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ITE 2026/4 Kapuziner in Ost und West

Edito: 2028 wird für die Kapuziner, insbesondere für die Schweizer Kapuziner, ein besonderes Jahr. Einerseits begann 1528 offiziell die Geschichte des Kapuzinerordens. Papst Clemens VII. erlaubte einigen von Franz von Assisi begeisterten Brüdern eine eigene Lebensform, die heute den Namen Kapuziner trägt und bald ihr 500-jähriges Bestehen feiern kann. Andererseits haben die Schweizer Kapuzinerbrüder im vergangenen Mai in Rom den Antrag gestellt, eine Kustodie der Vier-Länder-Provinz zu werden – interessanterweise hat das neue Konstrukt noch keinen offiziell abgesegneten Namen. 2028 soll die Schweizer Kapuzinerprovinz aufgelöst und in eine Kustodie überführt werden. Das bedeutet, dass sie Teil einer Provinz wird, die die Gebiete von Österreich, Deutschland, den Niederlanden und Belgien umfasst. Mangelnder Nachwuchs verlangt neue organisatorische Lösungen. Die weltweite Ordensleitung hat dem Ansinnen bereits zugestimmt.
Geografisch gesehen wird die neue, noch namenlose, Provinz im Westen von der französischen Provinz und im Osten von zwei polnischen sowie einer slowakischen Kapuzinerprovinz begrenzt werden. Im Norden gibt es zurzeit die irische Provinz (inklusive England) und im Süden mehrere italienische Provinzen. Italien und der Katholizismus sind eine eigene Welt, die jedoch komplexer ist, als man meinen könnte. Polen wiederum hat einen eigenen, teilweise lautstarken Katholizismus, der auch immer wieder in den Medien thematisiert wird. Auf den ersten, oberflächlichen Blick könnte man sagen, dass die polnischen und italienischen Provinzen seelsorgerlich noch recht traditionell ticken – doch wer die Ausbildung der jungen Brüder genauer betrachtet, sieht, dass dort vieles in Bewegung ist. Irland wiederum verkörpert eine andere, ganz eigene Kultur – auch in kapuzinischer Hinsicht.
ITE muss sich thematisch beschränken und hat sich für einen Blick nach Frankreich und in die Slowakei entschieden. Beide Ordensprovinzen waren und sind gezwungen, neue seelsorgerliche Welten zu entdecken und zu erarbeiten. In Frankreich ist es ein armer Kapuzinerorden in einem säkularen Umfeld, in dem jedoch seit Längerem spirituell neue Aufbrüche und Orden entstanden sind. In der Slowakei lebten viele Kapuziner bis 1989 im Untergrund hinter dem Eisernen Vorhang; selbst deren Eltern erfuhren teilweise erst nach der Öffnung 1990 davon, dass ihre Söhne Kapuziner waren.
Liebe Leserinnen, liebe Leser, solche Hintergründe versprechen interessante Kapuziner-Geschichten, spannende Erkenntnisse und Ihnen ein frohes Lesen.

Pace e bene
Adrian Müller

Kapuziner, Chefredaktor
www.adrianm.ch