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Der dt. Franziskaner Andreas Müller zeigt, welche Impulse Franz von Assisi für ein zeitgemässes Missionsverständnis gibt.

  1. Franziskanische Mission ist erstens eine Frage des Standorts. Von wo und mit welcher Sichtweise nehmen wir die Welt in den Blick. Für Franziskus war es die Sichtweise der Ausgegrenzten, der Aussätzigen. Betroffenheit und Kontemplation brachten die beiden Ebenen zusammen: die Aussätzigen, sie sind der gekreuzigte Jesus Christus, der uns hier und heute begegnet. Option und Parteinahme für die Armen gehören seither zum unverzichtbaren Kern franziskanischer Mission. Die ans Kreuz Geschlagenen unserer Tage werden deshalb zum Prüfstein unserer Identität. Und auch für uns gilt, dass wir die Verbindung „Kreuz Christi und gekreuzigtes Volk heute“ nur erkennen in Betroffenheit und Kontemplation.
  1. Im Blick auf die Opfer der Geschichte entsteht die zweite Dimension franziskanischer Mission: die innere Auflehnung und Revolte gegen das frühzeitige und unnötige Sterben so vieler Menschen, die Opfer von ungerechten Strukturen und der Gewinnsucht der Menschen sind. Die Armen dürfen niemals das Gefühl haben, dass wir nicht auf ihrer Seite stehen.
  1. Diese Welt des Unrechts und der Sünde wird sodann konfrontiert mit einer Vision, die das dritte Element franziskanischer Mission ausmacht: die Hoffnung auf einen neuen Himmel und eine neue Erde, in der die Armen zuerst kommen und Solidarität und Teilen bestimmend sind.
  1. Diese Vision ist aber nur mit Leben zu erfüllen durch einen Bruch mit dem System, das die Welt und die Menschen beherrscht und in die Blöcke Arme und Reiche teilt. Es gilt, die feinen Ritze, die auch in dem scheinbar undurchdringlichen Beton dieses Systems da sind, zu entdecken und darin die Samen der Veränderung auszusäen. Das heisst, wir müssen und mit prophetischem Mut zu Wort melden und für die Belange der Armen einsetzen. Und wir dürfen uns dann nicht wundern, wenn wir dafür auch den Preis bezahlen müssen. Wer sich für die Armen entscheidet, wird auch wie die Armen behandelt werden.
  1. Wenn wir uns darauf einlassen, werden wir feststellen, dass dazu ein fünftes Element franziskanischer Mission vonnöten ist: nämlich Kompetenz in der Artikulation der Alternativen und die Organisation von Netzwerken, damit es Zukunft für die Armen und die Anderen geben kann. Dazu braucht es eine Bündelung und Koordinierung der Kräfte.