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Schweizer Kapuziner-Provinz

Kapuziner-Blog

Mitglieder der franziskanischen Familie veröffentlichen hier alle zwei Wochen einen Blogbeitrag. Sie kommentieren aus persönlicher Sicht aktuelle Ereignisse.

Empfangt den Heiligen Geist
Die biblischen Bilder erklären, was geschieht, wenn der Auferstandene die, die er senden wird, anhaucht und spricht: „Empfangt den Hl. Geist!“ (Raphael Grolimund, 30. Mai 2020)
Glauben in Christus – Leben in Gott
Der Auferstehungsglaube umfasst unsere ganze Lebensbestimmung im Hier und Jetzt und im Dasein nach dem Tod. (Raphael Grolimund, 23. Mai 2020)
Seid gewiss: Ich bin bei euch
Jene, die seinen Namen tragen, sollen sein Werk fortführen. Aber ist das nicht eine zu grosse Aufgabe für sie? (Raphael Grolimund, 20. Mai 2020)
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Pfingsten und Ostern bilden eine Einheit. Sie gehören zusammen, auch wenn sie sieben Wochen auseinanderliegen. Das wird am Pfingstfest durch die Wahl des Evangeliums betont. Es ist ein Osterbericht mit pfingstlichem Geschehen.

Jesus tritt in ihre Mitte und spricht den Friedensgruss. Darauf sagt er zu ihnen: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ Und er haucht sie an und sagt: „Empfangt den Heiligen Geist!“ „Anhauchen“ ist das Wort, mit dem die Erschaffung und Belebung Adams beschrieben wird: „Gott formte den Menschen und blies in seine Nase den Lebensatem ein.“ (Gen 2,7) Ohne den Atem des Schöpfers gibt es kein Leben. Psalm 104 hält fest: „Nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin und kehren zurück zum Staub. Sendest du deinen Geist aus, so werden sie erschaffen, und du erneuerst das Angesicht der Erde.“ Die biblischen Bilder erklären, was geschieht, wenn der Auferstandene die, die er senden wird, anhaucht und spricht: „Empfangt den Hl. Geist!“

Mit dem Tod Jesu hatten die Jünger und Jüngerinnen alles verloren. Ihre ganze Hoffnung war gestorben. Sie selbst lagen in Schockstarre. Selbst am Ostermorgen sind sie immer noch benommen. Sie müssen reanimiert und neu belebt werden. Der Auferstandene tut es an ihnen. Er haucht ihnen das Leben des Heiligen Geistes ein, und zwar nicht nur für sie selber, sondern für alle, denen durch ihren Dienst Vergebung werden soll. Der Auferstandene beauftragt sie zum Heilsdienst: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ Jesu Sendung beinhaltet Heil und Rettung. Das hat er mit seinem Wort ausgedrückt: „Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.“ (Jo 3,17) In Jesus Christus streckt der menschenfreundliche Gott allen Menschen seine Hand entgegen, zur Rettung und zum Heil. Er sendet seinen Heiligen Geist aus, damit die Darniederliegenden aufgerichtet werden, die Notleidenden Hilfe erfahren, die Hoffnungslosen Leben empfangen.

Die Sendung Christi ist die Sendung der Kirche. Nichts anderes. Alle in der Kirche müssen diese Sendung erkennen. Verwirklichen können wir sie nur durch die Kraft des Heiligen Geistes.- Komm, Heiliger Geist. Belebe deine Kirche, du, Atem Gottes.

(Evangelium: Johannes 20,19-23)

Grundlage der ersten christlichen Gemeinden war ein gemeinsames Credo, eine klar gesetzte Glaubenserklärung. Diese konnte von Gemeinde zu Gemeinde verschieden formuliert sein. Sie musste nicht umfassend sein, sondern kurz und verständlich. Im Kreis des Evangelisten Johannes konnte sie gut so lauten, wie es das heutige Evangelium sagt: „Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.“

Den Ausdruck  „ewiges Leben“ bringen wir meist sofort mit dem Jenseits in Verbindung, mit dem Leben nach dem Tod. Gewiss begründet die Auferstehung Christi unsere Auferstehung von den Toten. Paulus schreibt darüber ein ganzes Kapitel im ersten Korintherbrief. Aber der gleiche Paulus schreibt auch, dass wir schon auf Erden als auferstandene Menschen leben sollen. „Wie Christus von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben.“ (Röm 6,4) Der Auferstehungsglaube umfasst unsere ganze Lebensbestimmung im Hier und Jetzt und im Dasein nach dem Tod. Als „Auferstandene“ leben heisst: Erfüllt sein vom Glauben an den Gott des Lebens; hoffnungsfroh und bereit Christus nachfolgen, und den Nächsten in Liebe zugewandt die Zeit gestalten.

