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Schweizer Kapuziner-Provinz

Kapuziner-Blog

Mitglieder der franziskanischen Familie veröffentlichen hier alle zwei Wochen einen Blogbeitrag. Sie kommentieren aus persönlicher Sicht aktuelle Ereignisse.

Empfangt den Heiligen Geist
Die biblischen Bilder erklären, was geschieht, wenn der Auferstandene die, die er senden wird, anhaucht und spricht: „Empfangt den Hl. Geist!“ (Raphael Grolimund, 30. Mai 2020)
Glauben in Christus – Leben in Gott
Der Auferstehungsglaube umfasst unsere ganze Lebensbestimmung im Hier und Jetzt und im Dasein nach dem Tod. (Raphael Grolimund, 23. Mai 2020)
Seid gewiss: Ich bin bei euch
Jene, die seinen Namen tragen, sollen sein Werk fortführen. Aber ist das nicht eine zu grosse Aufgabe für sie? (Raphael Grolimund, 20. Mai 2020)
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Am 4. Oktober feiern wir Franziskus‘ Todestag. Feiern – Fest – Tod – wie kommen wir dazu, das Sterben eines Menschen zu feiern? In den Augen der Menschen zu Franziskus‘ Zeit, war er einer, der es geschafft hat. Jene Menschen waren überzeugt, dass Franziskus nach seinem Tod in den Himmel kommt und dort das ewige Leben hat. Dass er gestorben ist, hat nicht bedeutet, dass er für immer gegangen ist, sondern, dass er angekommen ist bei Gott, wo ein ewiges Festmahl auf uns alle wartet. Und das ist ein Grund, sich zu freuen: für Franziskus, dass ihm das vergönnt ist, und für uns, die wir glauben und hoffen dürfen, dass an diesem Tisch auch für uns ein Platz frei ist.

Franziskus blickt Richtung Portiuncula © Niklaus Kuster, 2019

Allerdings: wer da Platz nehmen will, der muss sich zu benehmen wissen. Es geht aber nicht um Tischmanieren, sondern darum, als was für ein Mensch ich mich zu Lebzeiten erweisen soll. Der christliche Glaube gibt dafür in den biblischen Erzählungen eine Orientierungshilfe. Drei Dinge sollen wir beherzigen: Gottesliebe, Nächstenliebe und Selbstliebe. Erst in diesem Dreiklang gelingt Leben wirklich. Wenn ich mich selbst in guter Weise spüre, bei mir bin, kann ich dem andern den Raum geben, den er braucht. Und wenn ich meinen Nächsten erkenne und mich ihm als Du erweise, befruchtet das auch meine Gottesbeziehung tiefgreifend.

Franziskus hat diesen Dreiklang in seinem Leben gut gekannt.
Allerdings hat er erst entdecken müssen, was Begegnung wahrhaftig liebend sein lässt. Sich selbst durch eine schwere Lebenskrise abhandengekommen, musste er sich neu finden. Mit neuem Blick auf sich und für die Welt, begegnet er seinen Nächsten auf andere Weise, mit wieder erwachtem Herz, wie er selbst sagt. Und erst da offenbart sich ihm Gott ganz nah, auf Augenhöhe und mit offenen Armen, offenen Ohren und einem offenen Herzen. Das ändert für Franziskus alles.

Wenn wir Franziskus‘ Todestag feiern, dann feiern wir auch, dass er einer war, der uns voraus ging und uns einen Weg zeigte, wie wir wahrhaft liebend in Beziehung sein können. Mit uns, mit unseren Nächsten, mit Gott.