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Missverständnisse um «Mission»

In den letzten Jahrzehnten hat sich das Verständnis von «Mission» sehr stark geändert. Viele haben die neue Sicht noch nicht wahrgenommen. Darum veröffentlichen wir hier in freien Folgen Texte, die zeigen, was die katholische Kirche heute unter «Mission» versteht. Am Anfang ein Text aus dem Blickwinkel der Kapuziner.

Das Wort «Mission» hat heute einen schlechten Klang. Jemanden «missionieren» bedeutet umgangssprachlich jemanden «überreden»: einen andern Menschen dazu bringen, etwas zu tun, das er eigentlich nicht tun möchte. Und erst recht verbietet es die postmoderne Beliebigkeit, andern die eigenen Überzeugungen aufzudrängen.

Doch bei näherem Zusehen handelt es sich hier um ein Missverständnis. Mission bedeutet im kirchlichen Bereich alles andere als. Manipulation. Es geht hier darum, den Menschen die befreiende Botschaft von Jesus. weiterzugeben – und zwar in einer Sprache die von allen verstanden wird, so dass spürbar wird: Es geht um meine Sache. Ich erhalte ein Angebot, auf das einzugehen sich für mich lohnt.

Darum sind die Kapuziner überzeugt, dass sie guten Gewissens «missionieren» dürfen. Allerdings wissen sie, dass sie Abschied nehmen müssen von manchen früherer Methoden des Missionierens. Gewisse traditionelle Formen sind nicht mehr zeitgemäss. Unbestritten ist jedoch, dass die traditionellste Form der franziskanischen Mission auch die am meisten zeitgemässe ist. Franz von Assisi beschreibt sie in seiner (unbestätigten) Ordensregel: Die Brüder, die zu den Ungläubigen hinaus ziehen, «können in zweifacher Weise unter ihnen geistlich wirken. Eine Art besteht darin, dass sie weder Zank noch Streit beginnen, sondern um Gottes willen allen Menschen untertan sind` (1. Petrusbrief) und bekennen, dass sie Christen sind. Die andere Art ist die, dass sie – falls sie es als gottgefällig erkannt haben – das Wort Gottes verkünden …»

Im Klartext: Wie Charles de Foucauld, der Gründer der «Kleinen Brüder», können die Jünger und Jüngerinnen des heiligen Franz durch ihre einfache, mitmenschliche Präsenz sowie durch Friedens- und Hilfsbereitschaft Zeugnis ablegen vom menschenfreundlichen Gott Jesu Christi. Wenn sie dann spüren, dass der rechte Zeitpunkt dafür gekommen ist, fangen sie an, ihren Glauben auch durch Worte zu verkünden.

«Gott war früher da»

Nicht nur die Methoden, auch die Motivation der Missionsarbeit hat sich geändert. Frühere Missionare waren überzeugt, dass die «Heiden» dem Feuer der Hölle verfallen würden, wenn sie sich nicht zum christlichen Glauben bekehrten. Es galt, sie den Klauen des Teufels zu entreissen. Spätestens seit dem Konzil wissen wir, dass diese Vorstellungen überholt sind. Auch wer guten Gewissens und ehrlichen Glaubens sich zu einer andern Religion bekennt, kann gerettet werden. Oder wie es ein lateinamerikanischer Theologe prägnant formuliert hat: «Gott war früher da als die Missionare.»

Diese sind dennoch nicht überflüssig. Viele von ihnen widmen sich dem interreligiösen Dialog. Dabei geht es keineswegs darum, Glaubensinhalte zu verstecken. Nur wenn die Vertreter jeder Religion zu ihrem Glauben stehen, kommt ein fruchtbarer Austausch zustande. Nicht selten führt das offene Gespräch dazu, Werte der eigenen Religion tiefer zu verstehen. Das Gespräch mit Hinduismus und Buddhismus beispielsweise lehrt die Christen, ihre mystischen Traditionen neu zu bewerten. Franziskanische Menschen werden dabei auch in ihrer Auffassung von der umfassenden, «kosmischen» Geschwisterlichkeit alles Geschaffenen bestärkt.

Und wie schon angetönt, haben sie eine Botschaft zu verkünden, die im 21. Jahrhundert genau so aktuell ist wie vor 2000 Jahren: die Botschaft, dass Gott alle Menschen liebt und für alle das Heil will, und es «in Fülle» will.

Aus: Walter Ludin u.a.: Die Kapuziner – ein franziskanischer Lebensentwurf. Gratis zu beziehen in jedem Kapuzinerkloster.