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Schweizer Kapuziner-Provinz

Kapuziner-Blog

Mitglieder der franziskanischen Familie veröffentlichen hier alle zwei Wochen einen Blogbeitrag. Sie kommentieren aus persönlicher Sicht aktuelle Ereignisse.

Empfangt den Heiligen Geist
Die biblischen Bilder erklären, was geschieht, wenn der Auferstandene die, die er senden wird, anhaucht und spricht: „Empfangt den Hl. Geist!“ (Raphael Grolimund, 30. Mai 2020)
Glauben in Christus – Leben in Gott
Der Auferstehungsglaube umfasst unsere ganze Lebensbestimmung im Hier und Jetzt und im Dasein nach dem Tod. (Raphael Grolimund, 23. Mai 2020)
Seid gewiss: Ich bin bei euch
Jene, die seinen Namen tragen, sollen sein Werk fortführen. Aber ist das nicht eine zu grosse Aufgabe für sie? (Raphael Grolimund, 20. Mai 2020)
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Die Auferstehung Jesu verkünden        Evangelium nach Mt 28,1-10

Jeder der vier Evangelisten erzählt das Osterereignis in seiner eigenen Art. Sie versuchen das Undenkbare und Unsagbare ihren christlichen Urgemeinden zu vermitteln. Matthäus schreibt aus jüdisch-christlicher Sicht. In seinem Evangelium kommt jüdische Denkweise zum Ausdruck. Das zeigt sich z. B. in der Zweizahl der Zeugen, die etwas bestätigen sollen. Hier sind es zwei Frauen. Es zeigt sich auch in den apokalyptischen Vorgängen, wie dem Erdbeben und dem Sturz der Wächter. Apokalyptik spielt seit Daniel eine auffällige Rolle. Matthäus reagiert auch auf die jüdische Gerüchteküche über das Verschwinden des Leichnams Jesu.

Matthäus schreibt eine Sprache mit kraftvollen Bildern.

In der Morgendämmerung kommen Maria von Magdala und die andere Maria zum Grabe. Ein erster Lichtschimmer kündet den Tag an. Doch die Frauen stecken noch tief im Dunkel. Der Tod Jesu hat sie darein versetzt. Vor zwei Tagen sassen sie bei der Bestattung „dem Gab gegenüber“. Sie kennen den Ort und finden ihn trotz Dunkel. Nun steigt die Sonne auf. Dieses Bild enthält auch schon die Botschaft, die der Evangelist entfalten will. Es kommt Licht in die Geschichte Jesu.

Alles was nun erzählt wird, lässt den Schrecken, der die Frauen anfällt, miterleben. Das Grab ist leer. Sie stehen vor dem Nichts. Sie sind verloren. Wer kann sie aus ihrem Schicksalsschlag retten? Da ertönt das Wort des Engels: „Fürchtet euch nicht! Ihr sucht Jesus; er ist auferstanden.“ Schlag auf Schlag geht es weiter. „Plötzlich kam ihnen Jesus entgegen.“ Diese Begegnung von Angesicht zu Angesicht hebt der Evangelist mit besonderer Deutlichkeit hervor. Auf Anhieb erkennen die Frauen Jesus. Sie trauen sich ihm zu nähern. Kein Zögern, kein Zweifeln. Nur glaubendes Bekenntnis. „Sie warfen sich vor ihm nieder.“ Was sie erfahren, verspricht der Auferstandene allen seinen Brüdern. „Sie sollen nach Galiläa gehen, dort werden sie mich sehen.“ Das Wort „Brüder“ fällt auf. Mitgemeint sind die Schwestern. Das Wort zeigt die einzigartige Nähe, die ihnen durch die Auferstehung geschenkt ist, die Nähe zu Christus, zu Gott.

Ihr alle, hört auf die Ersten! Sie können euch die Botschaft vom Auferstandenen vermitteln. Sie sind vom Sehen zum Glauben gekommen. Lasst das Osterevangelium der vielen Zeugen bei euch ankommen. Legt das Zögern und Zweifeln ab. Öffnet euch der Freude des österlichen Lebens. Halleluja.

„Marta sagte zu Jesus: Wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. Aber auch jetzt weiss ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben.“

Bei der Corona-Pandemie könnte jemand sagen: Wäre ER hier gewesen …

Warum muss das sein? Doch diese Frage führt zu nichts. Marta geht weiter. Und auch wir gehen und tun, was zu tun ist. Wir schützen uns vor Ansteckung und vor rascher Verbreitung. Zu Hause bleiben, Abstand halten. Es kann lange dauern. Man weiss nicht und kann nur vermuten, was noch kommt. Alle brauchen Kraft, übermenschliche Kraft. Marta weiss, wo Hilfe ist. Jemand muss darum bitten. „Not lehrt beten“. Alle, die können, sollen es lernen und tun.

Wir hoffen, dass es einmal heissen wird: „Lazarus, komm heraus!“ Komm heraus aus der Enge des Grabes. Der Stein ist weggewälzt. Die Binden an Händen und Füssen und das Schweisstuch sind abgetan. Das erinnert an das leere Grab am Ostermorgen.

Das „Komm heraus!“ ist auch zu mir gesagt. Alle können es vernehmen und auf sich beziehen: „Kommt heraus!“ „Ich öffne eure Gräber und hole euch, mein Volk aus euren Gräbern … Wort des HERRN.“ (Ez.37,12f).

„Kommt heraus!“ bedeutet Befreiung, sich öffnen, heraustreten, aufatmen,  hoffen auf den neuen Anfang. Für Glaubende ist das „Kommt heraus!“ der Ruf zur Auferstehung, zum Leben in Christus aus der Kraft der Liebe zu ihm, zu Gott, zu uns selbst, zu den Nächsten.

„Kommt aus euch heraus!“ auf den Weg des Glaubens. Marta geht Schritt für Schritt auf ihrem Glaubensweg voran. Wir können uns an der Spur, die Marta gelegt hat, orientieren. Am Ziel bekennt sie: „Ich glaube.“  Ihr Glaube gilt dem, der sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben.“

Die Lazarus-Geschichte ist eine vorausgenommene Ostergeschichte. Man kann auch sagen: eine österliche Glaubensgeschichte.

(Evang.  Jo 11,1-45  ausgelegt in der Corona-Zeit)