  (Mk 9,24)

Glauben als persönliche Beziehung

In der hebräischen Bibel steht für „glauben“ das Wort „wehae>aemin“. „Abram glaubte dem Herrn.“ (Gen 15,6) Wörtlich übersetzt bedeutet es: „Abram machte sich fest an Jahwe.“  „Glauben“ ist ein Akt „von Person zu Person“. Das Wort glauben war reserviert für die Beziehung zu Gott. „Ich halte mich fest an Gott. Ich sage: Du bist der Halt meines Lebens.“ Vom hebräischen „hae aemin“ stammt das „Amen“, das soviel wie „ich glaube“ bedeutet. Wir sprechen es als persönliches Bekenntnis z. B. beim Kommunionempfang aus.

Von den etymologischen Befunden her ist das Erste am Glauben nicht ein Lehrgebäude, sondern die persönliche Vertrauensbeziehung. In den Geschichten des Evangeliums wird erzählt, wie die Menschen an Jesus glauben. Sie treten in eine persönliche Beziehung zu ihm. In ihrem Glauben trauen sie Jesus zu, dass er die Macht hat, ihnen zu helfen.

Der Glaube des heidnischen Hauptmanns von Kafarnaum (Mt 8,5-13)

Er muss von Jesus schon viel gehört haben, sodass er überzeugt war, dass Jesus in außerordentlichen Notlagen helfen kann. Der Hauptmann begründet seine sichere Erwartung an Jesus mit den Erfahrungen aus seiner eigenen beruflichen Stellung.

Nun ist sein Diener schwer erkrankt. Diesem Leid steht er hilflos gegenüber. Voll Vertrauen wendet er sich an die höhere Macht, die ihm in Jesus begegnet. Er überträgt die Verlässlichkeit, mit der er in seinem Umfeld rechnen kann, auf das Tun Jesu, bzw. Gottes. Jedenfalls hat er davon gehört, dass Jesus mit „göttlicher Vollmacht“ Kranke geheilt hat. Der Hauptmann tritt an Jesus heran und traut ihm zu, dass er helfen kann. Ähnlich wie in der militärischen Ordnung Befehle erteilt werden, soll Jesus ein Machtwort sprechen und den Diener heilen. Darum sagt er zu Jesus: „Sprich nur ein Wort, dann wird mein Diener gesund. Darauf sagt Jesus: „Einen solchen Glauben habe ich in Israel noch bei niemandem gefunden.“ (Mt 8,10)

Auffällig ist die innere, fast selbstverständliche, Gewissheit, mit der der Hauptmann von Jesus Hilfe erwartet.

Vom Glauben, der „Berge versetzt“

In diesem Beispiel schenkt Jesus aufgrund des „großen Glaubens“ Heilung. Ein „solcher Glaube“ traut Gott alles zu. Auf „solchen Glauben“ antwortet Gott ganz gewiss mit seinem göttlichen Tun am Menschen. Diese Gewissheit fasst Jesus in das Wort vom „Glauben, der Berge versetzt“. „Amen, das sage ich euch: Wenn euer Glaube auch nur so groß ist wie ein Senfkorn, dann werdet ihr zu diesem Berg sagen: Rück von hier nach dort! und er wird wegrücken. Nichts wird euch unmöglich sein.“ (Mt 17,20)

«Alles ist sein Werk: Meer und Land, Berge und Täler, alles Leben auf Erden» – Meer und Land, Tel Aviv| © Niklaus Kuster, 2019.

Dem Glauben wird hier eine unvorstellbare Macht zugeschrieben. Gemeint ist nicht etwa die Macht des Glaubenden. Ich muss als Glaubender nicht selber Berge versetzen. Das kann ich gar nicht. Das steht allein in der Macht Gottes, an die sich der Glaube wendet. Seine Macht hat Gott in der Schöpfungs- und Heilsgeschichte bewiesen. Alles ist sein Werk: Meer und Land, Berge und Täler, alles Leben auf Erden. Die Macht des Glaubens besteht in der Überzeugung, dass ich Gott alles zutraue und alles in seine Hand lege.

„Schenke mir rechten Glauben.“

Mein Glaube ist nicht fester Besitz. Vielmehr hält er mich in einem fortwährenden Prozess der Entscheidung zur lebendigen Beziehung zu Gott. Ich bitte beständig: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben.“

  • Ja, hilf mir zum ganzen Vertrauen, das den Hauptmann von Kafarnaum erfüllt hat. Voll Glauben bitte ich: „Sprich nur ein Wort; dann wird für mich alles gut.“
  • Mein Gott, Du bist doch mein Gott von Anbeginn. Dir vertraue ich ganz und gar. Dir traue ich alles zu. Du kannst „Berge versetzen“. Die ganze Schöpfung ist dein Werk. Alles liegt in deiner Hand. An dir halte ich mich fest. Du bist die Quelle der Macht meines Glaubens.

Gemeinschaft des Glaubens

Mit meinem Glauben an Jesus Christus, an Gott, bin ich nicht allein.  Der christliche Schriftsteller Tertullian (3. Jhdt.) hat den Satz geprägt: „Ein Christ ist kein Christ.“ Ich kann nicht allein, sondern nur in Gemeinschaft Christ sein. Der christliche Glaube ist wesentlich auf Gemeinschaft angelegt. Von den ersten Christengemeinden lesen wir: „Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten.“ (Apg 2,42)

Der Gemeinschaft im Glauben und im Gebet ist eine ganz besondere Kraft verheißen: „Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,19-20).

Raphael Grolimund

Raphael Grolimund, Kapuziner, Kloster Wesemlin, Luzern. Tätig als katholischer Priester in der Seelsorge und in der geistlichen Begleitung von Schwesterngemeinschaften und Exerzitiengruppen.