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Welche Impulse gibt der christliche Glaube in einer globalisierten, multireligiösen Welt? Eine Antwort gibt der peruanische Bischof Norbert Strotmann ausgehend vom christlichen Glaubensbekenntnis, dem Credo.

Mit einem Beispiel möchten wir zeigen, dass dort, wo und in dem Masse, in dem man die soziale Wirklichkeit und den eigenen Glauben unvermischt und ungetrennt ernst nimmt, christliches Zeugnis in unserer pluralistischen und multireligiösen Welt auch heute noch Inspirations- und Sprengkraft hat.

Wir wählen als Beispiel die kirchliche Kernkompetenz, das Credo:

  • «Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich.» (Gen 1,26) Die Würde eines jeden Menschen hat ihren Grund in Gottes Schöpfungstat.
  • Jesus Christus, Mensch und Gottes Sohn, verwirklicht in seinem Leben, seiner Verkündigung, in Kreuz und Auferstehung Gottes liebevolle Gemeinschaft mit den Menschen, das Reich.
  • Der Heilige Geist ist als Person das Band der Liebe zwischen Vater und Sohn; für die, die den Sohn zum Massstab ihres Lebens machen und so am Reich teilhaben, ist der Geist definitives Gott-verbunden-Sein.

Wer diesen Kern unseres Glaubens annimmt und ernst nimmt, erfährt: Jegliche Form der Exklusion oder der Marginalisierung des Menschen durch den Menschen sind unvereinbar mit der grundlegenden christlichen Gotteserfahrung. Das betrifft unsere soziale Welt in jederlei Hinsicht. Der lebendige Glaube lebt aus der Erfahrung, dass Gott den Menschen ernst nimmt. Er klagt daher Gottes Sensibilität für den Menschen und seinen Wert ein. Der Lebenssinn des Christen ist Gottes- und Menschendienst.

Eine neue Sensibilität für den Sinnwert des Menschen impliziert zugleich eine «kritische Würdigung» unserer menschengemachten Wirklichkeit: Unsere selbstgemachte Welt ist nicht «schlecht in sich», aber sie ist noch weniger «gut in sich». Ihr Wert hängt ab von dem Mass,

  1. in dem sie die Natur achtet, die der Mensch bei seiner Tätigkeit nutzt (schöpfungsökologische Dimension),
  2. in dem sie in ihrem Vorgehen den Menschen als Person respektiert und fördert (christologisch-personale Dimension) und
  3. in dem sie in ihrem Vorgehen und ihren Produkten «allen» Menschen dient (pneumatologisch/universal-gemeinschaftliche Dimension),
  4. vor allem aber den Ausgeschlossenen und/oder Marginalisierten (Präferenz-Dimension).

Wer seinen christlichen Glauben und die aus ihm folgenden Handlungsanweisungen ernst nimmt, hat schon die Leitlinien einer christlichen Zukunftsvision vor sich, sowohl einer Weltwirtschaftsordnung und einer globalen politischen Ordnung auf Weltebene als auch die wichtigsten Eckpunkte für all das, was sich im eigenen Land ändern muss. Er blockiert damit zugleich die voranschreitende Funktionalisierung des Menschen, eine Umwertung der Werte, bei der der Mensch immer mehr zum Mittel oder zur Funktion von Technik, Wirtschaft und Politik verkommt. Insofern lässt sich mit einem Fazit des reformierten Missionstheologen David J. Bosch schliessen: «Jesus Christus, sein Leben, seine Verkündigung, sein Tun, sein Tod und seine Auferstehung sind das bleibende Kriterium für das Zeugnis unseres christlichen Glaubens.»

Norbert Strotmann, Herz-Jesu-Missionar, Bischof von Chosica in Lima (Peru)