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Schweizer Kapuziner-Provinz

Kapuziner-Blog

Mitglieder der franziskanischen Familie veröffentlichen hier alle zwei Wochen einen Blogbeitrag. Sie kommentieren aus persönlicher Sicht aktuelle Ereignisse.

Empfangt den Heiligen Geist
Die biblischen Bilder erklären, was geschieht, wenn der Auferstandene die, die er senden wird, anhaucht und spricht: „Empfangt den Hl. Geist!“ (Raphael Grolimund, 30. Mai 2020)
Glauben in Christus – Leben in Gott
Der Auferstehungsglaube umfasst unsere ganze Lebensbestimmung im Hier und Jetzt und im Dasein nach dem Tod. (Raphael Grolimund, 23. Mai 2020)
Seid gewiss: Ich bin bei euch
Jene, die seinen Namen tragen, sollen sein Werk fortführen. Aber ist das nicht eine zu grosse Aufgabe für sie? (Raphael Grolimund, 20. Mai 2020)
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Liebe Corona, junge Frau aus alter Zeit

Heute, 14. Mai, ist dein Fest! Doch hierzulande warst du am Anfang dieses Jahres fast so unbekannt wie das Corona-Virus. Wie kommt es, dass sich heute plötzlich Menschen der Postmoderne für dich interessieren, eine vergessene Christin der Frühen Kirche?

Nun ja, zunächst verschafft mir die ebenso zufällige wie zwiespältige Namensgleichheit mit dem Virus Interesse. Der Erreger steht allerdings für Gefährdung und tödliches Risiko, als Heilige stehe ich für innere Kraft und Leben ohne Ende.

Was lässt sich über Dein Leben sagen?

Historisch betrachtet wenig! Es gibt drei Legenden, die in unterschiedlichen Ländern und in zwei verschiedenen Jahrhunderten verortet sind. Ich mag die afrikanische Version Legenden sind seit Alters her „lesenswerte Geschichten“. Weniger an Fakten interessiert, wollen sie primär sinnstiftend sein. In meiner Legende leuchten drei Werte auf, die nach Paulus als einzige alles überdauern (1 Kor 13): ein Glaube, der aufrecht durch Krisen führt, ihre Hoffnung, die durch alles trägt, und eine Liebe, die stärker ist als Hass – und stärker als der Tod!

Weshalb hat sich deine Verehrung als Märtyrerin aus Ägypten bis ins mittelalterliche Bayern und Österreich, nach Aachen und Strassburg ausgebreitet? In welchen Anliegen fanden Besorgte bei dir Trost und Hoffnung?

Als Schwester aus alter Zeit weckte ich zunächst Interesse, weil es um die Lebensgeschichte einer jungen Frau geht. Dass ich zudem als Ehefrau in Erinnerung bleibe, lässt zusätzlich aufhorchen, da Verheiratete im katholischen Heiligenkalender ja selten sind. Ich bin überzeugt, dass das meine Verehrung auch in Europa förderte: Viele Menschen konnten eheliche und familiäre Sorgen leichter vor eine Heilige legen, die nicht in der Wüste oder im Kloster gelebt hat, sondern das städtische und partnerschaftliche Leben kennt.

Weshalb wird dein Name nun weltweit in vielen Gebeten genannt und warum horchen bei deiner Nennung auch Menschen auf, die sonst wenig auf Heilige geben?

In Mega-Krisen wie der aktuellen, in der sich die menschlichen Mittel allzu begrenzt erweisen, schauen mehr Menschen als sonst zum Himmel. Die Erfahrung, dass wir gefährdet sind und unser Leben fragil ist, weckt von Neuem das Bewusstsein und die Hoffnung, dass Heilsames, Heilung und Heil nicht allein von unseren Möglichkeiten abhängen.

 Was hast du, heilige Corona, in Ausnahmesituationen wie der Corona-Krise zu sagen?

Bereits meine klassischen Attribute sprechen aktuell und mit neuer Botschaft in die Gegenwart: Münze und Schatztruhe wurden meinem Bild in Europa deswegen hinzugefügt, weil Corona auch der Name einer Goldwährung war. Selbst Geldfälscher und Glücksspieler haben mich deswegen in früheren Zeiten angerufen. Die grosse Mehrheit einer breiten Bevölkerung jedoch drehte bis vor wenigen Jahrzehnten die Münzen in der Hand, weil sie sich unnötige Ausgaben nicht leisten konnte. Viele haben in meinen Kapellen in alltäglichen Geldsorgen gebetet. Heute können meine Attribute deutlich machen, wie fragil unsere Wirtschaft als ganze ist und dass sich Ökonomen und Politiker grundsätzliche Fragen stellen müssen: über die Auswege aus Verschuldungskrise und Rezession hinaus auch mit Blick auf die Zukunft des weltweiten Wirtschafts- und Finanzsystems.

