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Schweizer Kapuziner-Provinz

Kapuziner-Blog

Mitglieder der franziskanischen Familie veröffentlichen hier alle zwei Wochen einen Blogbeitrag. Sie kommentieren aus persönlicher Sicht aktuelle Ereignisse.

Stille
Es gibt auch Momente, in denen Stille bedrückend und unangenehm ist. (Sabine Lustenberger, 6. August 2019)
«Pilatus» wäscht seine Hände in Unschuld
Die Firmenleitung wäscht ihre Hände in Unschuld. Kommt doch irgendwie bekannt vor … (Walter Ludin, 8. Juli 2019)
Die schönsten Namen Gottes?
Franz von Assisi staunt über die Weisheit des Islam, den er 1219 im Nildelta kennenlernt. Und er schreibt danach sein eigenes Gedicht mit den schönsten Namen Gottes! Es überrascht mit weiblichen Namen! (Niklaus Kuster, 4. Juli 2019)
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Sabine Lustenberger, 06.08.2019
Ort der Stille | © GFX 2019
Ort der Stille | © GFX 2019

Kürzlich fragte ich mich, kurz nach dem Aufwachen: „Ist es still im Universum? Was klingt im Kosmos, in dem stets neue Sterne entstehen, ungeheure Explosionen stattfinden, Materie aufeinander prallt? Ist das hörbar? Oder ist es da still?“

Ich lese mit Interesse über astronomische Themen. Die unvorstellbaren Weiten des Universums faszinieren mich. Ich bin beglückt, wenn ich lese, wie neue Sterne und ganze Galaxien entstehen und wieder vergehen, seit Milliarden von Jahren. Und dass ich auf dem Planeten Erde leben darf, ein Staubkorn im Weltall, das lässt mich einfach staunen.

Doch ob es „da oben“ still ist, hatte ich mich bis zu diesem Moment nicht gefragt. Google half mir weiter: Im Universum ist für unsere menschlichen Ohren nichts zu hören.

 

Gärtnerinnen im Garten | © GFX 2019

Ich sann dieser Antwort auf meine Frage am offenen Fenster nach, an dem sonnigen Frühlingsmorgen. Ich lauschte dem Vogelgezwitscher zu, den Kuhglocken, dem vorbeifliegenden Helikopter, den Stimmen der Gärtnerinnen im Garten. Und ich hörte auf die Stille zwischen den Klängen, und auf die Stille „über“ allem. Dies erlebte ich als berührend und wohltuend.

Der Zenlehrer Marcel Steiner nennt die Stille „die Muttersprache des Lebens und jedes Menschen“. Und Eckehart Tolle meint: „Stille ist die Muttersprache Gottes“.

Diese Gedanken gefallen mir: Stille als uns alle und alles verbindende Sprache.

Es gibt auch Momente, in denen Stille bedrückend und unangenehm ist. Das kenne ich.

Und wiederum gibt es Augenblicke, in denen Stille vom Leben spricht, in denen Stille prall voll von Freude ist. Von solchen Momenten nähre ich mich. Da spricht mich die Muttersprache Gottes und des Lebens direkt an. Zu dieser Stille will ich Sorge tragen.

Ich will bewusst der Stille zuhören, in mir die Erfahrung von Edith Stein wach halten: „Wir bedürfen der Stunden, in denen wir schweigend lauschen.“ Wir brauchen Stunden, in denen wir offen sind für die Muttersprache des Lebens und uns bewusst umfangen lassen von der Stille des Kosmos.

Sabine Lustenberger

Sabine Lustenberger, Kapuzinerin.
Lebt im Kapuzinerinnenkloster St. Klara in Stans.
Tätig in der Leitung der Gemeinschaft, in Seelsorge und im Klosterhaushalt.
Sie begleitet Exerzitien und bietet Geistliche Begleitung an.