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Der Kapuziner Gebhard Kurmann predigte als Seelsorger im Luzerner Wesemlin-Quartier über die Aussendungs-Rede Jesu (Lukas 10, 1-20)

An vielen Briefkästen findet man Aufkleber mit der Aufforderung «Bitte keine Werbung». Werbung wird von vielen als lästig empfunden. Werbeblöcke im Fernsehen verleiten dazu, auf andere Programme umzuschalten oder zwischendurch etwas zu erledigen, bis das gewünschte Programm fortgesetzt wird. Die Werbeleute müssen sich immer raffiniertere Methoden einfallen lassen, wie sie ihre Botschaften an den Mann, an die Frau bringen.

Ähnlich schwierig ist es, religiöse Botschaften zu übermitteln. Auch da treffen wir häufig auf den Wunsch: Bitte lass mich damit in Ruhe. Auch da ist es notwendig, immer nach neuen Wegen Ausschau zu halten, wie Menschen dafür interessiert werden können.

Mission ist möglich

Im Evangelium lesen wir, wie Jesus Boten ausschickt, um die Wirkung seiner Predigt zu vervielfachen. Er selber zog durch alle Städte und Dörfer. Und nun schickt er 70 bzw. 72 Personen aus. Nach der biblischen Völkertafel (Gen. 10) besteht die Menschheit aus 70 bzw. 72 Völkern. Jesu Botschaft ist für alle Völker bestimmt, niemand ist davon ausgeschlossen.

Bei der Aussendung der 70 Boten fallen vor allem drei Punkte auf, die die Mission der Christen im ersten Jahrhundert charakterisieren:

Die erste Anweisung vermeidet jede Aufdringlichkeit. Sie richtet sich an Menschen, die in diesem Moment für die Botschaft empfänglich sind. Die Boten sollen dort einkehren und bleiben, wo sie willkommen sind, wo ihre Gastgeber für ihre Botschaft empfänglich sind, wo man für sie offen ist, bzw. in gewissem Sinne bereits auf sie wartet.

Weiter ist der Inhalt ihrer Botschaft sehr einfach. Sie lässt sich in einem Satz zusammenfassen: «Sagt den Leuten: ‚Gott richtet jetzt seine Herrschaft bei euch auf!’» oder wie es in einer anderen Übersetzung heisst: «Das Reich Gottes ist nahe.»

Schliesslich sind die Ausgesandten lediglich Vorboten dessen, der selbst zu den Menschen kommt: Jesus, der Messias, der Erlöser.

unaufdringlich

Die Boten Jesu brauchen also nicht aufdringlich zu sein. Sie müssen nichts an den Mann, an die Frau bringen, nichts verkaufen, nichts unterjubeln, nichts aufdrängen. Gott ist schon bei den Menschen, bevor Missionare zu ihnen kommen. In ihrer Sehnsucht nach Frieden und nach Wahrheit ist bereits auch die Sehnsucht nach Gott enthalten. Gott selbst weckt diese Sehnsucht und bestellt damit den Ackerboden, auf den der Same seines Wortes fällt.

Nicht selten hat man den Eindruck, dass in manchen Menschen erst durch das Schicksal die Sehnsucht nach Gott wachgerufen werden muss. Und dann ist jener Mensch, der ihnen zu sagen vermag, «das Reich Gottes ist nahe», ein willkommener Bote Gottes ist.

einfach

Der Auftrag an die Gesandten lässt sich im Satz zusammenfassen: Das Reich Gottes ist nahe. Er wirkt und gestaltet das Leben der Menschen. Er hat keinen von uns vergessen und auch nicht dem Spiel fremder Mächte überlassen. Dieser Satz ist eine Einladung, unsere Hoffnung ganz auf ihn zu setzen.

Religion und Glaube erscheinen oft als ein kompliziertes und schwer zu durchschauendes System. Deshalb hüten sich oft Menschen, vom Glauben zu reden und den Glauben weiter zu geben. Aber im Grunde ist Glaube etwas ganz Einfaches: sich auf Gott einlassen, sich auf Gott verlassen. Jeder, auch der einfachste Mensch ist fähig, dies zu leben und  auszustrahlen.

Mission ist notwendig

Jesus anzukündigen, zu ihm hinzuführen, den Menschen zuzusichern, dass das Reich Gottes nahe ist, und jene ausfindig zu machen, die bereit sind, diese Frohe Botschaft anzunehmen, ist heute unsere Aufgabe.

Das Wort Mission wird heute leicht für alle möglichen anderen Dinge gebraucht, die wir lieber nicht mit Gott in Verbindung bringen, als Filmtitel etwa oder in politischen Zusammenhängen. Im kirchlichen Kontexte klingt in vielen Ohren noch der Missbrauch religiöser Macht mit, sodass wir diese Bezeichnung nur mehr ungern gebrauchen. Trotzdem sind wir eingeladen, heute noch missionarisch zu wirken im Sinne des heutigen Evangeliums: unaufdringlich, einfach und auf Christus ausgerichtet. Wir sind «nur» die Vorboten dessen, der in alle unsere Orte kommen will: Jesus, der Messias und Erlöser.

Quelle:cssr.at