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Gottes Geist und unsere Welt

Mission heisst Zeugnis ablegen von der befreienden Kraft des Heiligen Geistes. Diese These, die vor rund 30 Jahren der Steyler Missionar Richard Meier aufstellte, ist nach wie vor sehr aktuell.

Neue Formen des Zusammenlebens setzen einen neuen Geist voraus. Denn jede wirtschaftliche und politische Ordnung, jedes menschliche Streben ist geprägt von einer bestimmten Geistigkeit, von geistigen Orientierungspunkten und Sinnstrukturen. Welcher Geist führt zur wahren Selbsterfüllung des Menschen, zu wirklicher Gerechtigkeit, zu dauerhaftem Frieden? Welcher Geist kann uns vor der Selbstzerstörung bewahren? Das ist die entscheidende Frage. Und der eigentliche Notstand unserer heutigen Welt ist ihr geistiger Notstand.

Die Kirche ist um der Welt willen da. Sie ist Instrument des Heilshandelns Gottes an der Welt. Das hat sie immer geglaubt und gesagt. Heute müssen wir uns insbesondere daran erinnern, dass unsere Sendung in die Welt unabdingbar mit der Zusicherung eines neuen, des Heiligen Geistes verbunden ist. Auch für uns gilt, was Jesus seinen Jüngern sagte: «Friede sei mit Euch. Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich Euch. Und nachdem er dies gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfanget den Heiligen Geist» (Joh. 20.21 f).

Der Geistempfang ist Gabe und Auftrag zugleich. Unsere Mission besteht darin, an den Bemühungen unserer Zeit um menschliche Entwicklung und Befreiung, materiellen Wohlstand, Gerechtigkeit und Frieden so teilzunehmen, dass durch die befreiende Macht des Heiligen Geistes die menschliche Geistigkeit von selbstzerstörerischen Sinnstrukturen erlöst wird.

Oder wie es im päpstlichen Rundschreiben «Evangelii nuntiandi» heisst: «dass durch die Kraft des Evangeliums die Urteilskriterien, die Denkgewohnheiten, die Quellen der Inspiration und die Lebensmodelle der Menschheit, die zum Wort Gottes und zum Heilsplan im Gegensatz stehen, umgewandelt werden» (Nr. 19).

Die Menschheit wird Kraft des Evangeliums jedoch nur erkennen können, wenn sie irgendwo als Alternative sichtbar wird. Gelebtes Leben muss für die Macht des Geistes Gottes sprechen, damit man von ihm sprechen, sich auf ihn verlassen kann. Wie ein Bürge sich mit seinem ganzen Besitz für die Vertrauenswürdigkeit eines anderen verbürgt, um ihm so Kredit zu ermöglichen, so müssen wir Christen uns nicht nur mit unserer Verkündigung, sondern mit unserer ganzen Lebenspraxis, mit der Art wie wir denken, handeln, zusammenleben, für die befreiende Macht des Heiligen Geistes verbürgen. Das ist unsere Mission. Und sie setzt voraus, dass wir uns vor allererst selber auf seine verwandelnde Kraft einlassen.

Richard Meier, SVD