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Schweizer Kapuziner-Provinz

Kapuziner-Blog

Mitglieder der franziskanischen Familie veröffentlichen hier alle zwei Wochen einen Blogbeitrag. Sie kommentieren aus persönlicher Sicht aktuelle Ereignisse.

Empfangt den Heiligen Geist
Die biblischen Bilder erklären, was geschieht, wenn der Auferstandene die, die er senden wird, anhaucht und spricht: „Empfangt den Hl. Geist!“ (Raphael Grolimund, 30. Mai 2020)
Glauben in Christus – Leben in Gott
Der Auferstehungsglaube umfasst unsere ganze Lebensbestimmung im Hier und Jetzt und im Dasein nach dem Tod. (Raphael Grolimund, 23. Mai 2020)
Seid gewiss: Ich bin bei euch
Jene, die seinen Namen tragen, sollen sein Werk fortführen. Aber ist das nicht eine zu grosse Aufgabe für sie? (Raphael Grolimund, 20. Mai 2020)
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Raphael Grolimund, 23.05.2020
Blumen sind nicht für die Ewigkeit © GFX, 2020
Blumen sind nicht für die Ewigkeit © GFX, 2020

Grundlage der ersten christlichen Gemeinden war ein gemeinsames Credo, eine klar gesetzte Glaubenserklärung. Diese konnte von Gemeinde zu Gemeinde verschieden formuliert sein. Sie musste nicht umfassend sein, sondern kurz und verständlich. Im Kreis des Evangelisten Johannes konnte sie gut so lauten, wie es das heutige Evangelium sagt: „Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.“

Den Ausdruck  „ewiges Leben“ bringen wir meist sofort mit dem Jenseits in Verbindung, mit dem Leben nach dem Tod. Gewiss begründet die Auferstehung Christi unsere Auferstehung von den Toten. Paulus schreibt darüber ein ganzes Kapitel im ersten Korintherbrief. Aber der gleiche Paulus schreibt auch, dass wir schon auf Erden als auferstandene Menschen leben sollen. „Wie Christus von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben.“ (Röm 6,4) Der Auferstehungsglaube umfasst unsere ganze Lebensbestimmung im Hier und Jetzt und im Dasein nach dem Tod. Als „Auferstandene“ leben heisst: Erfüllt sein vom Glauben an den Gott des Lebens; hoffnungsfroh und bereit Christus nachfolgen, und den Nächsten in Liebe zugewandt die Zeit gestalten.

Das Wort „ewig“ wird verschieden verwendet; je nachdem verschiebt sich der Sinn. Dem Wort „zeitlich“ gegenübergestellt bedeutet „ewig“ nie endend. Ewiges Leben nur in diesem Sinn wäre eine skurrile Angelegenheit. Im religiösen Sinn wird „ewig“ gerne mit dem Jenseits verbunden. Was immer man sich darunter vorstellt, das ist zu wenig. Der biblische und theologische Sinn ist viel umfassender und zugleich präziser. „Ewiges Leben“ bedeutet Leben in Gottesgemeinschaft; leben in seiner Gegenwart sowohl auf Erden wie nach dem Tod. Die Gottesgemeinschaft ist der entscheidende Inhalt. Durch den Glauben ist Christus – und mit ihm Gott – schon jetzt „unser Leben“, hier in der Gegenwart noch verborgen, aber durch uns bezeugt (wie gut? ist eine andere Frage), doch eindeutig offenbar bei unserem endgültigen (ewigen) Ankommen in IHM.

Pfingsten ist nahe. Wir bitten um den Hl. Geist. Der Geist der Wahrheit lasse uns den einzigen wahren Gott erkennen und Jesus Christus. Das ist das wahre Leben.

(7. Ostersonntag. Evangelium: Johannes 17,1-11a)

Raphael Grolimund

Raphael Grolimund, Kapuziner, Kloster Wesemlin, Luzern. Tätig als katholischer Priester in der Seelsorge und in der geistlichen Begleitung von Schwesterngemeinschaften und Exerzitiengruppen.