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Schweizer Kapuziner-Provinz

Kapuziner-Blog

Mitglieder der franziskanischen Familie veröffentlichen hier alle zwei Wochen einen Blogbeitrag. Sie kommentieren aus persönlicher Sicht aktuelle Ereignisse.

Empfangt den Heiligen Geist
Die biblischen Bilder erklären, was geschieht, wenn der Auferstandene die, die er senden wird, anhaucht und spricht: „Empfangt den Hl. Geist!“ (Raphael Grolimund, 30. Mai 2020)
Glauben in Christus – Leben in Gott
Der Auferstehungsglaube umfasst unsere ganze Lebensbestimmung im Hier und Jetzt und im Dasein nach dem Tod. (Raphael Grolimund, 23. Mai 2020)
Seid gewiss: Ich bin bei euch
Jene, die seinen Namen tragen, sollen sein Werk fortführen. Aber ist das nicht eine zu grosse Aufgabe für sie? (Raphael Grolimund, 20. Mai 2020)
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3. Sonntag in der Osterzeit – Evangelium: Johannes 21,1-14

Ich versuche mich in diese wunderbare Ostergeschichte so aufmerksam wie möglich hineinzudenken, damit sie mich erreichen und mitnehmen kann.

Die sieben Jünger vertreten die ganze Kirche. Die Zahl Sieben steht für das Ganze. Petrus, Thomas, Nathanael, die „Donnersöhne“ und die zwei anderen sind sehr verschiedene Typen, schnellgläubig, zögernd, polternd und hinterfragend. „Kann aus Nazaret etwas Gutes kommen?“, hat Nathanael skeptisch gefragt. (Jo 1,46) Damit die Zahl Sieben vollständig ist, werden zwei andere dazugegeben, die namenlos sind. In ihnen können sich alle Gläubigen in ihrer Vielfalt erkennen.

Heute erfahren wir eine Kirche, die von verschiedenen Kraftfeldern beherrscht wird, je nachdem ziehen sie sich gegenseitig an oder stoßen sich ab. Extrempositionen haben die Eigenheit, nur noch mit sich selber im Gespräch zu sein. Alle anderen werden verurteilt und abgetan. Unter diesen Umständen ist die Kirche blockiert. Sie kann sich nicht bewegen. Es braucht einen Neuanfang.

Am See Tiberias – wir könnten auch sagen: in der einen Taufe, im einen Herrn – haben sich die Ersten trotz Verschiedenheiten in eins gefunden. Petrus sagte: „Ich gehe fischen.“ Die anderen sagten: „Wir kommen auch mit.“ Sie möchten die Menschen für das Evangelium gewinnen. Alle ziehen am gleichen Strang. Sie tragen auch alle am gleichen Schicksal. In dieser Nacht bleiben ihre Netze leer. Aber es wird Morgen.

Ein Unbekannter steht am Ufer. Dieser macht ihnen ihren Misserfolg erst recht bewusst. Er fragt: „Habt ihr nicht etwas zu essen?“ Sie haben nichts. Sie sollen noch einmal in seinem Auftrag und mit seinem Wort hinausfahren. Und nun kommt es zur perfekten Überraschung. Sie können das Netz nicht mehr einholen, so voller Fische ist es. Mit einem Schlag von Null auf Hundertdreiundfünfzig, eigentlich von Null ins Unendliche, von den erfolglosen Jüngern zur Erfüllung, die Christus schenkt.

„Es ist der Herr.“ Er steht am Feuer. Vor dem brennenden Dornbusch wagte Mose den Namen Gottes zu erfragen. Am Feuer von Tiberias heisst es: „Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war.“

Ich versuche diese wunderbare Ostergeschichte der heutigen Kirche unterzuschieben. Franziskus sagt: „Ich gehe fischen.“ Alle sagen: „Wir kommen auch mit.“ Dieser Anfang ist vielversprechend. Aber er garantiert noch gar nichts. Das Netz kann noch manches Mal leer bleiben.-  Wir suchen die Begegnung mit dem Unbekannten am Ufer. Er kann uns in seinem Netz auffangen und erfüllen. Wir sind im Wasser getauft und im Feuer des Geistes belebt, geladen zum Mahl. „Kommt und esst.“ Mit Petrus, Thomas, Nathanael und den anderen wissen wir: Es ist der Herr, der Christus. Mit ihm vermögen wir das Netz von neuem auszuwerfen.

