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Der Immenseer Missionar Ernstpeter Heiniger, Dozent für Missionswissenschaft an der Uni Luzern, befasst sich mit dieser Frage im Nachwort seines Buches „Veränderung ist möglich …“ (Mission im Dialog, Band 1, 2013 Luzern). Hier ein erster Ausschnitt:

Angesichts der unterschiedlichen Wahrnehmung des Begriffes Mission drängt sich eine Reflexion über den missionarischen Grundauftrag und die missionarische Dimension der Kirche auf. Neuere kirchliche Dokumente und das Zweite Vatikanische Konzil halten fest, dass die nichtchristlichen Religionen eine heilsgeschichtliche Aufgabe haben. Da Nichtchristen ihren Weg auf ihre je eigene Weise gehen können, kann der Frage: „Was meinen wir, wenn wir heute von Mission reden?“ nicht ausgewichen werden.

Um diese Frage beantworten zu können, sind Sinn, Inhalt und Ziel der missionarischen Tätigkeit zu erheben und zu klären.

Das Missionsdekret des Zweiten Vatikanischen Konzils macht in der Aussage, das ganze Volk Gottes ist seinem Wesen und seiner Berufung nach missionarisch, eine grundlegende Feststellung. Da missionarische Tätigkeit die kirchliche Identität ausmacht, fällt es dem Volk Gottes als ausschliessliche und eigentliche Aufgabe zu, „die Liebe Gottes allen Menschen und Völkern zu verkünden und mitzuteilen“. Es geht also nicht nur um Verkündigung einer Botschaft, sondern um Mitteilung der Liebe Gottes: einer Liebe, die den ganzen Menschen und alle Lebensbereiche umfasst. Darin eingeschlossen sind alle religiösen und leib-seelischen, das heisst seine sozialen und kulturellen, materiellen und wirtschaftlichen Belange.

Als Folgerung ergibt sich, dass ein Reden von Kirche oder über Kirche nur möglich ist, wenn ihre Sendung klar festgehalten wird. Ohne in Abrede zu stellen, dass Glaubensverkündigung und gewalttätige Ausweitung des europäischen Herrschaftsbereiches oft parallel verliefen, ist Mission nicht ein Abschnitt in der Geschichte der Kirche, sondern als ein Geschehen und als Ausdruck ihrer Identität „das Eigentliche und prinzipiell Unabgeschlossene“.

Mission hat als Ziel, die Herrschaft Gottes in der Geschichte offenbar zu machen. Deshalb ist Kirche nie das Ziel missionarischer Tätigkeit, sondern höchstens ein Werkzeug. Kirche und vor allem eine missionarische Kirche müssen so gestaltet sein, dass Menschen ungeachtet ihrer Hautfarbe und ihrer Einbindung in politische sowie gesellschaftliche Systeme und Kulturen in entscheidenden Fragen menschlichen Lebens zu einer Zusammenarbeit hinfinden können, die die Einheit aller fordert und fördert. Weil alle auf gleicher Augenhöhe miteinander reden, in gegenseitiger Achtung einander begegnen und sich auf eine Begegnung einzulassen, die dialogisch strukturiert ist, wird Machtpositionen zusehends Raum entzogen.     (…)

Mission und Sendung der Kirche in der Welt verweisen auf eine Doppelaufgabe: Aufgabe der Kirche ist es, die Welt existenziell auf das Reich Gottes hin auszurichten und zur Annahme ihrer eigentlichen Grundbestimmung zu führen. Aufgabe der Kirche ist es ebenso, der Welt ihre eschatologische Bestimmung ausdrücklich zu machen und sie zur Annahme dieser Bestimmung einzuladen: „Evangelisieren besagt für die Kirche, die Frohbotschaft in alle Bereiche der Menschheit zu tragen und sie durch deren Einfluss von innen her umzuwandeln und die Menschheit selbst zu erneuern.“

Fortsetzung folgt