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Schweizer Kapuziner-Provinz

Province Suisse

Kapuziner-Blog

Mitglieder der franziskanischen Familie veröffentlichen hier alle zwei Wochen einen Blogbeitrag. Sie kommentieren aus persönlicher Sicht aktuelle Ereignisse.

Empfangt den Heiligen Geist
Die biblischen Bilder erklären, was geschieht, wenn der Auferstandene die, die er senden wird, anhaucht und spricht: „Empfangt den Hl. Geist!“ (Raphael Grolimund, 30. Mai 2020)
Glauben in Christus – Leben in Gott
Der Auferstehungsglaube umfasst unsere ganze Lebensbestimmung im Hier und Jetzt und im Dasein nach dem Tod. (Raphael Grolimund, 23. Mai 2020)
Seid gewiss: Ich bin bei euch
Jene, die seinen Namen tragen, sollen sein Werk fortführen. Aber ist das nicht eine zu grosse Aufgabe für sie? (Raphael Grolimund, 20. Mai 2020)
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Der Glarner Werner Gallati war Missionar auf den Seychellen

Der Stadtanzeiger von Olten hat Br. Werner in seiner Zelle im Kloster in Olten besucht. Bruder Werner Gallati wurde im Jahr 1945 in Näfels (GL) geboren. Das 4000-Einwohnerdorf ist katholisch und war dazumal die Heimat von vielen Kapuzinern. Bruder Werner erinnert sich, wie wichtig es früher für die Menschen war, welcher Konfessionsgemeinschaft man angehöre. «Auch bei Schulausflügen haben wir nie die Linth überquert, denn das gegenüberliegende Dorf Mollis war protestantisch», erzählt er lächelnd.

Die Sekundarschule absolvierte Bruder Werner in der Klosterschule der Kapuziner in Näfels. Die Schulfächer waren identisch mit jener der öffentlichen Schule, aber die Privatschule hatte einen sehr guten Ruf. Die Schüler kamen von Glarus und vom Gasterland, um die renommierte Klosterschule zu besuchen. Um 1984 musste das Kloster aufgrund mangelndem Nachwuchs geschlossen werden, fügt Bruder Werner an. Die Kapuziner schenkten es den Franziskanern. «Wir waren glücklich, dass wir es in diesem Sinne weitergeben konnten», sagt er.

Nach der Sekundarstufe erlernte Bruder Werner den Beruf des Treuhänders und arbeitete einige Jahre in einem Treuhandbüro. Er habe sich damals als Pfadfinder sehr engagiert. Mit seiner damaligen Freundin wollte er einst nach Afrika reisen, um dort den Menschen zu helfen. Doch mit 24 Jahren entschied er sich, ein Kapuziner zu werden. «Ich wusste, dass ich mich ohne Frau und Kinder ganz meiner Aufgabe zuschreiben kann. Meine Verfügbarkeit ist so grösser», sagt Bruder Werner. Sein acht Jahre älterer Bruder war damals bereits Mitglied des Kapuzinerordens und Missionar auf den Seychellen Inseln. Ob er diesen Entscheid jemals bereut habe? «Ich hatte meine Lebenskrisen wie jeder andere Mensch, aber bereut habe ich meine Entscheidung nie.» Mit 67 Jahren fange er nichts Neues an, fügt er lachend hinzu.

Mission: Seychellen

Bruder Werner war drei Jahre mit seinem leiblichen Bruder auf den Seychellen, auf der Hauptinsel Mahé, stationiert. Werner Gallati arbeitete als Sekretär des Bischofs und sein Bruder leitete die Diözesan Druckerei in Victoria, der Hauptstadt der Seychellen. «Die Seychellen gefallen mir sehr. Die Landschaft ist traumhaft schön und man konnte in kurzer Zeit sehr viele Bewohner kennenlernen», erinnert sich Bruder Werner. Rund 90 Prozent der Einwohner sind katholisch. Da auf den Seychellen hauptsächlich kreolisch gesprochen wird, stammten die meisten Kapuziner aus der Westschweiz. «Kreolisch ist eine Art französischer Dialekt», erklärt Bruder Werner. Die Amtssprachen sind Kreolisch, Französisch und Englisch.

Geschäftsführer der Missionsprokura

Nach drei Jahren Aufenthalt auf den Seychellen beantragte Bruder Werner beim Provinzobern einen Heimaturlaub. Sein Antrag wurde bewilligt. Heimatbasis der Schweizer Kapuziner in Übersee ist seit 365 Jahren das Koster in Olten. So reiste Bruder Werner erstmals in das Eisenbahnerstädtchen. Die Ordensoberen der Schweizer Kapuziner wollten ihn behalten. Bruder Werner übernahm die Leitung des Kompetenzzentrums Missionsprokura am Amthausquai in Olten. «Ich hatte lange Zeit Heimweh nach den Seychellen», so Bruder Werner. Doch die Kapuziner legen ein Gehorsam-, Armuts- und Keuschheits-Gelübte ab.

Dies liegt nun 37 Jahre zurück. Seit gut zwei Jahren ist Bruder Werner Guardian (Hausoberer) und Mitarbeiter in der Missionszentrale. Wer denkt im Kloster schlügen die Uhren langsamer, der täuscht sich. Der auch am Morgen meist gut gelaunte Bruder steht täglich um 5 Uhr auf. Startet seinen Mac und liest die News. Um 6 Uhr findet das gemeinsame Morgengebet mit anschliessendem Gottesdienst in der Klosterkirche statt. Danach ist Meditationszeit, auch bekannt als Stille Zeit oder Betrachtung. Um 7.15 Uhr geniesst Bruder Werner das Frühstück. «Bei uns darf während des Essens geredet werden», sagt Bruder Werner. Dies schätze er persönlich sehr. Anschliessend ist Zeit für die geistliche Schriftlesung. Um 11.45 treffen sich die 11 Kapuziner zum Mittagessen und Mittagsgebet. Danach machen die älteren Generationen eine kleine Siesta. Dies gönnt sich der 67-jährige Guardian jedoch selten. «Meistens haben wir Gäste bei uns. Als Heimatbasis sind stets auswärtige Kapuziner zu Besuch», so Bruder Werner. Um 17.45 wird das dritte Mal gemeinsam gebetet und um 19.30 läuft die «Heilige Tagesschau» auf SRF.

Bruder Werner schätzt die Weltoffenheit der Kapuziner sehr. Der Kontakt und die Zusammenarbeit mit der Aussenwelt ist bei ihnen selbstverständlich. Neben dem bereits traditionellen Adventsmarkt im Klostergarten, findet jeden ersten Mittwoch die Hora Musica «Besinnung zwischen Arbeit und Feierabend» statt. Die Texte zur Meditation liest und sucht Bruder Werner bereits seit 22 Jahren aus.

Alle Hände voll zu tun

Für Bruder Werner sind die Gemeinschaftsgebete wichtig und tragend. Sein Beruf ist fordernd und zeitintensiv. Er ist für die Administration und Koordination rund ums Kloster verantwortlich. Auch für Auslandaufenthalte, Arbeitsberechtigungen der tamilischen Angestellten und vieles mehr. Als Guardian ist er für das Wohl aller verantwortlich. «Ich fühle mich wie ein Flight Attendant», schmunzelt Bruder Werner. Sein grösster Wunsch ist, die alten Missionszeitschriften abzustauben und die darin enthaltenen Tagebücher zu lesen. Doch er käme wahrscheinlich erst in fünf Jahren dazu, denn Bruder Werner hat alle Hände voll zu tun.

Jennifer Pfister