Die Palmen auf meinen Darstellungen, lebensspendend und zur Folter missbraucht, stellen euch die Frage, wie wir mit der Mitwelt – Pflanzen und Tieren auf unserer Erde – umgehen. Muss es zum Stillstand weiter Wirtschaftszweige kommen, bis Luft und Wasser sauber werden und bis Fische und Wildtiere sich wieder in menschliche Lebensfelder wagen? Was verhilft der ganzen Schöpfung zu einem dauerhaften Auf- und Durchatmen?

Gibt es eine innere Verbindung zwischen deinem Geschick, der radikalen Verunsicherung vieler Menschen, der globalen Gefährdung ganzer Bevölkerungsgruppen und der Absturzgefahr eben noch blühender Volkswirtschaften?

Weltweite Krisen sind nicht neu. Auch ich lebte in einer Zeit und einem Weltreich, dessen Grenzen wankten, dessen Wirtschaft taumelte und in dem eine Finanzkrise, wachsende Arbeitslosigkeit, Seuchen und soziale Unruhen beängstigende Ausmasse annahmen. Die Antwort der kaiserlichen Politik war hilflos, kostete unzählige Opfer und mündete u.a. in einer neuen Religionspolitik. Die Menschheit braucht Visionen. Kaiser Konstantin entdeckte damals in der verfolgten christlichen Religion eine visionäre Kraft. Heute ist es das Zusammenspiel der Religionen, das neue Visionen wie die der „universalen Geschwisterlichkeit“ weckt.

 Und wozu könntest du uns als Schwester aus früherer Zeit, die schon als Teenager starb, in der aktuellen Situation ermutigen?

Victor, der Gefährte auf meinen Darstellungen unterstreicht die Bedeutung, die Solidarität in unserem Leben hat: von Mensch zu Mensch ebenso wie in der grösseren Verbundenheit der Gesellschaft, der Völker untereinander und der Menschheitsfamilie. Was mir im Zwischenmenschlichen gelungen ist und was die Frühe Kirche mit ihrer Vision einer Familie ohne Grenzen prägte, bleibt auch heute eine persönliche und gemeinsame Herausforderung: eine solidarischere Weg- und Weltgemeinschaft! Was Ihr in der aktuellen Krise hoffnungsvoll erlebt, soll euch im Neuaufbruch inspirieren: von der Idee der Konkurrenz und des rivalisierenden Wettlaufs zu einer Solidarität zu finden, die keine Grenzen kennt, weder die Grenzen von Nationen und Rassen, noch die von sozialen Klassen und Generationen. Nicht nur das Virus verbreitet sich grenzenlos, auch Solidarität kann und will es tun. Wir alle leben auf derselben Erde und haben „irdisch“ ein gemeinsames Ziel, das den Einsatz und die Fähigkeiten aller Menschen erfordert: eine gerechte, lebensfreundliche und friedliche Welt, die niemanden ausschliesst.

 Adaptiert aus dem Nachwort eines Essays zur Heiligen:

 

„Marta sagte zu Jesus: Wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. Aber auch jetzt weiss ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben.“

Bei der Corona-Pandemie könnte jemand sagen: Wäre ER hier gewesen …

Warum muss das sein? Doch diese Frage führt zu nichts. Marta geht weiter. Und auch wir gehen und tun, was zu tun ist. Wir schützen uns vor Ansteckung und vor rascher Verbreitung. Zu Hause bleiben, Abstand halten. Es kann lange dauern. Man weiss nicht und kann nur vermuten, was noch kommt. Alle brauchen Kraft, übermenschliche Kraft. Marta weiss, wo Hilfe ist. Jemand muss darum bitten. „Not lehrt beten“. Alle, die können, sollen es lernen und tun.

Wir hoffen, dass es einmal heissen wird: „Lazarus, komm heraus!“ Komm heraus aus der Enge des Grabes. Der Stein ist weggewälzt. Die Binden an Händen und Füssen und das Schweisstuch sind abgetan. Das erinnert an das leere Grab am Ostermorgen.

Das „Komm heraus!“ ist auch zu mir gesagt. Alle können es vernehmen und auf sich beziehen: „Kommt heraus!“ „Ich öffne eure Gräber und hole euch, mein Volk aus euren Gräbern … Wort des HERRN.“ (Ez.37,12f).

„Kommt heraus!“ bedeutet Befreiung, sich öffnen, heraustreten, aufatmen,  hoffen auf den neuen Anfang. Für Glaubende ist das „Kommt heraus!“ der Ruf zur Auferstehung, zum Leben in Christus aus der Kraft der Liebe zu ihm, zu Gott, zu uns selbst, zu den Nächsten.