Das Wort „ewig“ wird verschieden verwendet; je nachdem verschiebt sich der Sinn. Dem Wort „zeitlich“ gegenübergestellt bedeutet „ewig“ nie endend. Ewiges Leben nur in diesem Sinn wäre eine skurrile Angelegenheit. Im religiösen Sinn wird „ewig“ gerne mit dem Jenseits verbunden. Was immer man sich darunter vorstellt, das ist zu wenig. Der biblische und theologische Sinn ist viel umfassender und zugleich präziser. „Ewiges Leben“ bedeutet Leben in Gottesgemeinschaft; leben in seiner Gegenwart sowohl auf Erden wie nach dem Tod. Die Gottesgemeinschaft ist der entscheidende Inhalt. Durch den Glauben ist Christus – und mit ihm Gott – schon jetzt „unser Leben“, hier in der Gegenwart noch verborgen, aber durch uns bezeugt (wie gut? ist eine andere Frage), doch eindeutig offenbar bei unserem endgültigen (ewigen) Ankommen in IHM.

Pfingsten ist nahe. Wir bitten um den Hl. Geist. Der Geist der Wahrheit lasse uns den einzigen wahren Gott erkennen und Jesus Christus. Das ist das wahre Leben.

(7. Ostersonntag. Evangelium: Johannes 17,1-11a)

„Die Elf gehen nach Galiläa auf den Berg.“ Dort erscheint ihnen der Auferstandene ein letztes Mal. Damit vollendet sich die Jesusgeschichte nach Matthäus. Galiläa ist mehr als eine Ortsangabe. Es bildet bei Matthäus den ideellen Rahmen der Jesusgeschichte. In Galiläa hat alles begonnen. Da hat es nach Jesaja geheissen: „Die dort im Dunkel wohnen, sehen ein helles Licht.“ Dieses Licht erglänzt jetzt mit voller Kraft bei der Erscheinung des auferstandenen und erhöhten Christus auf dem Berg.

Der Berg ist namenlos, weil er alle biblischen Berge, auf denen Gott erschienen ist, einschliesst. Auf dem Berg Sinai hat Gott einst dem Volk Israel sein Wort gegeben, das Grundgesetz, das Gebot der Liebe und der Verantwortung füreinander. Die Entsprechung im Neuen Testament ist das Wort, das Jesus auf dem Berg in Galiläa den Seinen gibt, die Bergpredigt. Diese beginnt mit den Seligpreisungen: Den Armen Gerechtigkeit und Hilfe, den Trauernden Mitgefühl und Trost, den Barmherzigen Erbarmen, den Friedenstiftern Versöhnung und Frieden,  den Verfolgten Rettung im Reich Gottes. Das war und ist Jesu Lebensprogramm und Lebenswerk.

Jene, die seinen Namen tragen, sollen sein Werk fortführen. Er sendet sie zu allen Völkern als Zeugen für Gottes Reich. Aber ist das nicht eine zu grosse Aufgabe für sie?-  Eine Legende erzählt, wie die Engel den zum Himmel fahrenden Christus fragen: Was wird aus deinem Werk, wenn du es Menschen überlässt? Welchen Plan hast du, wenn sie versagen? Die Engel wissen schon, warum sie so fragen. Sie kennen die Geschichte des biblischen Volkes im Alten Bund. Diese erzählt von Glauben und Unglauben, von Befreiung und Untergang. Die Engel ahnen voraus, was das Volk im neuen Bund, die Kirche, alles anstellen wird. Es sind nur Menschen. Auch bei uns geht es auf und ab und auseinander mit Streit und Spaltungen. Die Engel könnten vieles aufdecken. Sie fragen nochmals: Welchen Plan hast du, wenn sie versagen? Christus antwortet ihnen: Ich habe keinen andern Plan. Mein Wort muss genügen. Mein Name ist Immanuel, „Gott mit uns“. Das steht am Anfang bei Matthäus. Und mit dem letzten Wort bei Matthäus sage ich: „Ich bin bei euch, seid gewiss.“ Das soll ihnen klar machen, was zu tun ist. Das soll sie leiten und stärken.

