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Weltweit gehören beispielsweise Panda, Orang-Utan, Eisbär, Nashorn, Tiger zu den bedrohten Tierarten. Doch auch in der Schweiz stehen viele Arten auf der Roten Liste. In den letzten Jahrzehnten sind bei uns alleine rund 250 Arten ausgestorben.

Der Trauermantel ist ein braunviolett gefärbter Schmetterling mit hellgelbem Rand. Er galt gemäss Verzeichnis der Schmetterlinge der Schweiz aus dem Jahre 1852 als in «Tief- und Hügellandregionen überall gemein». Den einst weit verbreiteten Schmetterling sucht man heute im Mittelland vergebens. Am ehesten gelangen Beobachtungen in den letzten Jahren im Wallis oder im Tessin. Wie dem Trauermantel ging es vielen andern Tier- und Pflanzenarten.

Viele Pflanzen und Tiere sind gefährdet

Inmitten von Europa gelegen bietet die Schweiz mit Jura, Mittelland, Alpen und Südtälern eine reiche biologische Vielfalt. In den letzten 100 Jahren hat sie allerdings massive Verluste an Biodiversität erlitten. Nur wenige intakte, naturnahe Flächen im Mittelland und in den Tallagen der Berggebiete sind heute noch erhalten.

Über ein Drittel der Pflanzen-, Tier- und Pilzarten der Schweiz sind gemäss Roter Liste als bedroht eingestuft. Weitere 10 Prozent gelten als «potenziell gefährdet». Bereits ausgestorben sind in der Schweiz 247 Arten, darunter der Rotkopfwürger, der 2009 das letzte Mal im Baselbiet brütete.

Zwar hat der Bundesrat zehn strategische Ziele zum Schutz und zur Förderung der Biodiversität in der Schweiz beschlossen. Und 2017 wurde der «Aktionsplan Biodiversität» veröffentlicht. Doch die Umweltschutzorganisationen, darunter «oeku Kirche und Umwelt», befürchten, dass sich die Ziele ohne griffige Massnahmen und ausreichende Mittel nicht erreichen lassen.

Was heisst Vielfalt?

Wenn es um Lebewesen geht, brauchen Fachleute für Vielfalt gerne das Wort Biodiversität. Laien setzen das Wort Biodiversität gerne mit «Artenvielfalt» gleich. Doch das stimmt nicht ganz. Biodiversität ist mehr als Artenvielfalt. Biodiversität beinhaltet auch die genetische Vielfalt. Das bedeutet beispielsweise, dass es nicht einfach «den Apfel» (lateinisch Malus sylvestris) gibt, sondern viele verschiedene Sorten wie die Goldparmäne, den Boskop, den Gravensteiner oder die Berner Rose. Zudem bemisst sich Biodiversität auch in der Vielfalt der Lebensräume und den Wechselwirkungen zwischen Arten, Sorten und Lebensräumen.

In der Schweiz leben nachweislich 46000 verschiedene Arten. Dazu kommt eine unbekannte Anzahl von Bodenlebewesen. All diese Arten leben in 235 verschiedenen Lebensraumtypen, wie beispielsweise Auenwälder, Magerwiesen oder Zwergstrauchheiden. Die Genbank der Forschungsanstalt Agroscope Changins/Wädenswil umfasst derzeit Saatgut von fast 12000 Sorten unterschiedlicher Nutzpflanzenarten. In dieser Genbank befinden sich beispielsweise 85 Sorten Ribelmais oder 2198 Dinkelsorten.

Warum braucht es Biodiversität?

Theologisch gesprochen sind alle Lebewesen Geschöpfe Gottes, die einen eigenen Wert besitzen. Sie 58 Franziskuskalender 2019 zu achten, zu hegen und pflegen wurde uns Menschen von Gott aufgetragen. Doch es gibt auch ökologische, ethische, ästhetische, psychologisch-soziale und wirtschaftliche Gründe, weshalb wir die Biodiversität schützen und fördern sollten.

Die Biodiversität sorgt für unser Wohlergehen. Denken wir nur an Nahrung, Futtermittel, Bestäubung, Erosionsschutz, Abbau von Schadstoffen, Erholung, Bodenbildung oder Sauerstoffproduktion. Von Ökosystemen profitiert die ganze Gesellschaft. Die Erde wurde uns geschenkt. Es ist unsere Aufgabe, dieses Geschenk unseren Kindern lebenswert zu hinterlassen.

Biodiversität rund um die Kirche

Kirchgemeinden können beitragen, die Biodiversität zu erhalten, indem sie in ihren Kirchen und auf ihren Grundstücken Lebensraum für Tiere und Pflanzen erhalten oder neu schaffen. Sind die Lebensräume vorhanden, wandern Igel, Blindschleichen, Bergmolche, Erdkröten, Schmetterlinge und viele andere Tiere von selber ein.

Bezüglich des Artenschutzes haben die Kirchgemeinden bei den Fledermäusen und Vögeln die grösste Verantwortung. Denn mit dem Ausbau von Scheunen und Dachstöcken von Privathäusern geht immer mehr Lebensraum in Gebäuden verloren. Dadurch kommen Gebäudebrüter in Bedrängnis. Kirchtürme sowie Dachstöcke von Kirchen und Pfarrhäusern werden kaum ausgebaut, haben viele Öffnungen und kleine Nischen, werden selten benutzt und sind sehr gross. Darum bieten Kirchen wichtige Kinderstuben für Fledermäuse (wie beispielsweise für Mausohren, Langohren und Hufeisennasen) und Brutstandorte von Vögeln, die in Gebäuden brüten. Neben den Gebäuden ist auch die Umgebungsgestaltung wichtig, damit sich die Tiere unbemerkt bewegen und verstecken können sowie Nahrung finden.

Je wilder und strukturreicher eine Umgebung ist, je mehr heimische Pflanzen und Gehölze dort angepflanzt sind, desto mehr Wildtiere werden sich ansiedeln. Darum sind auf dem Kirchenareal «unordentliche Ecken» wie Stein-, Sand- und Altholzhaufen, Trockenmauern, Inseln mit verfilztem Altgras und Weiher sehr wichtig. Sie dienen Insekten, Amphibien und Reptilien als Lebensraum. Stehen in der Umgebung des Kirchgemeindehauses Unterschlupfmöglichkeiten bereit und gibt es gute, vielfältige, naturnahe Bereiche, so sind dies wichtige Inseln in der versiegelten Siedlungslandschaft.

Text und Fotos: Claudia Baumberger

Die Autorin ist Mitarbeiterin der Fachstelle «oeku Kirche und Umwelt»:www.oeku.ch

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