„Kommt aus euch heraus!“ auf den Weg des Glaubens. Marta geht Schritt für Schritt auf ihrem Glaubensweg voran. Wir können uns an der Spur, die Marta gelegt hat, orientieren. Am Ziel bekennt sie: „Ich glaube.“  Ihr Glaube gilt dem, der sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben.“

Die Lazarus-Geschichte ist eine vorausgenommene Ostergeschichte. Man kann auch sagen: eine österliche Glaubensgeschichte.

(Evang.  Jo 11,1-45  ausgelegt in der Corona-Zeit)

Es ist leicht, Liebe und Besorgnis auszudrücken, wenn alles in Ordnung ist. Ich habe die Leute auch manchmal nur symbolisch gefragt: «Wie geht es dir?». Aber in der Zeit der Not und des Elends, des Schmerzes und der Zerstörung erkennen wir, was echt und unecht ist. Jetzt ist die Zeit für echte Fürsorge und Liebe, und es gibt keine Zeit für Symbolik.


Lukas 6: 27-30. “Aber zu euch, die ihr zuhört, sage ich:
Liebet, die euch feindlich gegenüberstehen, und tut Gutes denen, die euch hassen. Heisst die willkommen, die euch fluchen, und betet für die, die euch schlecht behandeln. (…) Gib allen, die dich bitten, und fordere von denen, die von dir nehmen, nichts zurück.“


Zwei Beispiele in diesen Tagen haben meinen Augen geöffnet.

Die medizinische Diplomatie des kommunistischen Kubas ist einfach mehr als das, was ich kannte. Wie hoffnungsvoll ist es zu sehen, dass die ‘medical experts’ (Ärzte und andere Experten) aus Kuba nach Italien gelangen, und die Menschen ihnen für ihre ausserordentliche Freundlichkeit applaudieren! Menschlichkeit ist nicht am Aussterben. In den letzten Tagen hat Kuba auch Kontingente ihrer ‘Armeen in weissen Roben’ zur Bekämpfung der Verbreitung von COVID-19 nach Venezuela und Nicaragua sowie nach Jamaika, Surinam und Grenada geschickt. «Wer sagt, dass er keine Angst hat, ist ein Superheld, aber wir sind keine Superhelden, sondern revolutionäre Ärzte.», sagte der Intensivmediziner Leonardo Fernandez, 68 Jahre alt.

Grossbritannien dankte Kuba letzte Woche auch dafür, dass es einem britischen Kreuzfahrtschiff ‘MS Breamar’, das von mehreren karibischen Häfen abgewiesen worden war, erlaubt hat, auf der Insel anzudocken und die Evakuierung der mehr als 600 Passagiere an Bord zu ermöglichen. Als die so genannten ‘Freunde’ und ‘verbündeten’ Länder den Appell zum Andocken ablehnten, war es ihr ‘Feindes-Land’, das den Hafen öffnete.

All dies geschah in einer Zeit, in der ein Präsident unter seinem Slogan ‘Mach (nur) Amerika wieder grossartig’ gewählt wurde. Und jetzt schreit er wieder ‘Keep (only) America great’. Was ist Grösse und wer ist gross?

In dieser Zeit sollten wir auch nicht vergessen, was die so genannten ‘gerechten’ Nationen Kuba angetan haben.

  • Jahrzehntelange US-Sanktionen lähmen die kubanische Wirtschaft immer noch.
  • Kuba wurde immer in Griff gehalten und seine Fortschritte wurden gewaltsam begrenzt.
  • Reis und Weizen für Kuba wurden blockiert, um das Land zu erweichen.
  • Es gab Reden von „grossen“ Menschen, die sagten, dass sie Kuba von der Welt eliminieren werden.
  • Der Präsident von Brasilien schickte Tausende kubanischer Ärzte nach Kuba zurück. Er hat sie als ‘Terroristen’ bezeichnet. (Der gleiche Präsident forderte 1’000 Ärzte aus Kuba auf, gegen Covid-19 zu kämpfen.)
  • Und viele mehr.

Fidel Castro sagte einmal: «Wir haben keine Atomwaffen und keine grosse Armee, aber wir haben Ärzte.» Sie wurden später ‘Armeen in weissen Roben’ genannt. Es ist der Wunsch Jesu, dass wir Lichter für Welt sind, wenn wir in der Welt sind. Es ist Zeit die wahren „Lichter der Welt“ zu erkennen.

Ich erinnere mich an Che Guevara und sein Leben. Er war ein Arzt. Nach Abschluss seines Studiums ging er zunächst in eine Leprakolonie in Peru und leistete Freiwilligendienst. Dort sah er das wahre leidende Gesicht der Menschheit und begann Fragen zu stellen. Auf der Suche nach Antworten wurde er später Kommunist. Dies ist die Tradition von Kuba und ihrer medizinischen Diplomatie.

Das Motto des Gesundheitsamtes in Kuba lautet: «Wir bieten nicht an, was wir übrig haben. Wir teilen, was wir haben».


Römer 12:20 ”Wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln”


Hut ab vor Ihnen, kubanische Ärzte!