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Aus dem Schreiben der dt. Bischöfe „Zeit zur Aussaat“. Missionarisch Kirche sein.

Vermutlich verliert in unserer Generation eine Gestalt des Christwerdens ihre Dominanz: die vornehmlich pädagogisch vermittelte Gestalt der Weitergabe des christlichen Glaubens, die seit dem Beginn der Reformationszeit bzw. der Gegenreformation bestimmend gewesen ist, ähnlich wie seit frühmittelalterlichen Zeiten die „soziale“ Gestalt der Glaubensvermittlung vorherrschend gewesen war. Wir treten jetzt in eine Zeit ein, in der christlicher Glaube missionarischevangelisierend in der Generationenabfolge weitergegeben werden muss. Damit nähern wir uns – freilich in einem völlig anderen gesellschaftlichen Umfeld – in bemerkenswerter Weise wieder der Situation des Christentums in den ersten drei Jahrhunderten seines Bestehens an. Dort trafen die Menschen, die sich einer christlichen Gemeinde anschlossen, in der Regel die Entscheidung für Taufe und Nachfolge Christi eigenständig. Selbst wenn schon sehr früh auch Kleinstkinder (im Rahmen der antiken Großfamilie) getauft wurden, so war der Anschluss an die christliche Kirche für den Einzelnen eben doch nicht selbstverständlich. Angesichts der „Fremdheit“ des Christlichen in einer religionsgesättigten Welt der Spätantike – übrigens eine interessante Parallele zum heutigen „Religionsboom“ in einer nachchristlichen Gesellschaft – waren die Interessierten immer wieder neu herausgefordert, sich bewusst für den „Mehrwert“ des Christlichen zu entscheiden. Dahin wird sich wohl auch die Pastoral in Zukunft entwickeln.

Das Thema „missionarische Pastoral“ liegt in der Luft. Allenthalben – nicht nur in der katholischen Kirche, sondern auch im ökumenischen Umfeld – spürt man das drängender werdende Fragen nach der missionarischen Kraft des Evangeliums. Auch aus anderen Ortskirchen, in Europa und weltweit, kommen wichtige Anstöße zur Erneuerung einer missionarischen Pastoral. Dieses drängende Thema darf nicht nur Einzelnen oder wenigen Gruppen in den Kirchen überlassen bleiben.