Liebe Corona, junge Frau aus alter Zeit

Heute, 14. Mai, ist dein Fest! Doch hierzulande warst du am Anfang dieses Jahres fast so unbekannt wie das Corona-Virus. Wie kommt es, dass sich heute plötzlich Menschen der Postmoderne für dich interessieren, eine vergessene Christin der Frühen Kirche?

Nun ja, zunächst verschafft mir die ebenso zufällige wie zwiespältige Namensgleichheit mit dem Virus Interesse. Der Erreger steht allerdings für Gefährdung und tödliches Risiko, als Heilige stehe ich für innere Kraft und Leben ohne Ende.

Was lässt sich über Dein Leben sagen?

Historisch betrachtet wenig! Es gibt drei Legenden, die in unterschiedlichen Ländern und in zwei verschiedenen Jahrhunderten verortet sind. Ich mag die afrikanische Version Legenden sind seit Alters her „lesenswerte Geschichten“. Weniger an Fakten interessiert, wollen sie primär sinnstiftend sein. In meiner Legende leuchten drei Werte auf, die nach Paulus als einzige alles überdauern (1 Kor 13): ein Glaube, der aufrecht durch Krisen führt, ihre Hoffnung, die durch alles trägt, und eine Liebe, die stärker ist als Hass – und stärker als der Tod!

Weshalb hat sich deine Verehrung als Märtyrerin aus Ägypten bis ins mittelalterliche Bayern und Österreich, nach Aachen und Strassburg ausgebreitet? In welchen Anliegen fanden Besorgte bei dir Trost und Hoffnung?

Als Schwester aus alter Zeit weckte ich zunächst Interesse, weil es um die Lebensgeschichte einer jungen Frau geht. Dass ich zudem als Ehefrau in Erinnerung bleibe, lässt zusätzlich aufhorchen, da Verheiratete im katholischen Heiligenkalender ja selten sind. Ich bin überzeugt, dass das meine Verehrung auch in Europa förderte: Viele Menschen konnten eheliche und familiäre Sorgen leichter vor eine Heilige legen, die nicht in der Wüste oder im Kloster gelebt hat, sondern das städtische und partnerschaftliche Leben kennt.

Weshalb wird dein Name nun weltweit in vielen Gebeten genannt und warum horchen bei deiner Nennung auch Menschen auf, die sonst wenig auf Heilige geben?

In Mega-Krisen wie der aktuellen, in der sich die menschlichen Mittel allzu begrenzt erweisen, schauen mehr Menschen als sonst zum Himmel. Die Erfahrung, dass wir gefährdet sind und unser Leben fragil ist, weckt von Neuem das Bewusstsein und die Hoffnung, dass Heilsames, Heilung und Heil nicht allein von unseren Möglichkeiten abhängen.

 Was hast du, heilige Corona, in Ausnahmesituationen wie der Corona-Krise zu sagen?

Bereits meine klassischen Attribute sprechen aktuell und mit neuer Botschaft in die Gegenwart: Münze und Schatztruhe wurden meinem Bild in Europa deswegen hinzugefügt, weil Corona auch der Name einer Goldwährung war. Selbst Geldfälscher und Glücksspieler haben mich deswegen in früheren Zeiten angerufen. Die grosse Mehrheit einer breiten Bevölkerung jedoch drehte bis vor wenigen Jahrzehnten die Münzen in der Hand, weil sie sich unnötige Ausgaben nicht leisten konnte. Viele haben in meinen Kapellen in alltäglichen Geldsorgen gebetet. Heute können meine Attribute deutlich machen, wie fragil unsere Wirtschaft als ganze ist und dass sich Ökonomen und Politiker grundsätzliche Fragen stellen müssen: über die Auswege aus Verschuldungskrise und Rezession hinaus auch mit Blick auf die Zukunft des weltweiten Wirtschafts- und Finanzsystems.

