Die Liebe als entscheidendes Mass
Bruder Alexander Schröter wurde 1984 in Hamburg geboren. Seit 2019 ist er Kapuziner, zurzeit lebt er in Salzburg. Im Oktober 2025 legte er seine ewigen Gelübde als Kapuziner ab.
Sie haben vor einigen Jahren mal gesagt: „Gott möchte, dass wir glücklich sind.“ Sind Sie das: glücklich?
Br. Alexander Schröter: Ja, ich bin glücklich. Ich fühle einen Zustand der Zufriedenheit. Ich bin erfüllt von dem, was ich tue, habe meinen Platz gefunden – auch als Kapuziner.
Sind Sie frei?
Ja, Freiheit gehört dazu. Ich glaube, dass wer glücklich sein will, auch frei sein muss. Damit ist natürlich eine innere Freiheit gemeint – nicht ein Dienstplan oder sonstige Dinge im Zusammenleben mit anderen Menschen, die einen immer beschränken. Meine Erfahrung ist: Da, wo ich mit Gott in Kontakt komme und wachse, da entsteht eine innere Freiheit, die mich trägt.
Sie haben im Oktober 2025 die ewigen Gelübde als Kapuziner abgelegt, darunter auch Gehorsam geschworen. Ist das kein Widerspruch zur Freiheit?
Nein, das sehe ich nicht so. Natürlich fordern mich meine Gelübde auch heraus, das ist ganz normal. Aber ich erlebe es gerade andersrum, und das gilt auch für das Thema Gehorsam: In meinem Leben als Kapuziner kann ich Dinge loslassen, die mich innerlich unfrei gemacht haben. Viele der Dinge in meinem früheren Leben haben verhindert, dass ich innerlich wachse. Ich fühle mich heute viel, viel freier und lebendiger als vor zehn Jahren.
Wie würden Sie Ihre Gottesbeziehung beschreiben?
Christus ist die Liebe meines Lebens. Die Beziehung zu ihm ist ein Weg und ein Abenteuer. Denn ich weiß nicht, was in der Zukunft passiert. Die größten Abenteuer meines Lebens erlebe ich nicht, wenn ich auf Weltreise gehe, sondern in die Stille, in die Beziehung mit Gott. Wenn ich mich von ihm führen lasse. In diesem Dialog gibt es keine Regeln. Außer, dass es ohne die Stille und das Gebet nicht geht. Ich kann für mich sagen: Wenn ich mein Herz öffne, macht Gott den Rest.
Liebe ist ein großes Wort.
Ja, aber das Wort trifft es genau. Meinen Weg mit Christus, den kann ich nur aus Liebe gehen. Es geht nur, weil ich mich in seiner Liebe geborgen weiß. Liebe ist am Ende des Tages das einzig wirklich entscheidende Maß. In der Beziehung zu Gott, aber auch mit allen anderen Menschen und in dem was ich tue.
Wie haben Sie Ihre Berufung gefunden?
Das war vor ungefähr sieben Jahren in einer Zeit, in der Gott plötzlich weg war und ich ihn nicht mehr wahrgenommen habe. Da habe ich gemerkt: Ich kann und will kein Leben ohne ihn führen. Mir ist klar geworden, was mir die Berührung mit Gott bedeutet. Es ging nicht mehr ohne. Da habe ich entschieden: Gott soll ab sofort an erster Stelle stehen.
Die Entscheidung für ein Ordensleben, wie kam es dazu?
Ich habe mich gefragt, was heißt diese Lebensentscheidung für Gott für mich konkret? Recht schnell war klar: Für mich könnte das ein Ordensleben sein. Nach dem ersten Schock, denn ich bin eigentlich ein Sicherheitstyp, bin ich aufgebrochen. Ich habe Exerzitien gemacht und mir Gemeinschaften angeschaut. Dass es die Kapuziner geworden sind, war für mich überraschend, denn ich hatte etwas anderes im Kopf. Heute kann ich sagen: Diese Entscheidung war die beste meines Lebens, denn ich habe durch sie eine neue Freiheit gewonnen. Seitdem gehe ich Schritt für Schritt meinen Weg im Orden.
Wann war klar: Das wird eine Entscheidung fürs Leben?
Diese Entscheidung ist in meinem Noviziat in Italien gereift.
Mit dem Ablegen der ewigen Profess ist der Weg nicht zu Ende. Ihre Entscheidung wird immer wieder mal herausgefordert werden.
Mit Sicherheit. Aber auch diese Phasen sind gut, denn es braucht die Herausforderungen. Gott führt uns immer an unsere eigenen Grenzen, damit wir wachsen und uns auch verändern.
Was erwarten Sie von Ihrer Gemeinschaft, von den Brüdern Kapuzinern?
Ich wünsche mir, dass wir eine Gemeinschaft sind: im Gebet und im Alltag. Gemeinschaft bedeutet Zugewandtheit, einander wirklich Brüder sein. Denn die Begegnung mit Menschen und mit den Mitbrüdern ist Gottesbeziehung. Das wünsche ich mir und das ist auch der Anspruch an mich und meinen Umgang mit den Brüdern.
Es gibt einige junge Kapuziner, aber insgesamt schrumpft die Gemeinschaft. Ist das ein Thema für Sie?
Es ist die Realität, deswegen beschäftigt mich das natürlich. Ich würde mir wünschen, dass mehr junge Männer den Weg als Kapuziner einschlagen, das ist klar. Ich sehe ja, wie gut diese Entscheidung für mich war und ist. Gleichzeitig hat dieses Thema keinen Einfluss auf die Frage nach meiner Berufung. Diese Berufung kommt von Gott und ich weiß, dass er mich nur dorthin führt, wo ich wirklich glücklich sein kann. Und das ist das Leben als Kapuziner.
Was treibt Sie an?
Ich liebe Christus und sehne mich nach ihm.
Vielen Dank für das Gespräch!
Das Interview führte Tobias Rauser auf www.kapuziner.org.
BR. ALEXANDER SCHRÖTER
wurde 1984 in Hamburg geboren. Seit 2019 ist er Kapuziner, zurzeit lebt er in Salzburg. Im Oktober 2025 legte Br. Alexander seine ewigen Gelübde als Kapuziner ab.
BR. ALEXANDER SCHRÖTER
wurde 1984 in Hamburg geboren. Seit 2019 ist er Kapuziner, zurzeit lebt er in Salzburg. Im Oktober 2025 legte Br. Alexander seine ewigen Gelübde als Kapuziner ab.