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Was sich schliesslich als der grösste Segen für die afrikanische Kirche entpuppte, war die immer kleiner werdende Zahl ausländischer Missionare.

Einige der afrikanischen Bischöfe, deren Zahl allmählich zunahm, entwickelten die Idee der «kleinen christlichen Gemeinschaften», deren Leitung in den Händen von einheimischen Laien liegen sollten. Kurze Seminare haben sie auf diese Arbeit vorbereitet und man hat sie nicht, wie bei der Ausbildung der afrikanischen Priester, einer achtjährigen «Gehirnwäsche» durch eine europäisch geprägte Theologie in den Priesterseminaren unterworfen. In diesen «kleinen christlichen Gemeinschaften» wurde das Erlernen des Katechismus allmählich durch das «Bibelteilen» ersetzt, so dass die Christen ihr eigenes Leben, einschliesslich ihrer Sitten und Gebräuche, im Spiegel des Evangeliums bewerten konnten.

Ich hatte schon Anfang der 70er Jahre die Bedeutung dieser «kleinen christlichen Gemeinschaften» erkannt und in meiner Pfarrei eingeführt. Das war noch bevor die ostafrikanischen Bischöfe sie 1978 als «pastorale Priorität» für die ganze Region proklamierten. In den häufigen und oft langen Gesprächen mit den Christen in einer ihnen vertrauten Umgebung – und nicht in der Kirche oder im Schulraum – begann dann die «Bekehrung». Mehr und mehr entdeckte ich die Spuren der Liebe und Freundlichkeit Gottes in der Kultur der Leute, überwand langsam die Vorurteile , dass das Afrikanische heidnisch und «minderwertig» ist. Ich entdeckte den ideellen, aber oft auch medizinischen Wert der Amulette, entdeckte aber auch, dass wir unsere Christen zur Zwiespältigkeit gezwungen hatten. Es war ihnen unmöglich, ihre Sitten und Gebräuche abzulegen, weil sie den Lebensstrom, den sie von den Ahnen erhalten hatten, an ihre Kinder weitergeben mussten. Aber weil sie dies insgeheim tun mussten, um nicht von den Sakramenten ausgeschlossen zu werden, hatten sie auch nicht die Gelegenheit, diese Gebräuche vom Evangelium her durchleuchten und reinigen zu lassen.

Es dauerte einige Zeit, bevor die Christen es wagten, über ihre Sitten und Gebräuche zu sprechen. Aber als sie begannen, ihre Scheu zu überwinden, spürten sie die befreiende Wirkung des «Bibelteilens». Aber auch dann noch tat sich die offizielle Kirche schwer, diese Auseinandersetzung mit der einheimischen Kultur voranzutreiben.

Andreas Edele, Weisser Vater, Missionar in Malawi