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Was von Franziskus`s Ideen bleiben

Der Kapuziner Adrian Holderegger in den Freiburger Nachrichten: Freiburg und das Erbe des Franziskus; Franz von Assisi war Mystiker und Rebell gegen Gier und Macht. Dieses Wochenende wird mit Anlässen seines 800. Todestages gedacht. Der Freiburger Ethiker und Kapuziner Adrian Holderegger erklärt, was von Franziskus' Ideen bleibt und wie sie Freiburg prägten.

Fabian Strässle

Dicke Mauern, schlichte Möbel, Bücher bis unter die Decke: Holderegger empfängt in seinem Büro im Kapuzinerkloster an der Freiburger Murtengasse. Der stille Raum wirkt wie ein Rückzugsort aus einer anderen Zeit. Anlass des Gesprächs ist der 800. Todestag von Franz von Assisi am 3. Oktober, dem Begründer der franziskanischen Bewegung. Doch das Mittelalter bleibt nicht lange unter sich. Schon nach  enigen Sätzen geht es um soziale Ungleichheit, Klimaproteste und Massentierhaltung.
Holderegger ist selbst Kapuziner. Sein Orden entstand als Reformzweig der Franziskaner und beruft sich auf deren Gründer. Franziskus ist für ihn keine entrückte Heiligenfigur, sondern ein unbequemer Kritiker von Besitz, Ausgrenzung und Macht. Was braucht ein gutes Leben? Franziskus wurde um 1181 als Sohn einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie in Assisi geboren. Seine Biografie ist teilweise von
späteren Legenden überlagert, und nicht jede Einzelheit lässt sich historisch eindeutig belegen. Fest steht, dass er zunächst nach
Status, Reichtum und einer Laufbahn als Ritter strebte.
Nachdem er in den Krieg gezogen, gefangen genommen und schwer erkrankt war, geriet dieses Lebensmodell ins Wanken. Nach Holdereggers Einschätzung war sein Wandel kein plötzlicher Erleuchtungsmoment, sondern das «Ergebnis einer längeren inneren Suche». Schliesslich verzichtete Franziskus öffentlich auf sein Erbe und lebte fortan ohne eigenen Besitz. Dieser Bruch hatte auch eine
gesellschaftliche Dimension. In den mittelalterlichen Städten gewann ein wohlhabendes Bürgertum an Einfluss. Kaufleute und Handwerker stiegen auf, während andere in Armut und Abhängigkeit gerieten. Franziskus kannte diese Welt aus dem Geschäft seines Vaters und wandte sich später besonders den Ausgestossenen, Armen und Kranken zu.

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