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ITE 2026/2 Wir leben Kirche

Edito: Warum leben wir Kirche? Gerne beantworten wir diese Frage mit einer persönlichen Entscheidung unsererseits oder schreiben sie unseren Eltern zu, die uns als Kinder taufen liessen. Und heute braucht es täglich unser Ja zum kirchlichen, christlichen Leben. Ich bevorzuge aber auch einen anderen, biblischen Zugang zu meinem, unserem Kirche-Sein. Wir sind von Gott gerufene Menschen. Im Griechischen gibt es dazu den wunderbaren Begriff «Ekklesia» (altgriechisch ἐκκλησία ekklēsía, lateinisch ecclesia). Ja –  Sie und ich sind von Gott in die Gemeinchaft der Gläubigen gerufen. 

Im Neuen Testament werden vier Möglichkeiten solcher Ekklesia, Versammlungen der Herausgerufenen, unterschieden. Es gibt Hauskirchen, Ortskirchen, Gebietskirchen sowie die Kirche im Allgemeinen. Ein Kapuzinerkloster würde ich als eine Hauskirche sehen. Pfarreien sind zumeist Ortskirchen. Seelsorge-Einheiten oder Räume sowie Bistümer würde ich als Gebietskirchen sehen, wie auch die Kantonalkirchen.

Von unseren Missionaren habe ich gelernt: Die kleinen christlichen Gemeinden, «small christian communities», bilden seit den 1970er Jahren die Basis der Kirche Tansanias. Zu einer Gemeinde gehören rund einhundert Menschen, das sind 10 bis 15 Familien. Sie kommen wöchentlich für eine knappe Stunde zum Gebet zusammen. Eine Bewegung von Hauskirchen hat es in der Schweiz - abgesehen von einigen Versuchen – katholischerseits bis heute nicht gegeben. Bei Reformierten habe ich einige erlebt.

In meinen Begegnungen mit Katholiken und Katholikinnen anderer Länder bekam ich unterschiedliche katholische Lebensweisen zu sehen. Positiv ausgedrückt ruft uns Gott an unterschiedlichen Orten zu einem kulturell integrierten christlichen Leben auf. Kapuziner zitieren oft Franz von Assisi mit «Sorge tragen je nach Ort, Zeit und kalten Gegenden» (Bullierte Regel 4). Das aktuelle ITE gibt einige Schlaglichter auf kirchliches Leben in der Schweiz. Dabei sind unsere kirchliche Strukturen einerseits durch die kantonale Gesetzgebungen sowie diözesane Vorgaben geprägt. Vor allem in der Deutschschweiz spricht man oft von dualen Kirchenstrukturen, die unser Gerufen-Sein durch Gott mitprägen. Beim Lesen wünsche ich Ihnen, liebe Leser und Leserinnen, vielfältige Entdeckungen und Klärungen.

Pace e bene

Adrian Müller

Kapuziner, Chefredaktor

www.adrianm.ch