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Eine weitere Möglichkeit liegt darin, dass die Kirche nicht nur in der sonntäglichen Wohn-Welt der Menschen gegenwärtig ist, sondern dahin geht, wo die Menschen heute tatsächlich zusammenkommen: bei der Arbeit, im Krankenhaus, im Vergnügungsbetrieb usw. Oder sie müsste durch die Initiierung von Nachbarschaftsgruppen und ähnlichem selber die Menschen in der Verlassenheit moderner Siedlungen wieder zu Gemeinschaftsbildung herausfordern.

  • Die Gemeinde müsste sich fragen wie sie das partnerschaftliche Gespräch mit Andersgläubigen konkret und bewusst in ihren Lebensvollzug einbauen kann. Ebenso müsste sie die kritischen Anfragen Aussenstehender zu hören versuchen, um sie für das Verständnis ihrer missionarischen Aufgabe fruchtbar zu machen.
  • Sie muss nach Wegen suchen, um den Austausche von Lebens- und Glaubenserfahrungen unter ihren Gliedern und besonders zwischen Priestern und Laien zu fördern. So kann das Bewusstsein der fundamentalen Einheit und Gleichberechtigung aller Getauften im gemeinsamen Zeugendienst wachsen: dass die Laien nicht im Dienst des Amtsträgers stehen, sondern der Amtsträger im Dienst der Laien und dass alle unter verschiedenen Bedingungen denselben Auftrag haben.

Die Gemeinde muss sich schliesslich fragen, welche Strukturen sie braucht für ihre Sendung. Wenn die Kirche in ihrem Wesen missionarisch ist, dann darf die Mission nicht bloss als Dienst der vorhandenen, sakral und hierarchisch verstandenen Ämter und Institutionen verstanden werden, sondern die Ämter müssen umgekehrt im Dienst der Mission stehen. Sie müssen funktional auf die jeweilige geschichtliche und kulturelle Situation der Sendung ausgerichtet sein und daran gemessen werden, ob sie ihre Vermittlungsfunktion wirklich zu erfüllen vermögen. Sie müssen flexibel und veränderbar sein, müssen ein zeitlich beschränktes, auf eine bestimmte Situation ausgerichtetes Engagement ermöglichen, müssen zugeschnitten sein für Laien, denn ein missionarische Struktur muss ihr Zentrum im Dienst der Laien haben. Darum kommt der Neuentdeckung und der Förderung der Charismen eine erhöhte Bedeutung zu. Darin liegt eine grosse Chance zur Verlebendigung der kirchlichen Gemeinde.

Schon die Vielfalt der Ämter und Gemeindeformen in den neutestamentlichen Traditionen weist darauf hin, dass es keine Standartstruktur gibt, die eine missionarische Gemeinde garantieren könnte. Die angemessene Struktur für die missionarische Sendung ist immer durch den Hl. Geist gegeben, der dafür die Strukturen der Welt gebraucht und verwandelt.

Tatsächlich scheint heute eine strukturelle Veränderung im Gang zu sein: ein Progress von der Distanz in den grossen volkskirchlichen Gemeinden zur Bruderschaft in kleinen, überschaubaren Gruppen, von der Betreuung zur gemeinsamen Arbeit , vom Privatchristen zum Zeugen, vom religiösen Ritus zur Versammlung von Weggenossen, die sich gemeinsam unter den Anspruch die die Verheissung des Evangeliums stellen. Diese Bewegung, auch wenn sie noch in den Anfängen steckt, lässt das Bild einer «missionarischen Gemeinde» erahnen und weckt Hoffnung.

Richard Meier

Dieser Artikel entstand im Hinblick auf das Pastoralforum 1981. Dazu auch unsere vorausgehenden Beiträge.