Die Palmen auf meinen Darstellungen, lebensspendend und zur Folter missbraucht, stellen euch die Frage, wie wir mit der Mitwelt – Pflanzen und Tieren auf unserer Erde – umgehen. Muss es zum Stillstand weiter Wirtschaftszweige kommen, bis Luft und Wasser sauber werden und bis Fische und Wildtiere sich wieder in menschliche Lebensfelder wagen? Was verhilft der ganzen Schöpfung zu einem dauerhaften Auf- und Durchatmen?

Gibt es eine innere Verbindung zwischen deinem Geschick, der radikalen Verunsicherung vieler Menschen, der globalen Gefährdung ganzer Bevölkerungsgruppen und der Absturzgefahr eben noch blühender Volkswirtschaften?

Weltweite Krisen sind nicht neu. Auch ich lebte in einer Zeit und einem Weltreich, dessen Grenzen wankten, dessen Wirtschaft taumelte und in dem eine Finanzkrise, wachsende Arbeitslosigkeit, Seuchen und soziale Unruhen beängstigende Ausmasse annahmen. Die Antwort der kaiserlichen Politik war hilflos, kostete unzählige Opfer und mündete u.a. in einer neuen Religionspolitik. Die Menschheit braucht Visionen. Kaiser Konstantin entdeckte damals in der verfolgten christlichen Religion eine visionäre Kraft. Heute ist es das Zusammenspiel der Religionen, das neue Visionen wie die der „universalen Geschwisterlichkeit“ weckt.

 Und wozu könntest du uns als Schwester aus früherer Zeit, die schon als Teenager starb, in der aktuellen Situation ermutigen?

Victor, der Gefährte auf meinen Darstellungen unterstreicht die Bedeutung, die Solidarität in unserem Leben hat: von Mensch zu Mensch ebenso wie in der grösseren Verbundenheit der Gesellschaft, der Völker untereinander und der Menschheitsfamilie. Was mir im Zwischenmenschlichen gelungen ist und was die Frühe Kirche mit ihrer Vision einer Familie ohne Grenzen prägte, bleibt auch heute eine persönliche und gemeinsame Herausforderung: eine solidarischere Weg- und Weltgemeinschaft! Was Ihr in der aktuellen Krise hoffnungsvoll erlebt, soll euch im Neuaufbruch inspirieren: von der Idee der Konkurrenz und des rivalisierenden Wettlaufs zu einer Solidarität zu finden, die keine Grenzen kennt, weder die Grenzen von Nationen und Rassen, noch die von sozialen Klassen und Generationen. Nicht nur das Virus verbreitet sich grenzenlos, auch Solidarität kann und will es tun. Wir alle leben auf derselben Erde und haben „irdisch“ ein gemeinsames Ziel, das den Einsatz und die Fähigkeiten aller Menschen erfordert: eine gerechte, lebensfreundliche und friedliche Welt, die niemanden ausschliesst.

 Adaptiert aus dem Nachwort eines Essays zur Heiligen:

 

3. Sonntag in der Osterzeit – Evangelium: Johannes 21,1-14

Ich versuche mich in diese wunderbare Ostergeschichte so aufmerksam wie möglich hineinzudenken, damit sie mich erreichen und mitnehmen kann.

Die sieben Jünger vertreten die ganze Kirche. Die Zahl Sieben steht für das Ganze. Petrus, Thomas, Nathanael, die „Donnersöhne“ und die zwei anderen sind sehr verschiedene Typen, schnellgläubig, zögernd, polternd und hinterfragend. „Kann aus Nazaret etwas Gutes kommen?“, hat Nathanael skeptisch gefragt. (Jo 1,46) Damit die Zahl Sieben vollständig ist, werden zwei andere dazugegeben, die namenlos sind. In ihnen können sich alle Gläubigen in ihrer Vielfalt erkennen.

Heute erfahren wir eine Kirche, die von verschiedenen Kraftfeldern beherrscht wird, je nachdem ziehen sie sich gegenseitig an oder stoßen sich ab. Extrempositionen haben die Eigenheit, nur noch mit sich selber im Gespräch zu sein. Alle anderen werden verurteilt und abgetan. Unter diesen Umständen ist die Kirche blockiert. Sie kann sich nicht bewegen. Es braucht einen Neuanfang.

