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(Fortsetzung des Textes „Die Zeichen der Zeit“ von Franz Dähler)

Die Verkündigung, das Feiern der Sakramente ist nur dann echt, wenn sie dem wirklichen Leben entsprechen.

Eine Mutter schrieb ihrer Tochter ins Tagebuch: «Die Menschen beurteile lieber nach ihren Handlungen als nach ihren Worten. Denn viele handeln schlecht und sprechen doch vortrefflich.»

In diesem Sinn muss sich jede Mission am Handeln messen lassen. Die Botschaft von Jesus zu verkünden heisst, sie auch zu tun, also den Entrechteten, Nackten, Kranken, Obdachlosen und Hungrigen beizustehen. Das kann nur bedeuten, dass wir ihnen nicht nur punktuell, «von oben herab» Hilfe leisten, sondern uns mit ihnen solidarisieren, gemeinsam mit ihnen die Lebensgrundlagen verbessern.

Hierin liegt der tiefste Grund, warum Mission schon früher immer mit Schulen, Spitälern, sozialen Diensten verbunden war. Man muss aber zugeben, dass diese Dienste nicht frei waren vom Bestreben, möglichst viele zu taufen. Das war insofern verständlich, als die meisten Missionare glaubten, die Taufe sei unerlässlich für das ewige Leben, und «ausser der Kirche sei kein Heil». Heute sind wir uns bewusst, dass Gott auch in anderen Religionen wirkt und dass ungezählte Menschen aus allen Völkern und Religionen «christusähnlich» handeln, die Liebe tun. Mahatma Gandhi ist mit seinem Grundsatz der Gewaltlosigkeit, seiner Liebe zur Schöpfung, ein zwar abgegriffenes, aber immer wieder faszinierendes Beispiel dafür.

Die christliche Botschaft ist zutiefst im Jesuswort ausgesprochen: «Was Ihr dem Geringsten getan habt, habt Ihr mir getan.» Das heisst auch, sozialpolitisch so tätig zu werden, dass Elend verbreitendes Unrecht wie die Verschuldung der Dritten Welt, die Herrschaft einer reichen Elite über eine Masse rechtloser Bauern und Arbeiter, überwunden wird. Auch das gehört unverzichtbar zur Mission der Kirche.

Vida si, muerte no!

Ich möchte das Gesagte mit dem Leben des verstorbenen Missionars Kurt Kretz veranschaulichen. Dass Mission Völker miteinander verbindet, dass sie auf das ganze Leben des Menschen eingeht, seine Not und seinen Überlebenskampf, und dass sie damit auch gefährlich werden kann, ist in seinem Leben wahr geworden. Nicht, dass er nur gegeben hätte, er sagt von sich, dass er viel mehr empfangen habe, die Freundschaft der Campesinos, ihren tiefen Glauben, ihre Fähigkeit zur Freude.

All das findet sich in seiner Predigt vom März 1988 in Widnau: «Ergreifend, wenn sich in Arapa über tausend Menschen zusammenfinden, um ihren Padre gegen ungerechte Vorwürfe von Seiten der Polizei zu verteidigen, sich nicht einschüchtern lassen und immer wieder in Sprechchören rufen: Vida si, muerte no! Leben ja, Tod nein. Hoffnungsvoll, wie nach dem Dürrejahr sich Campesinos zusammenschlossen, über hundert Gemeinschaftsläden gründeten und somit versuchten, der Ausbeutung durch Gross- und Zwischenhändler einen Riegel zu schieben. Es ist schön, dass auf Drängen der Kirche und engagierter Bauernführer hin die Regierung Land an mittellose Bauern verteilen liess, damit sie es in Gemeinschaftsarbeit bestellen. Ganz offensichtlich ist hier Gottes Geist am Werk.»

Franz Dähler