courtesy
Besuchen Sie unseren Shop. Sie finden ein vielfältiges Kartensortiment und gesegenete Kerzen. Vielen Dank für Ihre Bestellung.

Schweizer Kapuziner-Provinz

Kapuziner-Blog

Mitglieder der franziskanischen Familie veröffentlichen hier alle zwei Wochen einen Blogbeitrag. Sie kommentieren aus persönlicher Sicht aktuelle Ereignisse.

Empfangt den Heiligen Geist
Die biblischen Bilder erklären, was geschieht, wenn der Auferstandene die, die er senden wird, anhaucht und spricht: „Empfangt den Hl. Geist!“ (Raphael Grolimund, 30. Mai 2020)
Glauben in Christus – Leben in Gott
Der Auferstehungsglaube umfasst unsere ganze Lebensbestimmung im Hier und Jetzt und im Dasein nach dem Tod. (Raphael Grolimund, 23. Mai 2020)
Seid gewiss: Ich bin bei euch
Jene, die seinen Namen tragen, sollen sein Werk fortführen. Aber ist das nicht eine zu grosse Aufgabe für sie? (Raphael Grolimund, 20. Mai 2020)
››› weitere Blogs

4. Sonntag in der Osterzeit. Evangelium: Johannes 10,1-10.

Jesus Christus: Hirt und Tür.

Diese beiden biblischen Bilder veranschaulichen, was Jesus ist und was er bedeutet für die, die ihm folgen. Der Hirt ist mir vertraut aus dem Psalm 23: „Der Herr ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen.“ Ähnlich formuliert der Prophet Jesaja (40,11): „Seht Gott! Wie ein Hirt weidet er seine Herde, auf seinem Arm trägt er die Lämmer.“

Wie gut ist es für mich, wenn ich gerade in Krisenzeiten glauben kann, das Gott mich trägt, und dass er sein ganzes Volk behutsam durch die Tür ein- und ausführt. Das gibt mir Sicherheit und Wachsamkeit gegenüber den Dieben und Räubern, die nicht durch die Tür sondern anderswo eindringen. Jesus meint mit ihnen wohl seine pharisäischen Gegner und die Schriftgelehrten, die den Menschen „Lasten aufbürden“ und sie bestehlen.

Was meint Jesus heute? Bestimmt gibt es heute nicht weniger Eindringlinge, die die Menschen vereinnahmen, beherrschen und ausnehmen. Wie bin ich froh, durch den Glauben einen vertrauten Weg zu sehen und verbunden mit meinen Lebenswurzeln einen gewissen Stand zu spüren. Ich danke dafür, dass ich beten kann: „Der Herr ist mein Hirt“.

Hirt und Tür stehen miteinander in enger Beziehung. Durch die Tür tritt zuerst allein der Hirt, der die Verantwortung und den Schutz wahrnimmt für alle, die ein- und ausgehen werden. Die Tür ist ein beliebtes Bild im Ersten Testament. In der Nacht von Ägypten bestrichen die Israeliten ihre Türpfosten mit Blut. Das war das Zeichen für ihre Rettung. Eine einmalig hohe Bedeutung hat die Tür dort, wo es heisst: „Höre, Israel! Der HERR, unser Gott, der HERR ist einzig. Darum sollst du den HERRN, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft. Und diese Worte, auf die ich dich heute verpflichte, sollen auf deinem Herzen geschrieben stehen. Du sollst sie auf die Türpfosten deines Hauses und in deine Stadttore schreiben.“ Die letzte und höchste Steigerung ist das „Ich bin“-Wort Jesu: Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden.“

Die Tür ist mehr als ein blosser Durchgang. An ihr ist die Schwelle, die einen grossen Schritt, eine persönliche Entscheidung verlangt, den Glauben. Wenn ich diesen Schritt mache, dann finde ich mich drinnen, ich gehöre zum Haus, zu Christus, zu allen, die hier beheimatet sind und ein- und ausgehen. Als Kirche, als Gottes Volk, haben wir das zu bezeugen und den Zugang ins Haus hinein, zum „Leben in Fülle“ zu vermitteln.

Die Auferstehung Jesu verkünden        Evangelium nach Mt 28,1-10

Jeder der vier Evangelisten erzählt das Osterereignis in seiner eigenen Art. Sie versuchen das Undenkbare und Unsagbare ihren christlichen Urgemeinden zu vermitteln. Matthäus schreibt aus jüdisch-christlicher Sicht. In seinem Evangelium kommt jüdische Denkweise zum Ausdruck. Das zeigt sich z. B. in der Zweizahl der Zeugen, die etwas bestätigen sollen. Hier sind es zwei Frauen. Es zeigt sich auch in den apokalyptischen Vorgängen, wie dem Erdbeben und dem Sturz der Wächter. Apokalyptik spielt seit Daniel eine auffällige Rolle. Matthäus reagiert auch auf die jüdische Gerüchteküche über das Verschwinden des Leichnams Jesu.

Matthäus schreibt eine Sprache mit kraftvollen Bildern.

In der Morgendämmerung kommen Maria von Magdala und die andere Maria zum Grabe. Ein erster Lichtschimmer kündet den Tag an. Doch die Frauen stecken noch tief im Dunkel. Der Tod Jesu hat sie darein versetzt. Vor zwei Tagen sassen sie bei der Bestattung „dem Gab gegenüber“. Sie kennen den Ort und finden ihn trotz Dunkel. Nun steigt die Sonne auf. Dieses Bild enthält auch schon die Botschaft, die der Evangelist entfalten will. Es kommt Licht in die Geschichte Jesu.

Alles was nun erzählt wird, lässt den Schrecken, der die Frauen anfällt, miterleben. Das Grab ist leer. Sie stehen vor dem Nichts. Sie sind verloren. Wer kann sie aus ihrem Schicksalsschlag retten? Da ertönt das Wort des Engels: „Fürchtet euch nicht! Ihr sucht Jesus; er ist auferstanden.“ Schlag auf Schlag geht es weiter. „Plötzlich kam ihnen Jesus entgegen.“ Diese Begegnung von Angesicht zu Angesicht hebt der Evangelist mit besonderer Deutlichkeit hervor. Auf Anhieb erkennen die Frauen Jesus. Sie trauen sich ihm zu nähern. Kein Zögern, kein Zweifeln. Nur glaubendes Bekenntnis. „Sie warfen sich vor ihm nieder.“ Was sie erfahren, verspricht der Auferstandene allen seinen Brüdern. „Sie sollen nach Galiläa gehen, dort werden sie mich sehen.“ Das Wort „Brüder“ fällt auf. Mitgemeint sind die Schwestern. Das Wort zeigt die einzigartige Nähe, die ihnen durch die Auferstehung geschenkt ist, die Nähe zu Christus, zu Gott.

Ihr alle, hört auf die Ersten! Sie können euch die Botschaft vom Auferstandenen vermitteln. Sie sind vom Sehen zum Glauben gekommen. Lasst das Osterevangelium der vielen Zeugen bei euch ankommen. Legt das Zögern und Zweifeln ab. Öffnet euch der Freude des österlichen Lebens. Halleluja.