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Journalisten und Journalistinnen wenden sich mit ihren Anfragen an das Provinzialat der Kapuziner:
Tel: +41 (0)41 429 67 40
provinzial.ch@kapuziner.org


Medienmitteilung vom 17. Mi 2017

Sexuelle Übergriffe: Neutrale Untersuchungskommission nimmt Arbeit auf

Wie angekündigt hat die Schweizer Kapuzinerprovinz im Falle der sexuellen Übergriffe durch J.A. (geb. 1940) eine neutrale Untersuchungskommission eingesetzt.
Strafrechtlich ist der Fall bereits abgeschlossen durch das Urteil vom 5. Januar 2012 des Strafgerichtshofes von Grenoble und durch die Feststellung der Verjährung durch die Untersuchungsrichterin des Kantons Freiburg vom 3. Dezember 2008. Die neutrale Untersuchungskommission soll jetzt die Vorfälle und die getroffenen Massnahmen jener Zeit aufarbeiten und prüfen. Die Kommission setzt sich zusammen aus Dr. Alexandre Papaux, Anwalt und ehemaliger Kantonsrichter; Prof. Dr. Francis Python, Professor em. für Zeitgeschichte; Prof. Dr. Yves Mausen, Professor für Rechtsgeschichte und Religionsrecht. Die Kommission hat vollständigen Zugang zu den Archiven sowohl der Kapuziner wie auch zum Archiv der Diözese LGF. Das Studium der Akten wird voraussichtlich einige Monate in Anspruch nehmen. Anschliessend wird das Ergebnis der Untersuchungskommission der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Im Übrigen erinnern wir daran, dass sich Opfer von sexuellen Übergriffen durch Kapuziner jederzeit an den Provinzial der Kapuziner oder an eine der kirchlichen oder neutralen Opferberatungsstellen wenden können.

Luzern/Fribourg, 17. Mai 2017


Medienmitteilung vom 25. Februar 2017

Fall J. A. – Chronologie der Ereignisse und Massnahmen

  • Der Entscheid, J. A. nach Frankreich zu versetzen wurde vom damaligen Provinzial Gervais Aeby 1989 getroffen; dies weil J.A. pädophiler Übergriffe beschuldigt wurde. Im September desselben Jahres verstarb Gervais Aeby als Opfer eines Flugzeugattentates. Nachfolger im Amt von Gervais Aeby wurde Paul Hinder. Mauro Jöhri erhielt erst viel später Kenntnis von der damaligen Entscheidung. Während der sechs Jahre, da Jöhri Provinzial war, von 1995 bis 2001, gab es weder weitere Klagen von Opfern noch kamen irgendwelche andere Nachrichten von sexuellen Übergriffen auf Minderjährige zum Vorschein. Ephrem Bucher war Provinzial von 2001 bis 2004, Thomas Egger 2005.
  • Kurze Zeit später, als Mauro Jöhri im November 2005 zum dritten Mal Provinzial der Schweizer Kapuziner wurde, verlangte der Provinzial von Frankreich, dass J.A. in die Schweiz zurückversetzt werden müsse; was dann auch geschah. Um eine möglichst grosse Sicherheit zu erlangen, dass sich diese schlimmen Vorgänge nicht wiederholen können, entzog Mauro Jöhri dem Täter J.A. die Erlaubnis, Messe zu lesen, verbot ihm sämtliche seelsorgerlichen Tätigkeiten und verbot ihm auch, das Kloster ohne Begleitung verlassen zu dürfen. Ab dann geschahen keine weiteren Übergriffe mehr durch diesen Täter.
  • Nachdem Mauro Jöhri im September 2006 zum Generalminister des Ordens gewählt wurde, waren keine weiteren Massnahmen mehr erforderlich, da J.A. im Kloster strikt überwacht wurde gemäss den Anordnungen in Punkt 2. Ab 2007 bis 2013 war wiederum Ephrem Bucher Provinzial.

Die bekanntgewordenen Übergriffe durch J.A. sind erschreckend und abscheulich. Wir vertrauen darauf, dass eine unabhängige Untersuchungskommission, welche von der Schweizer Provinz aufgeboten wird, Klarheit in diese dunkle Geschichte bringen wird.

Luzern, 25.2.2017