Die Schweizer Kapuziner haben ihre Auftritte im Internet in den letzten Monaten ausgebaut. Vor allem: Medien wie Facebook, YouTube und Instagram werden nun intensiver genutzt. Verantwortlich für das Konzept ist die Ende 2019 gegründete Arbeitsgruppe «Social Media».mehr …

„Mit 66 Jahren fängt das Leben an“, hat Udo Jürgens gesungen. Dieser kurze Ausschnitt schwirrt in den letzten Tagen öfters in meinem Kopf herum. Dabei bin ich der Meinung, dass mein Leben bereits angefangen hat. Ich habe noch nicht einmal die Hälfte von diesen 66 Jahren auf dem Buckel. Natürlich, wenn man sich das ganze Lied von Jürgens anhört – was ich übrigens empfehlen kann – so merkt man, ist seine Aussage grundsätzlich anders.

Dennoch: In diesem Monat darf ich meinen 30. Geburtstag feiern. Da staune ich, was ich alles schon erlebt habe. Wie werde ich wohl staunen, wenn ich 66 bin?

Das Wunder des Lebens ist ja wirklich ein beeindruckendes Wunder.

Wenn man es bedenkt: Da entsteht im Mutterleib ein Zellklumpen und bereits ungefähr 22 Tage nach der Befruchtung soll der erste Herzschlag sein. Von diesem Tag an schlägt das Herz jeden Tag, jede Nacht … 30 Jahre, 66 Jahre, 80, 90 …

Ich finde es faszinierend, darüber nachzusinnen, was genau der Impuls ist, dass dieser erste Herzschlag stattfindet? Wer „sagt“ diesem, in jenem Stadium noch schlauchförmigen Herz, dass es nun Zeit ist zu arbeiten?

Genauso denke ich darüber nach, was wohl der Impuls ist, dass es aufhört? Es gibt Menschen, bei denen schlägt das Herz über 100 Jahre und dann plötzlich steht es still. Einfach so. Faszinierend!

Ja, es gibt viele Menschen, die krank sind oder aufgrund von Unfällen früher aus dem Leben scheiden als erwartet.

Trotzdem. Wenn man bedenkt, wie komplex unser Organismus arbeitet und wie wenig es braucht, damit er nicht mehr funktioniert, ist es doch ein Wunder, wie viele Menschen einfach gesund sind.

So bin ich dankbar, dass mein Herz seinen Dienst so treu erfüllt und mich die letzten 30 Jahre belebt hat. Ich bin auch dankbar, wenn es dies noch weiter tut. Denn ich möchte ja schon gerne wissen, wie man mit 66 Jahren auf das Leben zurückschaut.

Kürzlich fragte ich mich, kurz nach dem Aufwachen: „Ist es still im Universum? Was klingt im Kosmos, in dem stets neue Sterne entstehen, ungeheure Explosionen stattfinden, Materie aufeinander prallt? Ist das hörbar? Oder ist es da still?“

Ich lese mit Interesse über astronomische Themen. Die unvorstellbaren Weiten des Universums faszinieren mich. Ich bin beglückt, wenn ich lese, wie neue Sterne und ganze Galaxien entstehen und wieder vergehen, seit Milliarden von Jahren. Und dass ich auf dem Planeten Erde leben darf, ein Staubkorn im Weltall, das lässt mich einfach staunen.

Doch ob es „da oben“ still ist, hatte ich mich bis zu diesem Moment nicht gefragt. Google half mir weiter: Im Universum ist für unsere menschlichen Ohren nichts zu hören.

 

Gärtnerinnen im Garten | © GFX 2019

Ich sann dieser Antwort auf meine Frage am offenen Fenster nach, an dem sonnigen Frühlingsmorgen. Ich lauschte dem Vogelgezwitscher zu, den Kuhglocken, dem vorbeifliegenden Helikopter, den Stimmen der Gärtnerinnen im Garten. Und ich hörte auf die Stille zwischen den Klängen, und auf die Stille „über“ allem. Dies erlebte ich als berührend und wohltuend.

Der Zenlehrer Marcel Steiner nennt die Stille „die Muttersprache des Lebens und jedes Menschen“. Und Eckehart Tolle meint: „Stille ist die Muttersprache Gottes“.

Diese Gedanken gefallen mir: Stille als uns alle und alles verbindende Sprache.

Es gibt auch Momente, in denen Stille bedrückend und unangenehm ist. Das kenne ich.

Und wiederum gibt es Augenblicke, in denen Stille vom Leben spricht, in denen Stille prall voll von Freude ist. Von solchen Momenten nähre ich mich. Da spricht mich die Muttersprache Gottes und des Lebens direkt an. Zu dieser Stille will ich Sorge tragen.

Ich will bewusst der Stille zuhören, in mir die Erfahrung von Edith Stein wach halten: „Wir bedürfen der Stunden, in denen wir schweigend lauschen.“ Wir brauchen Stunden, in denen wir offen sind für die Muttersprache des Lebens und uns bewusst umfangen lassen von der Stille des Kosmos.