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Luzern, 13.2.18 (kath.ch) Der Schweizer Erforscher des Kapuzinerordens, Oktavian Schmucki, starb am 12. Februar im Alter von 90 Jahren nach kurzer Krankheit in Luzern. Er war 1947 dem Kapuzinerorden beigetreten und verbrachte seine letzten Jahre im Kloster Wesemlin in Luzern.

Arnold B. Stampfli

In der Schweiz war Schmucki ausser in seiner Heimat – er stammte aus Rieden im St. Galler Linthgebiet – und in Luzerns Umgebung nur wenigen bekannt. Sein Lebenswerk schuf er zur Hauptsache im Historischen Institut des Kapuzinerordens in Rom, wo er von 1956 bis 1997 gegen 350 grössere wissenschaftliche Arbeiten in vier verschiedenen Sprachen, auch in Latein, erarbeitete. In manchen seiner Publikationen steht als Verfasser schlicht und einfach «Octavian von Rieden».

Sein Hauptgebiet war die Franziskusforschung; schon seine Dissertation «Das Leiden Christi im Leben des heiligen Franziskus von Assisi» hatte die Christusfrömmigkeit des heiligen Franziskus zum Thema.

Regelmässig in der Schweiz

Oktavian Schmucki wurde am 8. Januar 1927 geboren und auf den Namen Viktor getauft. Nach der 1947 in Appenzell glänzend bestandenen Matura trat er wenige Wochen später in den Kapuzinerorden ein, wo ihm der Name Oktavian gegeben wurde. Nach der Priesterweihe im Jahre 1952 folgte schon bald auf dringenden Wunsch des Ordensgenerals die Versetzung nach Rom. Mit seinen Angehörigen und dem Heimatdorf Rieden blieb Oktavian insofern verbunden, als er in all den Jahren seine Ferien ausnahmslos in Rieden verbrachte.

Oktavian blieb jedoch nicht ein Gelehrter zwischen Buchdeckeln. Während den vierzig Jahren in Rom und den letzten zwei Jahrzehnten, die er wiederum im Kloster Wesemlin in Luzern verbrachte, stand er, solange es seine Gesundheit erlaubte, Sonntag für Sonntag in der Seelsorge. Diese Tätigkeit war ihm mindestens gleich wichtig wie die ihm übertragene wissenschaftliche Arbeit.

Ein wertvoller Mosaikstein

Die wichtigsten Veröffentlichungen Oktavian Schmuckis, die sich vor allem mit der Spiritualität des Ordensgründers Franziskus und der Geschichte des Kapuzinerordens befassten, sind mit etwas Verspätung anlässlich des 81. Geburtstages des Ordenmannes in einer Festschrift zusammengefasst worden. Vorgelegt wurde ein stattlicher Band von über 525 Druckseiten. Auch ausserhalb des Kapuzinerordens hiess es damals, Oktavian Schmucki sei der bedeutendste Franziskusforscher geworden; mit seiner Arbeit habe er die Grundlage für jede weitere Forschungsarbeit in diesem Bereich geschaffen.

Die Festschrift selber erarbeiteten der Kapuziner Leonhard Lehmann, Rom, und, sehr beachtenswert, der evangelische Theologe Ulrich Köpf  in Tübingen. Die Schrift wurde vor allem als einen wertvollen Mosaikstein sowohl für die Spiritualität von Franziskus wie für den 1525 gegründeten Kapuzinerorden gewürdigt. Dieser war kurz nach der Reformation durch Abspaltung von den Franziskanern gleichsam als Reformorden entstanden.

Die letzte ganz grosse Arbeit des Verstorbenen war die im Jahre 2004 erschienene Biografie über Fidelis von Sigmaringen. In seiner Zeit in Luzern hat Schmucki noch weitere bedeutende Arbeiten veröffentlicht.

Die Trauerfeier für Pater Oktavian Schmucki findet am Dienstag, 20. Februar um 14 30 Uhr im Kloster Wesemlin in Luzern statt.