Am See Tiberias – wir könnten auch sagen: in der einen Taufe, im einen Herrn – haben sich die Ersten trotz Verschiedenheiten in eins gefunden. Petrus sagte: „Ich gehe fischen.“ Die anderen sagten: „Wir kommen auch mit.“ Sie möchten die Menschen für das Evangelium gewinnen. Alle ziehen am gleichen Strang. Sie tragen auch alle am gleichen Schicksal. In dieser Nacht bleiben ihre Netze leer. Aber es wird Morgen.

Ein Unbekannter steht am Ufer. Dieser macht ihnen ihren Misserfolg erst recht bewusst. Er fragt: „Habt ihr nicht etwas zu essen?“ Sie haben nichts. Sie sollen noch einmal in seinem Auftrag und mit seinem Wort hinausfahren. Und nun kommt es zur perfekten Überraschung. Sie können das Netz nicht mehr einholen, so voller Fische ist es. Mit einem Schlag von Null auf Hundertdreiundfünfzig, eigentlich von Null ins Unendliche, von den erfolglosen Jüngern zur Erfüllung, die Christus schenkt.

„Es ist der Herr.“ Er steht am Feuer. Vor dem brennenden Dornbusch wagte Mose den Namen Gottes zu erfragen. Am Feuer von Tiberias heisst es: „Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war.“

Ich versuche diese wunderbare Ostergeschichte der heutigen Kirche unterzuschieben. Franziskus sagt: „Ich gehe fischen.“ Alle sagen: „Wir kommen auch mit.“ Dieser Anfang ist vielversprechend. Aber er garantiert noch gar nichts. Das Netz kann noch manches Mal leer bleiben.-  Wir suchen die Begegnung mit dem Unbekannten am Ufer. Er kann uns in seinem Netz auffangen und erfüllen. Wir sind im Wasser getauft und im Feuer des Geistes belebt, geladen zum Mahl. „Kommt und esst.“ Mit Petrus, Thomas, Nathanael und den anderen wissen wir: Es ist der Herr, der Christus. Mit ihm vermögen wir das Netz von neuem auszuwerfen.

Die Schweizer Kapuziner haben ihre Auftritte im Internet in den letzten Monaten ausgebaut. Vor allem: Medien wie Facebook, YouTube und Instagram werden nun intensiver genutzt. Verantwortlich für das Konzept ist die Ende 2019 gegründete Arbeitsgruppe «Social Media».mehr …

Die Frage nach den möglichen Auswirkungen des apostolischen Schreibens QA darf nicht nur, sie muss gestellt werden. Zu Recht wir der Hauptteil des Schreibens sehr gelobt, nicht nur wegen der ansprechenden, teilweise sogar poetischen Form, sondern vor allem auch wegen des empathischen Einsatzes für die Menschen und die Natur im Amazonas. Das Schreiben vermag aufzurütteln. Aber kann es auch an den entscheidenden Stellen etwas verändern?

  1. In der Wirtschaft? Es ist ziemlich blauäugig zu meinen, dass ein einziger der Unternehmer vor Ort seine ausbeuterische Praxis nur um einen Centimeter zurückschrauben wird, weil ein Papst dazu auffordert. Allenfalls wird das Unternehmen seine Öffentlichkeitsarbeit justieren. Aber sonst wird sich kaum etwas ändern.
  2. In der Politik? Ich kann mir nicht vorstellen, dass Jair Bolsonaro oder ein anderer der Mächtigen im südamerikanischen Raum sich am Zeug flicken und demokratisch belehren lässt von einem Verantwortlichen einer Institution, die sich selber sehr autoritär gebärdet und fundamentalste, demokratische  Standards wie die Gewaltenteilung missachtet.
  3. In der Kirche? Am meisten werden sich wohl die Menschen in den Kirchen Amazonas freuen über die liebevolle Zuwendung von Papst Franziskus und die Anerkennung und Würdigung der Nöte aber auch der Bedeutung ihres Lebensraumes. Was notwendige Veränderungen in der Pastoral der Kirche betrifft, da spart das Dokument nicht an Ratschlägen und fordert auf zu vermehrtem Engagement der Laien in der Kirche. Und auch die Frauen dürfen weiterhin das tun, was sie bisher schon tun durften: Gemeinde leiten, aber nicht die Eucharistiefeier, dienen, aber nicht entscheiden. Es wird kein bisschen mehr erlaubt als was nicht bisher schon erlaubt war und hier wie dort auch geschieht. Ja, die Praxis in einigen südamerikanischen Ländern geht bereits weiter, als in diesem Dokument vorgesehen ist.Bei der Frage der „viri probati“ wird hierzulande gerne vertröstet, dass dies vor allem eine Erwartung unserer Gegenden sei. Aber es darf doch darauf verwiesen werden, dass über diese Frage an der Amazonas-Synode abgestimmt wurde, um die Probleme im Amazonas Urwald zu lösen und nicht im Entlebuch.

Also weitgehend keine Veränderung? QA – ein schönes Papier? Nicht nur. QA wird weiter Veränderungen an der kirchlichen Basis auslösen. Das Warten auf Hoffnungszeichen aus Rom, das Warten darauf, wer in der zerstrittenen Kurie momentan die Oberhand gewinnt, verliert an Bedeutung. Die offene Situation in der Kirche öffnet auch Entscheidungsraum, der zunehmend wahrgenommen wird. Vorerst noch etwas verborgen, aber immer mutiger und öffentlicher. «Querida Amazonia» ist ein nachhaltiger Beitrag zur Entwicklung von mündigen, selbständigen Christen und zu einem neu aufgestellten Volk Gottes. Ob das vielleicht sogar eine versteckte Absicht von Papst Franziskus ist? Gott weiss es.

„Mit 66 Jahren fängt das Leben an“, hat Udo Jürgens gesungen. Dieser kurze Ausschnitt schwirrt in den letzten Tagen öfters in meinem Kopf herum. Dabei bin ich der Meinung, dass mein Leben bereits angefangen hat. Ich habe noch nicht einmal die Hälfte von diesen 66 Jahren auf dem Buckel. Natürlich, wenn man sich das ganze Lied von Jürgens anhört – was ich übrigens empfehlen kann – so merkt man, ist seine Aussage grundsätzlich anders.

Dennoch: In diesem Monat darf ich meinen 30. Geburtstag feiern. Da staune ich, was ich alles schon erlebt habe. Wie werde ich wohl staunen, wenn ich 66 bin?

Das Wunder des Lebens ist ja wirklich ein beeindruckendes Wunder.

Wenn man es bedenkt: Da entsteht im Mutterleib ein Zellklumpen und bereits ungefähr 22 Tage nach der Befruchtung soll der erste Herzschlag sein. Von diesem Tag an schlägt das Herz jeden Tag, jede Nacht … 30 Jahre, 66 Jahre, 80, 90 …

Ich finde es faszinierend, darüber nachzusinnen, was genau der Impuls ist, dass dieser erste Herzschlag stattfindet? Wer „sagt“ diesem, in jenem Stadium noch schlauchförmigen Herz, dass es nun Zeit ist zu arbeiten?

Genauso denke ich darüber nach, was wohl der Impuls ist, dass es aufhört? Es gibt Menschen, bei denen schlägt das Herz über 100 Jahre und dann plötzlich steht es still. Einfach so. Faszinierend!

Ja, es gibt viele Menschen, die krank sind oder aufgrund von Unfällen früher aus dem Leben scheiden als erwartet.

Trotzdem. Wenn man bedenkt, wie komplex unser Organismus arbeitet und wie wenig es braucht, damit er nicht mehr funktioniert, ist es doch ein Wunder, wie viele Menschen einfach gesund sind.

So bin ich dankbar, dass mein Herz seinen Dienst so treu erfüllt und mich die letzten 30 Jahre belebt hat. Ich bin auch dankbar, wenn es dies noch weiter tut. Denn ich möchte ja schon gerne wissen, wie man mit 66 Jahren auf das Leben zurückschaut.

Am 20. Oktober 2019 finden die Nationalrats- und Ständeratswahlen fest. Es gibt viele KandidatInnen und man erwartet viele WählerInnen. Ich bin froh. Das ist eine gute Nachricht für mich. In der Welt und unter uns Menschen gibt es Macht und Machtverteilungen. Diese kann gerecht und ungerecht verteilt werden. Die Machtverteilung unter Priestern in der katholischen Kirche empfinde ich als ungerecht und nicht legitim. Im Staat (Schweiz) bin ich einerseits recht glücklich mit dem System und dieses Jahr auch mit dem Engagement von Menschen. Denn in einer Demokratie braucht es das. Seine Meinung in Wahlen und Abstimmungen Kund zu tun, das gehört zu unserem System und ist dessen Grundlage.

Doch gehört zu diesem System auch noch eine weitere Machtverteilung, für die ich sehr dankbar bin. Legislative, Judikative und Exekutive. Dabei scheint es mir wichtig, dass vor allem die Exekutive, dass heisst der Bundesrat von National- und Ständerat sowie den unabhängigen Gerichten gut kontrolliert wird. Und als Journalist sehe ich auch die Wichtigkeit der vierten Macht; das sind Medien, die mit Sachverstand die Lücken und Löcher ausloten. Ich weiss und es ist wichtig; auch das Schweizerische System muss stets verbessert werden. Das zeigt im Moment die Unruhe wegen dem Verhalten des Bundesanwaltes mit der Fifa. Und das zeigt mir aber noch ein Weiteres. Das ganze System soll dem Schwachen in der Gesellschaft und nicht den Mächtigen dienen.

Und da wird mir mein Kapuzinersein wichtig: Orden der minderen Brüder Kapuziner. Die Aussätzigen der Gegenwart, die an den Rand gedrängten unserer Zeit möchte ich primär stützen und fördern. Und das beginnt für mich auch schon bei diesen Wahlen. Allen einen herzlichen Dank, die sich auch da einsetzen.

Kürzlich fragte ich mich, kurz nach dem Aufwachen: „Ist es still im Universum? Was klingt im Kosmos, in dem stets neue Sterne entstehen, ungeheure Explosionen stattfinden, Materie aufeinander prallt? Ist das hörbar? Oder ist es da still?“

Ich lese mit Interesse über astronomische Themen. Die unvorstellbaren Weiten des Universums faszinieren mich. Ich bin beglückt, wenn ich lese, wie neue Sterne und ganze Galaxien entstehen und wieder vergehen, seit Milliarden von Jahren. Und dass ich auf dem Planeten Erde leben darf, ein Staubkorn im Weltall, das lässt mich einfach staunen.

Doch ob es „da oben“ still ist, hatte ich mich bis zu diesem Moment nicht gefragt. Google half mir weiter: Im Universum ist für unsere menschlichen Ohren nichts zu hören.

 

Gärtnerinnen im Garten | © GFX 2019

Ich sann dieser Antwort auf meine Frage am offenen Fenster nach, an dem sonnigen Frühlingsmorgen. Ich lauschte dem Vogelgezwitscher zu, den Kuhglocken, dem vorbeifliegenden Helikopter, den Stimmen der Gärtnerinnen im Garten. Und ich hörte auf die Stille zwischen den Klängen, und auf die Stille „über“ allem. Dies erlebte ich als berührend und wohltuend.

Der Zenlehrer Marcel Steiner nennt die Stille „die Muttersprache des Lebens und jedes Menschen“. Und Eckehart Tolle meint: „Stille ist die Muttersprache Gottes“.

Diese Gedanken gefallen mir: Stille als uns alle und alles verbindende Sprache.

Es gibt auch Momente, in denen Stille bedrückend und unangenehm ist. Das kenne ich.

Und wiederum gibt es Augenblicke, in denen Stille vom Leben spricht, in denen Stille prall voll von Freude ist. Von solchen Momenten nähre ich mich. Da spricht mich die Muttersprache Gottes und des Lebens direkt an. Zu dieser Stille will ich Sorge tragen.

Ich will bewusst der Stille zuhören, in mir die Erfahrung von Edith Stein wach halten: „Wir bedürfen der Stunden, in denen wir schweigend lauschen.“ Wir brauchen Stunden, in denen wir offen sind für die Muttersprache des Lebens und uns bewusst umfangen lassen von der Stille des Kosmos.